Das Ende einer Ära

© Sebastian Derix

Es begann mit einer kurzen DPA-Meldung am Mittag: Rock am Ring findet in diesem Jahr zum letzten Mal am Nürburgring statt. Das hatte gesessen. Das erste Festival meiner Jugend, bei dem ich seit einigen Jahren auch wieder regelmäßiger (Arbeits-)Gast war, wird seinen 30. Geburtstag im kommenden Jahr nicht erleben. 21 Jahre nach meinem ersten Besuch sollte der letzte in der kommenden Woche anstehen.

Wie das immer so ist mit Eilmeldungen, entwickelte sich daraus natürlich deutlich mehr. Pressemitteilung folgte auf Pressemitteilung. Gescheitert ist das Festival am lieben Geld, woran auch sonst. Darin immerhin sind sich Veranstalter Marek Lieberberg und die neuen Nürburgring Betreiber einig. Autozulieferer Capricorn wollte mehr Geld, von noch einmal 25% mehr vom Gewinn spricht Lieberberg. Das sei wirtschaftlich nicht machbar, so der Veranstalter, zumal der Ring schon jetzt der teuerste Veranstaltungsort in Deutschland sei.

Bedeutet das also das Aus für das Festival? Wohl nicht. Sechs Optionen habe man, so Lieberberg. Das Festival werde auch im kommenden Jahr stattfinden. Wo sei aber noch unklar. Eine Entscheidung soll zügig nach der diesjährigen Veranstaltung fallen. Spekuliert wird über der Lausitzring, der Hockenheimring, an dem Lieberberg schon das Rock´n´heim Festival organisiert, soll zumindest nicht erste Wahl sein.

Der Autozulieferer meldete dann im Laufe des Tages, dass man künftig ein eigenes Rockfestival am Ring veranstalten werde. Für die Zuschauer solle es keinen Unterschied geben, vom Namen einmal abgesehen. Man gehe davon aus, dass weiterhin internationale Stars ihren Weg in die Eifel fänden. Schon am kommenden Dienstag will man dazu einen neuen Veranstalter präsentieren, noch vor dem diesjährigen Festival. Das passt so gar nicht zu Lieberbergs Darstellung, dass die Entscheidung erst heute morgen gefallen sei. Dem widerspricht Capricorn deutlich. Man habe den Vertrag mit den Veranstaltern schon im Januar gekündigt.

Warum kommt das Ende des Festivals in seiner aktuellen Form also gerade heute an die Öffentlichkeit? Bei Capricorn zeigte man sich überrascht. Es wäre nicht abgesprochen gewesen, das Aus heute zu veröffentlichen. Lieberberg war es wohl, der sich an die DPA wandte und für Öffentlichkeit sorgte. Aus seiner Sicht verständlich: Rock am Ring 2014 startet in sechs Tage und ist noch nicht ausverkauft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zudem ist ihm jetzt die Aufmerksamkeit sicher.

Im kommenden Jahr steigt am Nürburgring also ein neues Festival. Davon sind zumindest die neuen Herren am Ring überzeugt. Da aber Zulieferfirmen der Automobilbranche nicht generell als große Konzertveranstalter bekannt sind, darf man zumindest daran zweifeln, ob die Veranstaltung die gleiche Strahlkraft hat, wie sie sich Rock am Ring in fast 30 Jahren erarbeitet hat. Marek und Andre Lieberberg sind seit Jahrzehnten im Geschäft. Sie verstehen ihr Handwerk als Konzertveranstalter. Viele ähnlich große Namen gibt es in Deutschland nicht.

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