Keine Rücksicht auf Einzelschicksale

© Sebastian Derix

Eigentlich müsste man Mitleid haben mit den Crailsheim Merlins. Jenem sympathischen Underdog der BekoBBL, der es mit viel Party, aber auch harter Arbeit, in die erste Basketballliga des Landes gebracht hat. Nicht nur, dass es sportlich alles andere als gut aussieht beim Aufsteiger, auch finanziell soll im Schwabenland nicht gerade die hellste Kerze leuchten. Und dann schlägt auch noch der Wettergott seinem Basketballkollegen ein Schnippchen und hält die Merlins so lange auf, dass sie es nicht rechtzeitig zum Ligaspiel nach Hagen schaffen. Dabei hatten diese ihre Reise extra einige Stunden früher angetreten als normal.

Ein Einspruch gegen die Wertung der Partie wurde vom Spielleiter der BBL abgeschmettert, es bleibt bei der Wertung von 0:2 Punkten und 0:40 Korbverhältnis. Zu allem Überfluss droht auch noch eine vorgeschriebene Strafe von 50.000 Euro, weil das Spiel in Hagen abgesagt werden musste. Und als wäre das nicht genug, verschwor sich auch noch das schwäbische Diebesgesindel gegen die Zauberer aus Crailsheim und raubten den vom Verein betriebenen Glühweinstand aus. Zum Glück konnte der 18-jährige Verkäufer den Täter so lange verfolgen, bis jener von seiner Beute abließ.

Wenn man all das bedenkt, muss man schon ein Unmensch sein, um Verein und Fans nicht zu bedauern. Oder Bonner. Eine weise Frau sprach in einem dieser neumodischen sozialen Netzwerke unlängst von Karma. Das kommt bekanntlich immer zu einem zurück. Ist die Pechsträhne der Merlins also die Strafe für etwas, das sie anderen angetan haben? Betrachtet man den Spielplan der Telekom Baskets, kann man auf diese Idee kommen.

Um 17 Uhr müssen die Bonner am Silvestertag in Crailsheim antreten. Verläuft das Spiel zügig und kommt es auf der Rückfahrt nach Bonn zu keinerlei Zwischenfällen, könnten es die Baskets schaffen, gegen 23.30 Uhr zurück am Telekom Dome zu sein. Gibt es eine Verlängerung oder gar eine Dopingprobe, findet der Jahreswechsel für Bonns beste Basketballer im Bus statt. Einer Bitte um Verlegung des Spiels um zwei oder auch nur eine Stunde nach vorne, haben die Gastgeber eine Absage erteilt. Es wäre nicht möglich, die Halle so früh spielbereit zu machen, hieß es aus Crailsheim.

Dass man auf Seiten der Baskets derzeit nicht wirklich gut auf die Gastgeber zu sprechen ist, erklärt sich da wohl von selbst. Für Coach Mathias Fischer müsse aber auch die Liga hier eingreifen. Die Spieler müssten vor solchen Terminen geschützt werden, sagte er kurz vor der Abfahrt der Baskets am Dienstag. Auch das ein oder andere Teammitglied dürfte sich seinen Jahreswechsel anders vorgestellt haben. Zwar kann eine Party im Bus ihren Reiz haben, auf Feuerwerk wird aber wohl aufgrund übertriebener Brandschutzbestimmungen verzichtet werden müssen.

Das Spiel in Crailsheim dürfte für die Gastgeber kein Spaß werden. Zur Motivation gegen die Merlins müssten die Umstände jedenfalls reichen. Ein Blick auf den Kalender, die Uhr und den Aufenthaltsort dürfte genügen, um das Team zu unbedingtem Einsatz anzuspornen. Auf Crailsheimer Einzelschicksale kann keine Rücksicht genommen werden.

P.S.: Der Bus mit den Baskets ist übrigens am Dienstagabend wohlbehalten und pünktlich in Crailsheim angekommen.

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