Am Ende bleibt der Stolz

© Sebastian Derix

Es war so gegen 22:20 Uhr am Donnerstagabend, da standen in der ersten Reihe im Oberrang Andrej Mangold und Florian Koch auf und zollten den Filmemachern spontan stehend ihren Respekt. Binnen Augenblicken taten es die übrigen 398 Zuschauer im Jungen Theater in Beuel ihnen gleich. Sie alle hatten soeben einen zweistündigen Basketballfilm fast komplett ohne Basketball gesehen. „(K)ein Jahr wie jedes andere“, der Saisonfilm des Supporter Clubs Bonn, bot beste Unterhaltung, ganz ohne sportliche Highlights.

Dass so ein Film über die emotionale Schiene kommt, kommen muss, ist klar. Dass er schon relativ früh ins Tal der Tränen und zu einem unsäglichen Augenblick im Jahr 2009 führen musste, war gewagt. Das schmerzt – immer wieder aufs Neue. Mehrere der 400 anwesenden Herzen mögen erneut gebrochen sein. Aber der Rückblick verdeutlichte noch einmal die Rivalität der Bonner und Oldenburger Fans, die allzu häufig Erwähnung fand. Kein Wunder, spielten die beiden Vereine in der vergangenen Spielzeit doch gefühlt alle drei Wochen gegeneinander.

Highlights gab es vor allem immer dann, wenn Andrej Mangold und David McCray ins Bild kamen. Die beiden (ehemaligen) Guards der Baskets, die „Zwillinge“, spielten sich ein ums andere Mal die Bälle zu, auf und vor allem neben dem Platz. Aber nicht nur das komödiantische Talent der beiden Spieler wurde deutlich. Der Blick des professionellen Basketballers auf eine Saison, auf die Spiele und die Aktionen der Fans dürfte so ausführlich nur selten thematisiert worden sein. Immer wieder steckten anwesende Offizielle und Teammitglieder während des Films die Köpfe zusammen. Spurlos scheint der Film auch an ihnen nicht vorüber gegangen zu sein.

So waren die Stimmen am Ende auch immer die gleichen: Dieser Film ist gelungen. Er nimmt (Bonner) Basketballfans mit auf eine Reise durch die komplette vergangene Spielzeit. Höhen und Tiefen, Nackenschläge, Hoffnungen und dann die große Enttäuschung am Ende – „so ist das wohl als Bonner“. Und doch ist es kein Film, der traurig macht. Er hinterlässt ein gutes Gefühl. Am Ende bleibt der Stolz. „(K)ein Jahr wie jedes andere“ zeigt, dass der Basketball in Bonn lebt und gelebt wird – mit allen Schmerzen, die damit verbunden sein können. Zu einem der ersten Saisonspiele wird der Film auf DVD erscheinen. Er sollte in keinem Filmarchiv fehlen. Die stehenden Ovationen waren verdient.

 

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