Die Ente hat gekackt

© Sebastian Derix

Frank Buschmann polarisiert. Die einen halten ihn für den besten, unterhaltsamsten und kompetentesten Sportmoderator Schrägstrich Kommentator der Gegenwart. Die anderen sehen in ihm den personifizierten Selbstdarstellungsdrang, den unseriösen Schwätzer und inkompetenten Fernsehfritzen. Dazwischen gibt´s nicht viel. Und nicht viele. In einem sind sich aber vermutlich alle einig: Der Mann ist verrückt. Dieser Vermutung würde Buschi selbst wahrscheinlich sogar zustimmen, untertitelt er sein Buch „Am Ende kackt die Ente“ doch mit „Aus dem Leben eines Sportverrückten“.

Das Buch erzählt die Geschichte seines Lebens. Mit knapp 50 wird es schließlich auch langsam Zeit, seine Memoiren zu schreiben. Wie sollte man sonst noch deren Fortsetzung gewinnbringend vermarkten können? Und vermarkten kann er, der Buschi. Das Buch und sich selbst. Mit dem Buch fing er früh an. Alle Kanäle in den sozialen Netzwerken wurden bespielt bis die Ente kackte. Noch viel früher fing er aber mit seiner eigenen Vermarktung an. Die begann wohl noch während seiner aktiven Basketballerkarriere, als er den Weg zum Radio fand. Auch davon handelt „Am Ende kackt die Ente“. Buschmanns Weg in die Medien, in den Medien und fast wieder raus aus den Medien, rein in seinen Keller und zu Buschi TV.

Wer Buschi mag, der wird das Buch mit Vergnügen lesen. Wer ihn scheiße findet, wird aller Voraussicht nach gar nicht erst danach greifen. Und das ist auch gut so. Denn die Selbstbeweihräucherung kann auf die Dauer schon recht anstrengend sein. Interessant sind allerdings viele Blicke hinter die Kulissen. Die Zeit in den 90ern, als sich in Deutschland auf einmal tausende Jugendliche für die NBA interessierten. Michael Jordan, Dennis Rodman, später die Basketball-Nationalmannschaft und Dirk Nowitzki.

Buschi schreibt wie er spricht. Das macht die ganze Sache authentisch, bisweilen aber auch anstregend zu lesen. Man muss sich schon ziemlich in seinen Sprach- und Sprechstil hineinversetzen, um alle Sätze beim ersten Versuch zu verstehen. Andererseits braucht man natürlich auch keinen Duden, um Fremdworte nachzuschlagen. „Am Ende kackt die Ente“ ist ein Buch, das man wunderbar nebenbei lesen kann. Die einzelnen Kapitel haben eine benutzerfreundliche Länge. Ich verkneife mir den Begriff der „perfekten Klolektüre“ – aber im Prinzip trifft es das ganz gut.

Wer Buschmanns Erstlingswerk kauft, bekommt, was er erwartet. Geschichten, Klamauk und einen Blick hinter die Kulissen. Einzig im Vorwort überrascht der Autor tatsächlich: Buschmann richtet sich an seinen verstorbenen Vater, mit dem er gerne ein größeres Stück seines Lebensweges gegangen wäre. Er fragt sich, ob der alte Herr stolz auf ihn wäre. Dieses Kapitel ist der einzig wirkliche Blick hinter die Kulissen und Fassaden des Frank Buschmann. Hier zeigt er Schwäche. Und das kennt man nun wirklich nicht von ihm.

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