Der längste Weg

Es war im November 2007 als ich mich bei einem Online-Fußballmagazin bewarb und genommen wurde. Der Chefredakteur und Gründer, das stellte sich dann heraus, war noch ein verdammt junger Kerl, der gerade in die Oberstufe seines Gymnasiums gekommen war. Er wohnte, wie ich, in Bonn. Zwei weitere Mitarbeiter in Köln und Frankfurt. Jegliche Kommunikation lief über Mails und Skype, getroffen hat sich die Redaktion nur in ganz seltenen Fällen. Wenn, dann war das allerdings sehr lustig. Die Mitstreiter, selbst der Kölner, waren nette Typen – alle mit Ambitionen im Journalismus. Der Chef war wohl der eifrigste, verständlich, schließlich ging es um sein Projekt.

Die Geschichte lief einige Jahre erfolgreich, irgendwann brach die Redaktion aber auseinander. Unter anderem, weil der Chefredakteur die Chance bekam, bei einem Sportsender in München zuerst ein Praktikum zu machen und dann sofort eine Anstellung zu bekommen. Wir anderen schafften es nicht, den Landen zusammen zu halten, auch die freien Schreiber, die nur ab und an Texte zugeliefert hatten, wurden immer unzuverlässiger. Das Projekt starb einen langsamen Tod. Und der Chef wurde zum „echten“ Sportredakteur.

Irgendwann reichte ihm die Arbeit beim Münchener Sender aber nicht mehr aus. Sein Traum, erzählte er mir kürzlich in einem Telefonat, war es schon lange, einen Dokumentarfilm zu drehen. Er hatte vor einiger Zeit eine Familie aus Syrien kennengelernt, die in Süddeutschland wohnt, dort Spenden sammelt und deren Vater die gesammelten Spenden seit 2012 selbst, mehrmals im Jahr, mit dem LKW nach Syrien schafft. Dieses Projekt hatte es meinem ehemaligen Chefredakteur angetan und so entwickelte sich die Idee: Er würde mit auf die gefährliche Reise nach Syrien gehen und alles drehen, was ihm vor die Linse kommt.

Der längste Weg“ heißt das Projekt. Und es geht in dieser Woche los. Die ersten Clips sind schon auf der Internetseite zu finden. Dabei geht es in der Regel um Hintergründe und Vorbereitungen. Jetzt startet also die gefährliche Reise in die syrischen Flüchtlingslager. „Mahmoud fährt los. Dorthin, wo keiner hinfährt. Von Süddeutschland ins sich selbst überlassene Syrien. Fast eine Woche wird er im LKW brauchen, bis seine kostbare Fracht ihr Ziel erreicht. In einem Flüchtlingslager lädt er seit 2012 regelmäßig und tonnenweise Hilfsgüter ab. „, heißt es auf der Website.

Der Weg, die komplette Reise wird dokumentiert. Was am Ende daraus wird, kann jetzt noch keiner sagen. Die Hoffnung ist, dass beide gesund wieder nach Hause kommen und dabei gute Bilder entstehen. Bei Zweiterem kann man sich vermutlich sicher sein. Für die Sicherheit kann keiner garantieren.

Ich drücke die Daumen, dass alles gut geht. Ich hoffe, beide kommen gut nach Syrien und noch besser wieder zurück. Und wenn dabei noch beeindruckendes Bildmaterial entsteht, freue ich mich über den Erfolg des jungen Filmemachers. Ich werde die Website auch auch facebook und Twitter im Auge behalten.

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Eine Antwort zu “Der längste Weg

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