Im Westen nichts neues

© Sebastian Derix

Es ist ruhig geworden um die Telekom Baskets. Hatte Sportmanager Michael Wichterich noch zum Saisonabschluss verkündet, dass man wohl nicht allzu lange auf erste Entscheidungen werde warten müssen, so passierte bislang erst mal nichts – zumindest nichts, was für die Öffentlichkeit bestimmt wäre. Weder die Verpflichtung eines Trainers, der recht wahrscheinlich schon in der vergangenen Saison gearbeitet haben dürfte, noch die von zahlreichen Dachspatzen gepfiffene Vertragsverlängerung des besten Verteidigers der Welt wurde bislang offiziell verkündet.

Wirklich ungewöhnlich ist das allerdings nicht. Wenn in der Liga links und rechts verpflichtet wird, arbeitet das Bonner Office oft eher im Hintergrund. Wie erfolgreich diese Taktik in diesem Jahr wird, werden wir alle vermutlich erst in etlichen Wochen sehen. Dass mit Julian Gamble ein Wunschspieler aktuell in den französischen Playoffs sein Unwesen treibt, habe für eine mögliche Weiterverpflichtung absolut keine Aussagekraft, sagte Wichterich dem Bonner General Anzeiger.

Zumindest die Personalie Cheftrainer sollte ja nicht allzu schwer zu klären sein. Der Coach weilt inzwischen wieder in Bonn. Ziemlich sicher sind die ersten Gespräche schon gelaufen. Es bleibt also nur, auf die neue Woche zu warten. Dem geneigten Fan täte eine Verkündung gut.

Klar ist derweil, dass die Baskets die vergangene Saison auf dem fünften Tabellenplatz (auch nach Playoffs) beendet haben. Damit winkt auch in der kommenden Saison der Europapokal. Aller Voraussicht nach, werden die Bonner auch 2018/19 in der Champions League unterwegs sein. Sicher für anstehende Spieler(weiter-)verpflichtungen kein Nachteil.

Advertisements

Das Ende der Saison

© Sebastian Derix

Das war sie dann also, die Saison 2017/18 der Telekom Baskets. Mit der Verabschiedung des Teams am Dienstagabend endete vorerst die gemeinsame Zeit von Mannschaft, Trainer- und Betreuerstab und den Bonner Anhängern. Die Stimmung im Foyer des Telekom Domes war der Situation angemessen: Ein großes Maß an Enttäuschung überwog. Stolz und Dankbarkeit kämpften sich nur schwer in die Herzen der Anwesenden. Es fühlt sich immer noch falsch an. Sportmanager Michael Wichterich hatte den Nagel schon direkt nach der Niederlage in Bamberg auf den Kopf getroffen.

Was die Stimmung hätte heben können, wäre die Verkündung einer Vertragsverlängerung, zum Beispiel von Yorman Polas Bartolo, gewesen. Die Kollegin Tanja Schneider hatte im Bonner General Anzeiger schon vor Tagen berichtet, dass die Entscheidung zur Verlängerung längst gefallen sei. Allein weder Manager, noch Spieler wollten sich zu einer Bestätigung hinreißen lassen. Ein heftiges Dementi gab es allerdings auch nicht. Möglicherweise ist die Tinte unter dem Vertrag noch nicht durchgetrocknet. Man wird es abwarten müssen.

Das gilt auch für den Verbleib weiterer Kandidaten in Bonn. Konsti Klein, Josh Mayo und TJ DiLeo sind gebunden oder zumindest mit der Option auf eine Rückkehr versehen. Am deutlichsten bekannte sich noch der Deutsch-Amerikaner DiLeo dazu, auch in der kommenden Spielzeit auf dem #HEARTBERG aufzulaufen. Aus voller Brust kam allerdings auch seine Aussage nicht. Das muss natürlich bei keinem der Kandidaten für einen Abgang sprechen. Allerdings wird eine endgültige Entscheidung vermutlich nicht noch in dieser Woche fallen.

Mit besonders viel Applaus wurden Tomislav Zubcic und Julian Gamble bedacht. Die Twin-Towers waren echte Stützen des Bonner Spiels. Allerdings wissen beide auch um ihren Marktwert – und die Endlichkeit einer Sportlerkarriere. Dass Manager Wichterich gerne beiden einen Vertrag vorlegen würde, davon ist auszugehen. Ob es möglich ist, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, wird man sehen. König Julian kündigte zumindest für den Fall eines Verbleibs eine möglichst kreative Verkündung desselben an.

Und der Coach? Es gibt nur wenige Gründe, die dafür sprechen, dass der alte Cheftrainer nicht auch der neue ist. Predrag Krunic lebt den #HEARTBERG, er lebt Bonn, er lebt die Baskets. Das machte er auch am Dienstagabend noch einmal deutlich. Als Feuerwehrmann nach dem Ausfall von Silvano Poropat eingesprungen, führte er die Mannschaft zweimal hintereinander sicher in die Playoffs. Gerade in der abgelaufenen Saison formte er (zusammen mit dem Sportmanager) eine Mannschaft, die eine Einheit war – auf und neben dem Parkett. Sein virtuelles Bewerbungsschreiben ist also abgegeben. Die Anzahl der Kandidaten, die ihn ersetzen könnten, ist überschaubar. Vermutlich ist die Verlängerung des Trainervertrages eine der ersten Entscheidungen, die von den Baskets verkündet wird.

„Es fühlt sich einfach falsch an.“

© Sebastian Derix

Michael Wichterich war sichtlich geknickt. Den Sportmanager der Telekom Baskets beschäftigte das Ausscheiden seiner Mannschaft im Viertelfinale der diesjährigen Playoffs doch deutlich. Man merkte ihm die Enttäuschung an. Das Team habe mehr verdient gehabt, als nach drei Niederlagen in Folge auszuscheiden: „Das fühlt sich einfach falsch an. Falsch für die Spieler, falsch für das Team, und es fühlt sich auch falsch an für Bonn“, so der Manager. Man sei mit der festen Überzeugung in die Serie gegangen, am Ende auch gewinnen zu können.

Dass das am Ende nicht funktionierte lag in allen drei Spielen an Kleinigkeiten. „Wir haben es manchmal verpasst, zu zu greifen“, konstatierte Wichterich, „aber wir haben besser gespielt, als es das Ergebnis am Ende aussagt.“ Dennoch oder gerade deswegen zeigte sich der Manager stolz auf die Leistung seiner Mannschaft. Das Team habe die gesamte Saison hart für den Erfolg gearbeitet. Ganz ähnlich sah das auch Co-Trainer Chris O´Shea: „Jeder will das letzte Spiel einer Saison gewinnen. Wenn das nicht funktioniert und man, wie unser Team, viel Arbeit und Herzblut investiert hat, dann tut das natürlich weh.“

Das wiederum war natürlich auch den Spielern anzumerken. Es war erstaunlich ruhig rund um den Mannschaftsbus. Das Team wartete auf Kapitän Josh Mayo, den die Dopingprobe vor größere Probleme zu stellen schien. In Grüppchen saßen und standen seine Teamkollegen zusammen – mal mit Fans, mal untereinander. Konsti Klein war in einer Zweiergruppe mit seinem Telefon unterwegs. Er machte nicht den Eindruck, als habe er derzeit mehr Gesellschaft nötig.

Als der Capitano dann seine Tortur hinter sich gebracht und den Weg zum Bus gefunden hatte, brach die Mannschaft zügig auf in Richtung Heimat. Hier wartet am kommenden Dienstag noch die Verabschiedung, traditionell im Foyer des Telekom Domes. Los geht´s um 18 Uhr. Auf dem Programm stehen Autogrammstunde, Fotos und Interviews. Und vielleicht schon die ein oder andere Verkündung in Sachen Verträge für die kommende Saison? „Im Moment gibt es da nichts zu erzählen“, kommentierte der Sportmanager.

Playoffs gegen Bamberg

© Sebastian Derix

Wieder Bamberg also. Zum neunten Mal bei 19 Playoff-Teilnahmen treffen die Telekom Baskets Bonn auf Brose Bamberg. Schuld war eine Niederlage gegen den Tabellenersten der aktuellen Saison: Bayern München Basketball. Bamberg gab sich zwar in Weißenfels alle Mühe, dem Duell aus dem Weg zu gehen. Schlussendlich konnten sie den Sieg gegen den MBC aber nicht vermeiden. Die Folge: Bamberg Platz vier und Heimrecht, Bonn Platz fünf und mal wieder kein Heimrecht.

Dabei war es ein erbitterter Kampf, den sowohl die Baskets, als auch Brose an diesem Spieltag führten. Bamberg fürchtete buchstäblich bis zur letzten Sekunde um den Sieg beim MBC. Bonn hingegen machte es dem souveränen Tabellenführer aus München sehr lange sehr schwer. Am Ende waren es einige kleine Fehler der Baskets, die München einen doch klaren Sieg bescherten. Durch die gleichzeitigen Niederlagen von Oldenburg und Bayreuth ergab sich also die schon beschriebene Konstellation.

Los geht es für Bonn mit einem Auswärtsspiel in Bamberg am kommenden Sonntag. Am Mittwoch darauf ist dann Brose zu Gast im Telekom Dome, bevor am folgenden Samstag wieder Bamberg der Gastgeber ist. Sollten Spiel vier und fünf nötig sein, würden die am Dienstag und Donnerstag der Folgewoche stattfinden.

Platz vier vor Augen

© Sebastian Derix

Es war ein erfolgreiches Wochenende für die Telekom Baskets. Nach dem deutlichen Heimsieg gegen Braunschweig folgte am Sonntag ein weiterer ungefährdeter Sieg in Erfurt. Durch die Niederlage von Bayreuth gegen Ludwigsburg kletterten die Bonner sogar wieder auf den vierten Tabellenplatz. Der würde in der ersten Playoffrunde das Heimrecht bedeuten. Mit einem Sieg am Dienstag gegen Hauptrundensieger Bayern München wären die Baskets mindestens Fünfter.

Die Entscheidung fällt also mit dem letzten Saisonspiel. Ganz ähnlich lief es im vergangenen Jahr. Da fielen die Baskets am letzten Spieltag noch auf Platz sieben zurück. Wenn es ganz blöd läuft, kann das auch in dieser Saison passieren. Dafür müssten aber Bayreuth, Bamberg und Oldenburg gewinnen, während die Baskets ihr Heimspiel verlieren. Im bittersten Fall würde ALBA Berlin warten, erreichen die Baskets Platz sechs, müssen sie zuerst in Ludwigsburg antreten und würden da auf die alten Bekannten Flo Koch und Dave McCray treffen.

Platz vier verteidigt

© Sebastian Derix

Würde man im Duden den Begriff „richtig harte Arbeit“ suchen, bekäme man vermutlich als Antwort eine Beschreibung des Spiels der Telekom Baskets gegen die BG Göttingen. Der Tabellenvierte zeigte sich lange beeindruckt von der Aggressivität des Fünfzehnten in der Rangliste. Erst weit in der zweiten Halbzeit setzte sich die Qualität der Baskets dann doch durch. Göttingen ging im Schlussviertel die Puste aus.

Das lag auch daran, dass die Gäste von Beginn an enorm viel Druck gemacht hatten. Die Baskets hatten sichtlich Schwierigkeiten, damit umzugehen. Viele Fehler in der Offensive, auch defensiv klappte nicht viel. Ein 16:0-Lauf der BG war die Folge. Es deutete sich an, dass die Bonner einmal mehr eine gute Aussichtslage nicht würden nutzen können. Erst im letzten Abschnitt wendete sich das Blatt.

Der König himself nahm das Spiel in die Hand. Ihm zur Seite der Capitano, der Rookie und ihre Mannen. Die Baskts zogen jetzt ihrerseits am Gashebel und kämpften sich über die Defensive ins Spiel. Schlussendlich wurde es doch noch ein klarer 82:70-Sieg, der auf dem Papier aber deutlich deutlicher aussieht, als er sich in der Halle anfühlte. Die Baskets brauchten enorm viel Kraft und Willen, um Göttingen ohne Punkte nach Hause zu schicken.

Durch den Sieg haben die Bonner Platz vier verteidigt. Soll es der am Saisonende auch sein, müssen jetzt noch vier Spiele mit ähnlicher Willensleistung folgen. Erste Chance: Schon am Sonntag geht es gegen Würzburg. Das Team von Dirk Bauermann lauert noch auf einen Playoff-Platz. Das wird also auch wieder ein hartes Stück Arbeit für die Mannen von Cheftrainer Predrag Krunic. Gewinnen die Bonner da, ist ihnen die 19. Playoff-Teilnahme in der 22. Saison der Ligazugehörigkeit nicht mehr zu nehmen. Das erste Saisonziel wäre erreicht.

Baskets springen auf Platz vier

© Sebastian Derix

Es war ein wirklich wichtiger Sieg, den die Telekom Baskets am Samstagabend in Gießen eingefahren haben. Und es war ein hartes Stück Arbeit. Nicht nur unter den Körben, wo mit John Bryant eine wahre Maschine ihr Unwesen treibt. Auch über das ganze Feld hatten die Bonner alle Hände voll zu tun. Gießen zeigte, dass es noch an seine Playoff-Chance glaubt. Erst in der zweiten Halbzeit konnten die Baskets dem eine adäquate Verteidigung entgegenstellen.

Es war eine Kampfes- und Willensleistung der ganzen Mannschaft. Allen voran TJ DiLeo und Konstantin Klein. Der Deutsch-Amerikaner war nicht zu stoppen. Und Konsti, als ehemaliger Frankfurter ohnehin nicht gerade beliebt in Gießen, schaffte sich durch seine bissige Verteidigung sicher keinen neuen Freunde in der Sporthalle Gießen-Ost. Wenn doch, dann standen die im gut gefüllten und bestens gelaunten Gästeblock.

Aber auch der Rookie, Malcolm Hill, machte ein gutes Spiel. Zeitweise standen ihm die Verteidiger arg auf den Füßen, aber Hill biss sich durch. Er zeigte, dass er in der Lage ist, sich auch in diesen Situationen durchzubeißen. Unter den Körben waren alle Bonner mit einer Länge von über zwei Metern gemeinsam damit beschäftigt, den vermutlich zukünftigen MVP der Liga zu beackern. Zwar gelang es der langen Garde nicht, ihn auszuschalten. Der verbissene Widerstand sorgte aber dafür, dass es keine komplette One-Man-Show wurde.

Am Ende des Spiels standen glückliche Bonner Sieger. Sie hatten damit einen Konkurrenten im Playoff-Rennen geschlagen. Wohl noch auf der Heimfahrt erfuhren die Baskets dann, dass Oldenburg zuhause die Punkte an Würzburg abgegeben hatte. Dadurch kletterten die Bonner in der Tabelle vorübergehend auf Platz vier. Eine Tatsache, die Coach Predrag Krunic nicht interessiert. „Ich gucke weiter nur von Spiel zu Spiel“, sagte er gut gelaunt vor der Heimreise. „Am 1. Mai sehen wir dann weiter.“