Starke Offense und ein Kettenhund namens Mangold

Es waren noch weniger als zwei Minuten zu spielen, da markierte Ryan Brooks die Punkte 99 und 100 für die Telekom Baskets an diesem Spätnachmittag im Oktober. Das Spiel der Bonner gegen Hagen war da gelaufen. Allerdings noch nicht lange. Bis weit ins vierte Viertel hielten die Gäste die Partie offen wie ein Scheunentor. Aber die Baskets zwangen sie mit einer starken Defense und bärenstarker Offense in die Knie.

Der wilde Stil der Gäste, der noch in der vergangenen Saison die ein oder andere Spitzenmannschaft überrascht hatte, ist inzwischen bekannt. Sie daran zu hindern ihn durch zu ziehen, bleibt aber auch weiter ein hartes Stück Arbeit. Die Baskets hatten sich ein Konzept bereit gelegt, dass am Ende aufgehen sollte: viel durch die Mitte spielen. Außerdem wurde Andrej Mangold auf Hagens Topscorer David Bell angesetzt – und nahm ihn weitgehend aus dem Spiel. Bei der Spezialaufgabe half ihm mitunter David McCray.

Vorne regelten es die Langen: Jamel McLean, einmal mehr in überragender Form, wurde mit 24 Punkten bester Schütze des Teams, Ryan Brooks stand ihm mit 22 kaum nach. Und auch Donatas Zavackas integriert sich immer besser. Der lange Litauer liefert 17 Zähler und traf endlich auch hochprozentig aus dem Dreipunktland – und er bekam die meiste Spielzeit mit gut 32 Minuten. Ein Sonderlob verdiente sich Kurt Looby, der mit elf Punkten und zehn Rebounds ein Double-Double ablieferte, Jared Jordan scheiterte bei elf Assists und neun Punkten daran nur knapp.

Es war ein spannendes und in Phasen hochklassiges Basketballspiel. Die Baskets verteidigten stark, Hagen ließ aber immer wieder seine Qualität aufblitzen. Vor allem Larry Gordon (23 Pkt.) und Nikita Khartchenkov (21 Pkt.) stellten die Bonner ein ums andere Mal vor Probleme. Dass Hagen 19 Offensivrebounds holte, versalzte Bonns Coach Mathias Fischer zudem ein bisschen die Sonntagssuppe:

„Es war ein lange Zeit offenes und spannendes Spiel, das bis zur 36. Minute überhaupt nicht entschieden war. Wir wussten, dass Hagen die vorangegangenen Spiele alle im letzten Viertel gewonnen hat und waren darauf vorbereitet. Es ist uns gelungen, den Ball nach innen zu bringen – das war sehr gut. Mir war bislang nicht bekannt, das man ein Spiel auch gewinnen kann, wenn man 19 Offensiv-Rebounds abgibt. Da müssen wir noch sehr, sehr viel besser werden und weiter an unseren Defiziten arbeiten. Wenn es für uns in der kommenden Woche im Eurocup nach Gravelines und in der Liga nach Oldenburg geht, müssen wir unseren offensiven Schwung mitnehmen, den Ball weiterhin gut bewegen.“

Darauf angesprochen, ob er als Schütze des hundertsten Punktes nun die traditionelle Party in der Kabine zahlen müsse, gab sich Ryan Brooks ahnungslos. Er habe noch nichts von einer Party gehört und werde sich jetzt auf die Suche nach der entsprechenden Vertragsklausel machen, berichtete er gut gelaunt.

Hagen-Coach Ingo Freyer war dagegen weniger entspannt und beklagte im Anschluss an das Spiel, dass die Schiedsrichter vor allem zu selten auf die „Drei-Sekunden-Regel“ geachtet hätten. Das habe Bonn clever ausgenutzt. Eine Aussage, die dem ehemaligen Bonner Sportmanager Andreas Boettcher nur ein bedauerndes „Ach, Ingo.“ entlockte. Dass er zwei Minute vor Spielende wütend sein Jacket ins Publikum feuerte und im Anschluss sein Team komplett vom Parkett nahm, um die Ersatzspieler aufs Feld zu schicken, wollte Freyer zudem nicht als Strafe verstanden wissen: „Wir waren permanent dran, hatten aber nicht das Glück oder auch den Biss, um das Spiel hinten raus noch umzubiegen. Deswegen nehme ich die letzten Minuten auch raus, da war bereits alles entschieden.“

Die Baskets gewannen somit ihr viertes Spiel in Folge in der Liga und etablierten sich in der Tabellenspitze, knapp hinter Topfavorit Bayern München. Am Mittwoch steht wieder EuroCup auf dem Programm. In Gravelines wollen die Baskets die Pleite aus Spiel eins gegen ALBA vergessen machen. Am Sonntag müssen die Bonner dann nach Oldenburg. Hier wollen sie Revanche für das Ausscheiden aus den Playoffs der vergangenen Saison nehmen.

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