Rock ohne Ring?

© Sebastian Derix

Als am Freitag die Meldung kam, dass Rock am Ring in Zukunft nicht mehr am Nürburgring stattfinden wird, kamen auch bald die ersten Gerüchte, wohin Veranstalter Marek Lieberberg mit seinem Festival ziehen werde. Schon früh fiel dabei auch der Name Mönchengladbach. Ehrlich gesagt hatte auch ich kurz diese Idee, verwarf sie dann aber wieder, weil sie mir zu unwahrscheinlich erschien. Noch am Abend entdeckte ich dann eine facebook-Gruppe, die das Festival schon am Niederrhein begrüßte. 450 Mitglieder hatte die Gruppe zu diesem Zeitpunkt.

Inzwischen hat sie deutlich über 16.000. Das liegt vor allem auch an der Entwicklung der vergangenen Tage. Schon am Samstag versuchten wir, aus dem lokalen Mönchengladbacher Veranstalter, Michael Hilgers, erste Informationen heraus zu pressen. Er ließ sich zu nichts hinreißen, bestätigte aber, dass Mönchengladbach ein Kandidat sei. Einer unter sechs.

Am Sonntag sickerte dann durch, dass für das Festival am Nürburgring die Deutsche Entertainment AG aus Berlin den Zuschlag bekommen hatte. Am Dienstag wird die Partnerschaft offiziell verkündet. Welcher Art das Festival in Zukunft sein wird, wird vermutlich dann auch bekannt gegeben. In Sachen Rock am Ring gab es wenige bis keine Neuigkeiten.

Die kamen am heutigen Montag. Verschiedene Medien berichteten, dass Mönchengladbach tatsächlich Lieberbergs Favorit für die Nachfolge ist. Die Anträge seien schon gestellt, die ersten Gespräche schon geführt. Als ich Marek Lieberberg dann am späten Nachmittag ans Telefon bekam, konnte man den Glanz in seinen Augen fast hören. Er sprach von großartiger Natur, einer tollen Lage, ein Festivalgelände wie dieses, müsse man in Europa lange suchen. Und auch die Gespräche machten Hoffnung. Zwar sei noch nichts unterschrieben, eigentlich gebe es aber keine logischen Gründe, die gegen ein Festival auf dem ehemaligen Gelände der britischen Streitkräfte sprächen.

Selbst für Natur- und Lärmschutz gebe es schon Konzepte. Rock am Ring sei schließlich schon lange auch als grünes Festival bekannt. Und wenn die Möglichkeit bestehe, für ein paar Public Viewings den Lärmschutz zu lockern, dann müsste das auch für eine solche Großveranstaltung möglich sein, so Lieberberg. Mit im Boot sitzen werde übrigens dann auch Hilgers. Man habe eine Kooperation beschlossen, wie genau die allerdings aussehe, sei noch zu klären.

Bei der Stadt Mönchengladbach ist man natürlicherweise noch zurückhaltender. Rock am Ring sein eine Möglichkeit der Nutzung des Geländes, es gebe aber weitere, heißt es in einer Erklärung. Oberbürgermeister Norbert Bude gab aber zu, dass dieses Festival ein großes Ereignis und eine große Chance für die Stadt wäre. Der Rat der Stadt hatte zumindest schon im März einstimmig erklärt, dass die Nutzung als Festivalgelände wünschenswert sei.

Bleibt nur die Frage nach dem Namen bzw. dem Ring. Und selbst damit kann Mönchengladbach aufwarten. Der so genannte Grenzlandring war, wenn auch vor weit mehr als 50 Jahren, eine Rennstrecke für Autos und Radfahrer. Er liegt im nahen Wegberg, also nicht wirklich viel weiter weg als die Nordschleife von der Zielgerade am Nürburgring. Für Marek Lieberberg ist das allerdings sowieso zweitrangig. „Wenn wir alle zusammen arbeiten, Fans, Politik und Veranstalter, dann schließt sich für mich ein Kreis, auch eine Art Ring. Der Name Rock am Ring wird auf jeden Fall bestehen bleiben. Und wenn alles klappt, findet Rock am Ring vom 5. bis 7. Juni in Mönchengladbach statt.“

UPDATE:

© Sebastian Derix

Inzwischen sind auch die Pläne für den Nürburgring veröffentlicht worden. Pikanterweise organisieren die neuen Veranstalter, die DEAG mit Chef Peter Schwenkow, ihr Festival am gleichen Termin wie Marek Lieberberg. Das erste Juniwochenende sieht am Ring die „Grüne Hölle – Rockfestival am Nürburgring“. Konkurrenz fürchtet Schwenkow nicht, schließlich sei noch gar nicht sicher, dass Lieberberg sein Rock am Ring auf die Beine stellen könne. Mit seinen Partnern, Ossy Hoppe und Stuart Galbraith, erhofft er sich zudem schlagkräftige Waffen im Kampf um mögliche Künstler.

Programmlich werde sich im Übrigen gar nicht viel verändern. Das Konzept „Rock am Ring“ sei ein durchaus erfolgreiches, das sei unverkennbar, sagte Schwenkow. „Zu 80% werden auch wir Rock am Ring machen.“ Allerdings haben man auch die Foren durchforstet und dort immer wieder den Wunsch gefunden, mehr (härtere) Rockmusik am Ring zu haben, berichtet capricorn-Geschäftsführer Carsten Schumacher. Man werde aber nicht grundsätzlich härter werden. Es komme immer auf das Angebot und die Situation an. Der Vertrag gilt zunächst für fünf Jahre.

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2 Antworten zu “Rock ohne Ring?

  1. Mönchengladbachs Oberbürgermeister, der Integration zur Chefsache erklärt hatte, duldet die Mitarbeit der Grauen Wölfe des lokalen ülkü ocak („Idealistenvereins“) der ADÜTDF Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland im Integrationsrat der Stadt. Erst im April 2014 untersagte Bude (Chef der Verwaltung) dem Türk Kültür Derneği (Gemeinnütziger Türkischer Kulturverein Mönchengladbach) die Durchführung eines Konzerts mit drei rechtsextremistischen Musikern in einer Gesamtschule. Im Mai 2014 zeigte die zur Wahl antretende Liste Türkisch-Deutscher Integrationsverbund (TDIV) auf den im Stadtgebiet aufgehängten Wahlplakaten die Zeichen ihrer sechs Gründungsorganisationen, darunter das Logo der rechtsextremistischen ADÜTDF (Graue Wölfe). Inzwischen haben Mönchengladbacher Bürger von Stadtwahlleiter Bernd Kuckels und Verwaltungschef Norbert Bude die Annullierung der Wahlen zum Integrationsrat und Neuwahlen ohne die Liste TDIV gefordert.

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