Nicht richtig angeschaut

Es war schon eine großartige Idee, eine Fußball-WM an ein Land zu vergeben, das deutlich weniger Einwohner hat als die Stadt Köln. Dass zudem noch in der angepeilten Zeit in Katar ungefähr fünfzig Grad im Schatten herrschen und nur wenige Zuschauer und vor allem noch viel weniger Fußballer unter diesen Voraussetzungen je Fußball gespielt oder gesehen haben, ist ebenfalls nur bedingt förderlich für eines der größten Sportereignisse der Welt.

Blöd nur, dass gerade dieses kleine, unglaublich heiße Land so unglaublich viel Geld hat. Der wohl entscheidende Grund, warum die FIFA die Weltmeisterschaft 2022 ins Emirat am Golf vergab.  Man könne ja die Stadien ordentlich runter kühlen. So wie auch Busse, Hotels, Flughäfen und die Gemüter derjenigen, die sich nicht vorstellen können und wollen, unter diesen Bedingungen Leistungssport zu betreiben. Das schien die hohen Herren, allen voran FIFA-Präsident Joseph Blatter, überzeugt zu haben

Und jetzt soll doch alles anders kommen. Mit seinem Kumpel Franz Beckenbauer hat der Blatter Sepp jetzt entschieden, dass man diese WM doch gefälligst im Winter stattfinden lassen solle. Der könne immer noch ordentliche Temperaturen aufweisen, würde aber vor allem das Volk schonen, das sich keinen Ventilator unterm Stadionsitz leisten könnte.

„Die WM soll ein Volksfest werden. Katar ist ein kleines Land. Aber wenn es ein Volksfest werden soll, kann man den Fußball nicht im Sommer spielen“, sagte Blatter gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Man kann die Stadien abkühlen, aber man kann nicht das ganze Land abkühlen.“ Man werde es dem Exekutivkomitee nicht nur schmackhaft machen, sondern die entsprechende Entscheidung fällen, versprach Blatter.

Nun ist es nicht so, dass Blatter als lupenreiner Demokrat von sich reden gemacht hätte. Ein solches „Versprechen“ erscheint dann aber doch einmal mehr fragwürdig. Hat die deutsche Bundesliga noch eine Winterpause, die man mit etwas Mühe wohl um ein paar Wochen strecken könnte, geht der Spielbetrieb z.B. in England über den Jahreswechsel weiter. Wo sollte man hier eine Weltmeisterschaft unterbringen?

„Jetzt haben wir noch Zeit genug. Ich werde das beim Exekutivkomitee zur Sprache bringen“, sagte Blatter. Und auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kann sich eine Verlegung vorstellen, wenn auch mit Schwierigkeiten. „Das ist keine so ganz leichte Übung“, sagte er der dpa zu einer Umstellung des Spielplans.

Aber wäre es all der Mühe wert? Muss der Weltverband die Spielpläne unzähliger nationaler Ligen so entscheidend beeinflussen, nur damit ein solches Turnier am Golf stattfinden kann? Sepp Blatter bleibt entspannt. Bei der WM-Vergabe im Jahr 2010 habe man sich die Problematik „nicht richtig angeschaut“.

Wer will das auch erwarten, bei einem Milliardenprojekt wie einer Fußball-Weltmeisterschaft?

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Eine Antwort zu “Nicht richtig angeschaut

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