Ich muss Anke Gröner schlagen!
„Anke Gröner hat das Buch in zwei Tagen durchgelesen.“ – das war ungefähr der zweite Satz, den ich hörte, nachdem ich am vergangenen Montag mein Weihnachtsgeschenk in Händen hielt. Man muss dazu anmerken, dass Anke Gröner für die Schenkerin in etwa das ist, was Gott für jeden handelsüblichen Christen oder Michael Jordan für den geneigten Basketballfan meines Alters ist.
„Gentlemen, wir leben am Abgrund“ heißt besagtes Buch von Thomas Pletzinger und es ist die Geschichte der letzten Saison von ALBA Berlin. Dem Klassenprimus des deutschen Basketballs, dem Erzrivalen der Bonner Telekom Baskets und eigentlich jedes anderen Clubs der Beko BBL. ALBA hat Geld, ALBA hat eine riesige Arena und ALBA kommt aus der Hauptstadt. Da kann alles andere nur zweitklassig sein.
Das reizt. Genau wie der „Anke Gröner Spruch“ beim Beschenkungsakt. Mein sportlicher Ehrgeiz war geweckt. „Ich muss Anke Gröner schlagen“! Und das nicht, weil sie mir in irgendeiner Art und Weise unsympathisch wäre, ganz im Gegenteil. Aber dass Frau Gröner, als Fan der Münchener Schickeria, ein Buch über meinen – zumindest mit dem Fußball gleichberechtigten – Lieblingssport schneller verschlingen könnte, als ich selbst, das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen.
Noch am späten Montagabend begann ich mit der Lektüre. Und schnell wurde mir klar, dass ich das schaffen könnte. Dieses Buch nahm mich sofort gefangen. Thomas Pletzinger ist mitten drin, statt nur dabei. Er beschreibt unglaublich genau, wie akribisch Trainer arbeiten, wie schmerzhaft eine Saisonvorbereitung für die Spieler ist und was ein Manager alles bedenken muss, wenn die neue Spielzeit vor der Türe steht. Er ist mit dabei, wenn es auf stundenlange Auswärtsfahrten geht, sitzt bei den Ansprachen der Trainer in der Kabine und sucht einen sauberen Platz in der Bamberger Umkleidestätte. Eine Saison lang durfte er Teil des Teams sein. Auf Achse, immer. Ein Jugendtraum, sicher nicht nur seiner. ALBAs Center-Legende Patrick Femerling beschreibt es so: „Das Ganze ist eine Verlängerung der Jugend nach hinten heraus. Eine sehr, sehr lange Klassenfahrt.“ So liest es sich auch.
Von einer kurzen Hochschulpause abgesehen (eigentlich beschränkte sich die Pause auf die Fahrt zur Hochschule hin und wieder von ihr fort – elendige Straßenverkehrsordnung), widmete ich mich knapp zwei Tage fast unablässig der Lektüre. Der sportliche Ehrgeiz war längst verflogen und reiner Freude am Lesen gewichen. Und doch kann ich sagen: ich habe es geschafft! In your face! Weniger als 48 Stunden! Den Bayernfan zwar nicht deklassiert, aber distanziert.
Meine Recherchen ergaben im Nachhinein, dass Anke Gröner wohl selbst gar mindestens drei Tage gebraucht haben könnte. Zumindest lassen das Twitter- und Blogeinträge vermuten. Das aber ist mir völlig egal. Ich hätte mich auch gefreut, hätte ich sieben oder vierhundertzwanzig Tage gebraucht. Das würde nämlich bedeuten, dass ich noch zahlreiche Tage exquisiten Lesevergnügens vor mir hätte.
Ich bedanke mich herzlich bei Anke Gröner, schließlich kam besagte Schenkerin wohl nur durch ihr Blog auf dieses unglaublich gute Buch. Und ich danke der Schenkerin für dieses Geschenk!
P.S.: Am Freitag werde ich Anke Gröner übrigens leider schon wieder schlagen. Die Münchener Bayern müssen zum Rückrundenauftakt bei meinem Verein antreten. Diesmal im Fußball.


Dein Lesesieg sei dir von Herzen gegönnt; ich fand das Buch auch sehr, sehr gut, ohne bisher auch nur einen Tropfen Herzblut für Basketball besessen zu haben. Das hat sich nach der Lektüre geändert.
Die Punkte am Freitag gehen dann allerdings wieder an mich. Bzw. uns. Sorry.
[...] mit etwas Verspätung eine SMS, in der ich den Namen der Siegerin mitteile. Dann lese ich DAS BASKETBALLBUCH von Herrn Derix und schlafe [...]