Green Juice darf nicht sterben

© Sebastian Derix

Es hat lange gedauert, wahrscheinlich sogar zu lange, bis sich meine Wege mit denen des Green Juice Festivals in Bonn-Beuel-Neu-Vilich kreuzten. Erst vor drei Jahren entschied ich mich erstmalig, die Reise im einstelligen Kilometerbereich in Richtung des kleinen Parks anzutreten. Zwar hatte ich schon vorher von den teils legendären Festen gehört, der letzte Impuls hatte aber immer gefehlt.

Dann kam ich also an, mitten im Wohngebiet, und es tat sich eine eigene kleine Welt auf. Es war eine Art Nachbarschaftsfest mit auswärtigen Gästen. Dazu Musik. Und die Eltern stehen am Grill und sorgen außerdem dafür, dass die jugendliche Meute nicht zu sehr über die Stränge schlägt. Ich war sofort beeindruckt. Von der Freundlichkeit, der Organisation, dem Familiären auf dem Festgelände und der Qualität der musikalischen Gäste, aufspielend auf einer mehr als professionellen Bühne.

© Sebastian Derix

Am vergangenen Wochenende feierte das Festival seinen inzwischen zehnten Geburtstag. Oder wollte ihn feiern. Denn zunächst machte der einzig garstige Gast, Petrus, dem bunten Treiben einen nassen Strich durch die Rechnung. Erstmals sollte das OpenAir über zwei Tage gehen. Am Freitag wäre aber eher ein Schwimmkurs, denn ein Konzert auf dem Gelände möglich gewesen. Der Start wurde zunächst verschoben, dann sogar abgesagt.

Aber die Green Juice-Macher wären nicht die Green Juice-Macher, wenn sie nicht auch für diese widrige Situation ein Lösung anzubieten gehabt hätten. Kurzerhand wurde die Aftershow-Party im Brückenforum vorgezogen und zum Indoor-Festival umfunktioniert. Alle Bands erklärten sich bereit, auch über die Saalanlage ihre Musik zum Besten zu geben, einzig Lygo hatten da schon ihren Auftritt ins BLA verlegt. Selbst die Headliner, Royal Republik, traten unter Pseudonym mit einem kurzen Akustikset an.

© Sebastian Derix

Derweil werkelte eine ansehnliche Truppe von Freiwilligen auf dem eigentlichen Festivalgelände, um es für den nächsten Tag einigermaßen gangbar zu machen. Bis weit nach Mitternacht wurde gearbeitet. Und ab dem frühen Morgen wieder. Schließlich konnte die frohe Kunde verbreitet werden: Der Samstag findet statt. Und die Kunde war tatsächlich froh. Schon zum Einlass um 11.30 Uhr standen die Fans Schlange. Gut gelaunt und bereit, den Freitag zu vergessen und den Samstag zu einem Fest zu machen. Das funktionierte vorzüglich.

Alle Bands in bester Spiellaune, das Wetter nahm sich nur eine kurze Auszeit von wenigen Minuten, ansonsten blieb es trocken. Auch der befürchtete Sturm zog am Green Juice-Gelände vorbei. Vor allem die rund 5.500 Fans, die den Weg nach Vilich fanden, gaben von Beginn an Gas. Es wurde ein (denk-)würdiges Jubiläum – vor allem auch wegen der zweiten Halbzeit. Und selbst als der Verfasser dieser Zeilen (weil er ein alter, ungeduldiger Mann ist und nicht im Stau stehen wollte) schon im Auto saß und auf dem Heimweg war, feuerten Madsen noch einen Hit nach dem anderen ins weite, matschige Rund, unterstützt durch ein Feuerwerk am Himmel.

© Sebastian Derix

Und trotz des erfolgreichen Samstags klafft in der Kasse der Green Juicer ein tiefes Loch, gerissen durch Petrus´ Querelen am Freitag. Ob es eine elfte Ausgabe des Festivals geben wird, ist aktuell noch nicht klar. „Es gibt einen Termin und wir haben Bock“, verkündete Green Juice-Geschäftsführer Julian Reininger noch am Samstagabend. Eine feste Zusage konnte er aber noch nicht geben – erst muss Kassensturz gemacht werden.

Vermutlich wird dem Orga-Team so manches einfallen, um verschiedenste Euro aufzutreiben. Nach zehn Jahren Innovation und Erfahrung, sollte es so nicht enden. Auch, wenn das Projekt, das mit dem Traum von Madsen auf der Bühne hinter dem eigenen Haus begann, seinen eigenen Kreis inzwischen geschlossen hat, so ist Green Juice doch inzwischen so viel mehr. Für Bonn, für Beuel, für Vilich. Für die Nachbarschaft. Es ist eine Art von Völkerverständigung zwischen Alt und Jung. Ein Modellprojekt. Green Juice darf nicht sterben.

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