Ein Ring sie zu knechten…

Es ist sicher 13 Jahre her, dass ich zuletzt das bekannteste deutsche Rockfestival besuchte. Seinerzeit fand es noch immer an Pfingsten statt. Die Zeiten sind vorbei. Meine Festivalzeiten eigentlich auch. Unfreiwillig, aber vorbei. Dann jedoch ergab sich per Zufall, dass ein befreundeter Radiosender aus Bonn eine Pressekarte für das diesjährige Festival übrig hatte. Und bevor diese der ewigen Verdammnis anheimfiel, schlug ich zu.

Mit etwas mulmigem Gefühl, aber dennoch auch mit Vorfreude, machte ich mich also nach dem Frühdienst auf in Richtung Rennstrecke in der Eifel. Kurz nach der Autobahnabfahrt erwartete ich ein zumindest mittleres Verkehrschaos vorzufinden. Die Erinnerungen an damals. Allein, ich hatte mich getäuscht. Weit und breit keine Blechlawine. Die Fahrt bis zum Ring war völlig problemlos. Allerdings traf ich schon früher als gedacht auf die ersten Zeltburgen. Mit Busshuttle. Busshuttle! Vom Zeltplatz aus!

Erste Verwunderung wich einer Art Belustigung. Die wiederum wich der Zufriedenheit ein Parkticket zu haben, welches mir das Abstellen des Fahrzeugs quasi direkt unter der Hauptbühne ermöglichte. Gewaltmärsche zu den Konzerten fielen also flach. Sehr angenehm. Als ich nach wenigen Augenblicken das Gelände erreichte, fiel allerdings noch einiges mehr flach. Die Anarchie der früheren Tage war verschwunden. Alles wird inzwischen reglementiert. Der Zugang zum Platz vor der Bühne von mehreren Hundertschaften Securities reguliert, die Wege zu den einzelnen Bühnen nur auf verworrenen Pfaden möglich. Nichts für Freigeister. Das Festival ist durchgeplant. Komplett.

Klar, vor allem nach der Katastrophe bei der Loveparade, sind Sicherheitskonzepte das A und O. Natürlich sind Desinfektionsmittelspender an den Toiletten angenehm. Trotzdem fehlte mir das Gefühl. Zuviel Zwang, zuviele VIP´s mit Sonderrechten, eine Rock am Ring-App für´s Smartphone. Völlig verrückt. Ach, Musik gab es übrigens auch noch.

Vielleicht fehlte mir doch der Kontakt zum Volk. Vielleicht hätte ich zelten und nicht in der Nacht noch nach Hause fahren sollen. Vielleicht wäre dann die alte Stimmung wieder gekommen. Aber irgendwo muss man ja auch Grenzen setzen. Wir sind ja keine 18 mehr.

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