Die Reißleine

© Sebastian Derix

Von wegen „zurück in der Spur“. Die Telekom Baskets stecken weiter tief in der Krise. Gegen den Meister aus der Schweiz, Fribourg Olympic Basket setzte es in der Champions League eine Niederlage. Die erhoffte und erwartete Reaktion des Teams blieb aus. Coach Predrag Krunic schien ratlos, seine Spieler total verunsichert. Das hatte Konsequenzen.

Etwas mehr als einen Tag lang ließen diese auf sich warten. Eigentlich war klar, dass der Trainer keine Zukunft mehr haben würde. Am Donnerstagnachmittag kam dann die Mitteilung, dass Krunic fortan beurlaubt sei. Fürder hin hatten Verein und Ra´Shad James sich auf die Auflösung des Arbeitsvertrages des Amerikaners geeinigt.

Ein Paukenschlag, der im Internet schon von den Dächern gepfiffen wurde. Einer, der zudem nachvollziehbar scheint. Der Trainer ist ohnehin immer das schwächste Glied in der Kette der Krise. Da hilft es auch nicht, dass das Team den Übungsleiter eigentlich behalten wollte.

Auch bei James war die Trennung keine übergroße Überraschung. Zu sehr hatte der individuell beste Basketballer in der Mannschaft zuletzt seine Qualitäten versteckt. In einer Mitteilung in den sozialen Medien gab er zu Protokoll, dass die Rolle, die er zuletzt spielte, nicht mehr die gewesen sei, die gut für ihn und zudem mit dem Verein abgesprochen gewesen sei. Da müsse man dann die Konsequenzen ziehen, so der Amerikaner.

Schnell schob er ein Lob an Verein, Fans und überhaupt hinterher. Ein Stinkstiefel will er dann doch nicht sein. Mitglieder der Mannschaft hatten ohnehin unentwegt betont, dass es einen solchen im Team nicht gebe.

Für Krunic ist es der zweite Abschied aus Bonn. Menschlich sei er schwer gefallen, heißt es vom Verein. Fast mit dem gleichen Wortlaut, wie schon 2005. Dass die Trennung sportlich nachvollziehbar ist, ist unterdessen auch klar. Die Gebetsmühlen des Trainers, die immer wieder von sich gaben, dass das Team nicht bereit gewesen sei, hatten wohl auch erkannt, dass Krunic daran in den vergangenen Wochen nichts geändert hatte.

Vielleicht gibt der Paukenschlag für die kommenden Wochen einen neuen Ton vor. Als Dirigent der Baskets fungiert vorerst Co-Trainer Chris O´Shea. Zumindest beim Pokalspiel in Bamberg wird er an der Seitenlinie den Hut auf haben. Wann es danach einen neuen Cheftrainer gibt, ist aktuell noch unklar, heißt es vom Verein.

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Klatsche in Nanterre

Da waren sie wieder, die „alten“ Telekom Baskets. Nach zuletzt zwei Siegen in der Bundesliga setzte es auswärts in der Champions League wieder eine richtige Klatsche. 56:103 hieß es am Ende aus Bonner Sicht im Pariser Vorort Nanterre. Gepasst hat an diesem Abend beim Team von Chefcoach Predrag Krunic aber so gar nichts.

Anders bei den Hausherren. Sie trafen ihre Würfe, verteidigten gut und nahmen den Baskets damit das frisch erarbeitete Selbstvertrauen nach und nach immer mehr wieder weg. Bei Bonn fiel der Dreier nicht, bei Nanterre ging jeder zweite rein. Unter den Körben mühte sich Martin Breunig redlich, aber selbst ohne den verletzten Ex-Bonner King Julian sah er am Ende relativ alt aus. Auch die Verteidigung war löchrig wie manch französischer Weichkäse gerne wäre.

Und so stehen die Baskets einmal mehr vor einem Scherbenhaufen. Ob der noch einmal zu einem Viertelfinalmosaik zusammengesetzt werden kann, wird immer fraglicher. Eine der letzten Chancen müssten die Bonner in der nächsten Woche nutzen. Dann kommt Fribourg in den Telekom Dome.

Vielleicht tut es dem Team gut, dass es am Wochenende in der Bundesliga spielfrei hat. Vielleicht schafft die Mannschaft es, sich endlich zusammenzuraufen. Mit einer Leistung wie der in Frankreich, bekommen die Baskets selbst gegen den Gruppenvorletzten aus der Schweiz ein Problem.

Zurück in der Spur

Der Turnaround scheint geschafft: Standen die Telekom Baskets vor Wochenfrist noch kurz vor dem Abgrund, so sind sie jetzt einen großen Schritt weiter. Nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge in der Bundesliga, folgten in dieser Woche zwei Siege, von denen zumindest der gegen Ludwigsburg sehr überzeugend war.

Aber schon im Auswärtsspiel gegen Gießen zeigten sich die Bonner stark verbessert. Zwar fiel der Dreier wieder etwas zuverlässiger. Vor allem versuchten die Baskets aber, auch andere Lösungen zu finden. Und dank des Ausfalls von Starcenter John Bryant war vor allem unter den Körben eine Menge Platz. Diesen nutzte Martin Breunig.

Ohnehin scheint der 26-Jährige aufzublühen, seit Charles Jackson verletzt ausfällt. Breunig nutzt die Spielzeit, die er bekommt, immer sicherer. Der Einsatz stimmt immer. Inzwischen kommt er auch mit den ihm gestellten Aufgaben zurecht.

Das können dann auch Gegner wie Adam Waleskowski und Owen Klassen sein. Die bekamen den Bonner Center im Heimspiel gegen Ludwigsburg nie in den Griff. Breunig beißt sich inzwischen unter den Körben durch. Sein Selbstvertrauen scheint von Spiel zu Spiel zu steigen – und das auch mit Recht.

Bonn spielte gegen Ludwigsburg einfach gut. 38 Minuten lang hatten sie den Gegner weitgehend im Griff. Nur zu Spielbeginn schienen die Antennen noch nicht richtig ausgerichtet. Warum auch immer das passieren kann: Headcoach Predrag Krunic erkannte es zeitnah und gab den richtigen Kurs vor.

Durch die beiden Siege kletterten die Baskets in der Tabelle wieder in Richtung Playoff-Plätze. Aktuell stehen sie auf dem neunten Platz. Zum rettenden Ufer klafft eine kleine Lücke. Sollten die Bonner jetzt aber ihre Form wieder gefunden haben, scheinen die Playoffs wieder deutlich realistischer.

Schon am Mittwoch geht es auch europäisch weiter. Die Baskets sind in Frankreich zu Gast. Sie wollen sich in Nanterre für die deutliche Hinspielniederlage revanchieren. Für Martin Breunig ein Berg von einer Aufgabe, geht es doch gegen seinen letztjährigen Mannschaftskameraden Julian Gamble.

Ein Jahresabschluss zum vergessen

© Sebastian Derix

Es war eine Woche, die die Telekom Baskets so sicher nicht vorhergesehen haben. Zwei Pleiten stehen an ihrem Ende – eine gegen einen Aufsteiger, eine gegen den Vorletzten der Tabelle, der bislang erst zwei Spiele gewonnen hatte. In beiden Spielen wirkten die Spieler komplett verunsichert. Fünf Niederlagen in der Liga in Folge sind das Ergebnis.

Gegen Vechta, die zugegeben ein starker Aufsteiger sind, brachten die Bonner in der ersten Halbzeit ungefähr nichts aufs Feld, von Lustlosigkeit vielleicht einmal abgesehen. Es war kein Einsatz da, der #BasketsSpirit hatte sich irgendwo in der Kabine versteckt – und in der Folge hatte es auch das Wurfglück nicht für nötig gehalten, auf dem Parkett zu erscheinen.

Zwar besserte sich der Einsatz in der zweiten Hälfte. Jetzt schien die Mannschaft aber schon so angeschlagen, dass sie sich immer wieder Fehler leistete, die Vechta umgehend bestrafte. Die Mannschaft aus dem Norden spielte die komplette Partie über mit immensem Einsatz – sie kam auch ausgeruht ins Spiel. Bonn schienen die entscheidenden Körner zu fehlen.

Besser werden sollte dann alles beim Tabellenvorletzten in Weißenfels. Dachte man zumindest. Allein, es wurde noch schlimmer. Das Wurfglück war gar nicht erst mit in den Bus gestiegen. Die Dreier, eine der stärksten Waffen der Bonner, waren ebenfalls noch vor Abfahrt wieder ausgestiegen. Und Martin Breunig alleine kann es unter den Körben auch nicht richten.

Es war ein Spiel zum wegsehen. Haarsträubende Ballverluste und hängende Köpfe ließen eigentlich zu keiner Zeit die Hoffnung aufkeimen, dass die Negativserie beim MBC gestoppt werden könnte. Hinzu kam, dass die Hausherren ausgerechnet aus der Distanz einen Sahnetag erwischt hatten.

Oft heißt es nach solchen Niederlagen, es sei gut, dass die Spieler nicht lange darüber nachdenken können, weil es schon bald weiter geht. Am 2. Januar müssen die Baskets in Gießen ran. Dass es in diesem Fall vielleicht nicht schaden könnte, zwei, drei Tage frei zu haben und sich dann in Ruhe auf das nächste Spiel vorbereiten zu können, scheint keine allzu steile These zu sein. Es muss sich etwas tun im Team. Die Mannschaft muss sich am sprichwörtlichen Riemen reißen.

In den Pokalwettbewerben auf Kurs

© Sebastian Derix

Es scheint, als hätten die Telekom Baskets die Kurve bekommen. Nach vier Niederlagen in Folge schafften sie zunächst international den enorm wichtigen Heimsieg gegen PAOK Saloniki. Danach machten sie im letzten Spiel vor Weihnachten auch den Einzug ins Pokal-Halbfinale klar.

International war es eine beeindruckende Partie. Im heimischen Telekom Dome spielten die Baskets die zuletzt lange ungeschlagenen Griechen förmlich an die Wand. Da nutzte es auch nichts, dass rund 300 Gästefans aus ganz Deutschland angereist waren. Lautstark versuchten sie, ihre Mannschaft nach vorne zu peitschen. Allein, es sollte nicht sein. Die Hausherren, vor allem Bojan Subotic, dominierten die Partie. Schlussendlich sorgte das 94:77 dafür, dass in der CL-Gruppe wieder alles drin ist für die Bonner.

Einen Tag vor Heiligabend stand dann noch das Viertelfinale im BBL-Pokal an. Erstmals wird der in neuem Modus ausgetragen. Die Baskets bekamen es mit Jena zu tun – in der Liga eher kein Topteam. Zuletzt allerdings mussten sich die Bonner in Jena geschlagen geben.

Und auch im Pokalwettbewerb war es alles andere als ein Selbstläufer. Lange kämpften die Hausherren um ihre Führung. Und erst Sekunden vor Spielende war klar, dass die Baskets ins Halbfinale einziehen würden.

Hier wartet erneut ein Auswärtsspiel. Sportreporter Frank Buschmann zog die Lose für die Runde der letzten vier. Er sorgte dafür, dass Bonn in Bamberg antreten muss. Das Spiel findet am 20. Januar statt. Die dort angesetzte Partie gegen Bremerhaven wird verschoben. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Ohne Jackson weiter sieglos

© Sebastian Derix

Die Telekom Baskets können aktuell nicht mehr gewinnen. Auch das vierte Spiel nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Center Charles Jackson ging verloren. Die Bonner unterlagen am Sonntagabend beim ehemaligen Serienmeister in Bamberg mit 70:77. Zuvor hatten die Baskets auch gegen Ulm, Oldenburg und Teneriffa verloren. Nach einer wirklich schwachen Leistung gegen Oldenburg, zeigte sich das Team aber in den beiden Folgepartien wieder verbessert.

Dennoch haben auch in Bamberg einige Aussetzer im dritten Viertel dafür gesorgt, dass Bonn erneut als Verlierer vom Parkett schlich. Schuld war unter anderem eine schlechte Dreierquote. Dazu kommt, dass Ra´Shad James verunsichert schien, seit er gegen Oldeburg schlecht spielte und gegen Teneriffa aussetzen musste. Außerdem mussten die Baskets auf Nachverpflichtung Olivier Hanlan verzichten. Der Kanadier konnte wegen einer leichten Leistenzerrung nicht spielen.

Einen Sahnetag erwischte dagegen Bonns Verteidigungsminster Yorman Polas Bartolo – und das nicht nur in der Defensive. Mit 15 Punkten wurde er der Topscorer der Baskets. Mit neun Rebounds und vier Assists schrammte er dazu noch denkbar knapp am Double-Double vorbei. Allerdings hatte auch Bartolo nach der Pause eine Schwächephase. Er konnte so die Niederlage seiner Mannschaft letztlich nicht verhindern.

Viel Zeit über die Niederlage nachzudenken ist nicht. Schon am Dienstag steht die nächste schwierige Aufgabe in der Championsleague an. Thessaloniki kommt in den Telekom Dome. Nach der Niederlage gegen Teneriffa ist diese Partie schon ein Schlüsselspiel für die Baskets. Wollen sie eine Runde weiterkommen, dann sind jetzt dringend Siege notwendig. Hochball ist um 20 Uhr.

Bircevic ersetzt Jackson

© Sebastian Derix

Der Ersatz für den verletzten Charles Jackson ist gefunden. Stefan Bircevic soll die Rolle des Amerikaners unter den Körben ausfüllen. Der Serbe kommt direkt von der serbischen Nationalmannschaft auf den #heartberg. Hier soll er in den kommenden Tagen eintreffen und nach Möglichkeit schon am Sonntag gegen Oldenburg im Kader stehen.

Bircevic war zuletzt in der Türkei bei Banvit aktiv. Vorher spielte er schon unter anderem in Istanbul, Madrid und in Belgrad. Der 2,11-Mann gilt als ausgezeichneter Dreierschütze. 

„Stefan ist ein Spieler mit internationaler Erfahrung, er wird uns sicher helfen“, sagt deshalb auch Headcoach Predrag Krunic. Sportmanager Michael Wichterich ergänzt, dass man sich allerdings im Bonner Spiel umstellen wird: „Ein Klon von Jackson war leider nicht verfügbar. Stefan Bircevic ist aber als Qualitätsspieler über jeden Zweifel erhaben“.

Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich hofft jetzt, dass keine weiteren Verletzten dazu kommen, weil „nun das Budget für die laufende Saison ausgereizt ist und künftige Verletzungen nicht mehr mit Nachverpflichtungen kompensiert werden können“.