Mir stinkts!

(Achtung, es folgt ein leicht boulevardesker Blogeintrag aus der Reihe „Wutbürger“)

Nur um das festzuhalten: ich finde rauchen vollkommen unnötig. Ich habe es in der Jugend ausprobiert, fand mich cool dabei und habe wieder aufgehört. Glücklicherweise fiel mir das sehr leicht. Von ein paar kleinen Rückfällen abgesehen bin ich inzwischen auch schon seit sieben Jahren rauchfrei. Mir ist bewusst, dass das Ende der Nikotinsucht nicht bei jedem so leicht einzuläuten ist, wie es bei mir war. Trotzdem finde ich gut, dass inzwischen in Kneipen nicht mehr geraucht werden darf. Es verbessert den Geruch meiner Klamotten und Haare nach einem Kneipenabend doch sehr deutlich. Sie mögen das doof finden, aber es hat auch Sie niemand gezwungen, verbrannte Kräuter zu inhalieren.

Was ich allerdings dennoch für völligen Blödsinn halte, ist das heute gefällte Urteil des Düsseldorfer Landgerichts. Ein Mann, der 40 Jahre in seiner Wohnung geraucht hat, muss jetzt ausziehen, weil sich seine Nachbarn vom Gestank der Zigaretten dermaßen gestört fühlten, dass sie es nicht mehr aushalten konnten. Um das noch einmal klar zu stellen: der gute Mann hat nicht im Treppenhaus geraucht, sondern in seiner eigenen Wohnung. Die Geruchsbelästigung muss also durch die minimalen Schlitze. die eine normiert eingebaute Wohnungstüre in Deutschland so bietet, passiert sein.

Nun weiß ich auch, dass vor allem Ex-Raucher ein sehr feines Näschen für den Geruch verbrannten Tabaks entwickeln. Ich selbst kann auch häufig riechen, wenn unterhalb meines gekippten Fensters auf der Straße jemand rauchend vorbei zieht. Wenn aber die Nachbarn auf der gleichen Etage rauchen, bekommt man davon rein gar nichts mit. Und so ist es umso fraglicher, wie es die Nachbarn unseres Altrauchers geschafft haben, ihn aus der Wohnung zu klagen.

Das Gericht selbst machte in seinem Urteil deutlich, dass es natürlich nicht verbieten könne und wolle, dass jemand in seinen eigenen vier Wänden, und seien sie nur gemietet, dem Herrgott oder wem auch immer ein Rauchopfer darbringt. Allerdings könne es, so das Gericht, schon entscheiden, dass der Rauchopfernde gefälligst regelmäßig zu lüften habe. So ist das also: wer raucht, muss die Fenster öffnen. Vorher, nachher, irgendwann. Hauptsache, es stinkt nicht ins Treppenhaus. Blöderweise hatten der Rauchfreund und seine Anwältin vergessen, sich rechtzeitig zu beschweren, deshalb galt der Gestank im Treppenhaus als gesetzt. Dumm gelaufen.

Was ist jetzt aber, wenn der Nachbar ein leidenschaftlicher Koch ist? Die meisten von uns wissen, dass auch die Zubereitung von Speisen, insbesondere die exotischerer Gerichte als Kartoffelsalat mit Bockwurst, mit den feinsten Gerüchen einhergehen kann. Wer einmal ein Semester in einem Studentenwohnheim verbracht hat, weiß, dass es Gerüche gibt, die kann es technisch gar nicht geben. Nehmen wir also an, der Nachbar ist ein passionierter Koch aus dem mittleren Orient: kann ich diesen olfaktorischen Sinnesbeleidiger auch aus seiner Bude klagen? Weil mir der Einsatz von Knoblauch und Kreuzkümmel stinkt? (Bitte, liebe Kulinaristen, belehren Sie mich nicht über den Einsatz oder Nichteinsatz bestimmter Gewürze und Kräuter in der mittelorientalischen Küche.)

Man denke die Geschichte vielleicht noch einen Schritt weiter: kann ich den jugendlichen HipHop-Fan oder die senile Schlageranhängerin aus der direkten Nachbarschaft des Hauses verweisen lassen, weil sie mit ihrer akustischen Umweltverschmutzung meine Ohren beleidigen? Was kann ich gegen den visuellen Angriff auf meine Sinne durch den Modegeschmack des Emporkömmlings aus der Dachgeschosswohnung tun? Da muss man doch was machen können?!

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Eine Antwort zu “Mir stinkts!

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