Die denkbar falscheste Entscheidung

„Die Gesellschafterversammlung der BonBas GmbH, wirtschaftlicher Träger des Bundesliga-Teams der Telekom Baskets Bonn, hat entschieden, dass aus grundsätzlichen, perspektivischen Erwägungen auf der sportlich wichtigsten Position im Bundesliga-Bereich ein Neuanfang gemacht und der Vertrag mit Cheftrainer Michael Koch nicht verlängert wird.“ – nüchterner und beiläufiger hätte man es kaum formulieren können, als es die Pressemitteilung der Telekom Baskets heute zum Ausruck brachte.

Und genauso ernüchtert sind derzeit viele Fans der Baskets. Hatte es noch in der zweiten Saisonhälfte den Schulterschluss zwischen Team und Fans gegeben, so bleibt in vielen Gesichtern jetzt nur Leere. „Aus grundsätzlichen, perspektivischen Erwägungen“ heißt es. Da fragt man sich doch, warum, wenn die Erwägungen so grundsätzlich waren, sie nicht schon längst kommuniziert wurden. Zumindest dem Trainer. Den jedoch ließ man noch nach dem Playoff-Aus eine Art Bewerbung in alle Mikros sprechen, die ihm entgegengehalten wurden: „Ich fühle mich wohl in Bonn, wir werden uns zusammensetzen.“ Und selbst bei der Verabschiedung der Mannschaft im Foyer des Telekom Domes: „Bonn und Mike Koch ist sicher nicht die schlechteste Lösung.“

Einen Trainer derart ins offene Messer laufen zu lassen ist unverantwortlich. Noch dazu ganz schlechter Stil. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesellschafterversammlung erst jetzt die Idee gekommen ist, dass man grundsätzlich etwas ändern möchte, darf doch arg bezweifelt werden. Außerdem ist mehr als fraglich, ob dieser Schritt zu diesem Zeitpunkt der richtige ist. Gerade nach einer Saison mit derart vielen Nackenschlägen und einem Team, dass sich unter Kochs Führung immer wieder aufgerafft und heran gekämpft hat, ist die Entscheidung ein Faustschlag ins Gesicht vieler Baskets Anhänger. Kampfgeist und Wille, das ist es, was die Bonner Basketballfans sehen wollen. Und wer, wenn nicht das jetzt verabschiedete Team – von Mike Koch zusammengestellt und gecoacht – hat diese Attribute in den vergangenen Jahren gezeigt?

Die Entscheidung gegen Mike Koch ist die denkbar falscheste, die die Baskets in der aktuelle Situation hätten treffen können. Egal ob er das gesamte Team wieder nach Bonn hätte lotsen können – das darf im Übrigen bezweifelt werden – oder nicht, Koch hat den Bonner Basketball gelebt. Zudem hat er ihn gekannt und bewiesen, dass er es versteht, mit den vergleichbar geringen finanziellen Mitteln ein Team zusammen zu stellen, dass Jahr um Jahr in die Playoffs kommen kann. Noch dazu besitzt er inzwischen jahrelange Erfahrung im Trainergeschäft. Die Entscheidung habe „weniger mit Koch als Trainer und Mensch oder mit Tabellenständen zu tun als mit einer Neuausrichtung und frischen Impulsen“ sagt Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. Aber genau diesen frischen Impuls hat es zum Ende der Saison gegeben. Fans und Team waren wieder eins. Wenn 700 Fans bei einem Auswärtsspiel kein Impuls sind, was ist es dann?

Selbstverständlich ist eine Trennung von Mike Koch nicht der Untergang des Abendlandes, selbst der Bonner Basketball wird weiterleben. Ob er es allerdings ähnlich gut kann, wie zuletzt, wird sich erst herausstellen müssen. Eines muss man dem Verein attestieren: Mut. Diese unpopuläre Entscheidung zu treffen bedurfte sicher einer gehöriger Portion dessen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob aus dem Mut nicht schnell Verzweiflung wird. Der „Neue“ wird jedenfalls große Schuhe haben müssen, die Fußstapfen, die Mike Koch in Bonn hinterlässt, sind riesig.

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