Kein Turnier in Bonn

© Sebastian Derix

Die Entscheidung ist gefallen: Das mögliche Finalturnier der Basketball Bundesliga findet nicht in Bonn statt. Die Partien werden stattdessen, wenn sie denn ausgetragen werden, in München gespielt. Das hat die Konferenz der Liga ergeben.

Ob allerdings tatsächlich ein solches Turnier stattfinden kann, ist weiter unklar. Das Hygienekonzept, das die Liga erarbeitet hat, liegt den Behörden vor. Nach dem Beschluss, dass die Fußballer ihre Saison zu Ende spielen dürfen, macht man sich in der BBL-Zentrale in Köln deutlich mehr Hoffnung, dass das auch für die Basketballer gilt. Eine Entscheidung ist hier allerdings noch nicht gefallen.

Finalturnier im Telekom Dome?

© Sebastian Derix

Die eine Entscheidung ist gefallen: Für die Telekom Baskets ist die Saison 2019/20 beendet. Die Liga will die Spielzeit in Turnierform zu Ende spielen, mit zehn Mannschaften. Die Baskets gehören nicht dazu.

Morgen soll allerdings schon die nächste Entscheidung fallen: Nämlich die, wo dieses geplante Turnier stattfinden könnte, wenn es denn erlaubt wird. Beworben haben sich München, Berlin und Frankfurt – alles Teilnehmer der möglichen Endrunde. Einziger „neutraler“ Spielort, der mit im Lostopf ist, ist der Telekom Dome in Bonn.

„Das war naheliegend, eine leerstehende, clubeigene und reine Basketballarena mit angegliedertem Trainingszentrum dafür anzubieten“, sagte Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. Recht hat er. Auch mit den Bedenken, die er ergänzt. Denn es seinen noch viele Dinge zu klären, vor allem in Sachen Hygiene und Sicherheit, so Wiedlich weiter.

Fällt morgen die Entscheidung?

© Sebastian Derix

Es könnte einer der wichtigste Tage in der noch immer laufenden Saison der Basketball Bundesliga sein: Am morgigen Montag setzen sich die Vereinsvertreter virtuell zusammen, um eine Entscheidung zu treffen, wie es mit der Spielzeit weitergeht. Absagen oder auf Geisterspiele setzen? Nach DPA-Informationen sind die Vereine gespalten in ihrer Meinung. Derweil liegen offenbar mehrere Szenarien auf dem Tisch:

Ein einfaches Weiter so! scheint derweil in keiner der Möglichkeiten eine Rolle zu spielen. Möglich sei demnach, dass die noch ausstehende Spiele an drei oder vier Standorten gespielt werden – ohne Zuschauer selbstverständlich. Die Bayern hatten derweil vorgeschlagen, die Saison nur mit denjenigen Vereinen zu Ende zu spielen, die daran interessiert seien. Das könnte dann in einer Art Gruppenphase mit anschließenden Playoffs passieren.

In Sachen Hygiene habe sich die Liga bei den Fußballern informiert und wolle jetzt sehen, welche der dort angedachten Punkte auch für die BBL umsetzbar seien.

Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich hat derweil im Gespräch mit Radio Bonn/Rhein-Sieg erklärt, dass die Bonner einen Abbruch der Serie präferieren. Finanziell wäre es enorm schwer, mit Geisterspielen ohne Einnahmen über den Sommer zu kommen, so Wiedlich.

Erste Verträge aufgelöst

© Sebastian Derix

Wie einige andere Mannschaften der easyCreditBBL auch, haben die Telekom Baskets auf die Ungewissheit der Liga reagiert. Die ersten Spielerverträge wurden aufgelöst. Die Amerikaner Stephen Zimmerman, Geno Lawrence, Branden Frazier und Donald Sloan haben Deutschland verlassen und sind zurück in die USA geflogen.

Auch Coach Will Voigt ist in seine Heimat zurückgekehrt. Der Vertrag mit dem erst jüngst verpflichteten Cheftrainer wurde ebenfalls aufgelöst. Wie die seiner Spieler auch übrigens einvernehmlich, heißt es vom Verein. Sollte die Liga ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen, was eigentlich niemand mehr glaubt, stünde Voigt auf Abruf bereit.

Für einen Großteil der übrigen Spieler gilt inzwischen Kurzarbeit. Der gemeinsame Trainingsbetrieb ruht ohnehin. Erst recht, nach dem jüngsten Erlass des Landes NRW.

Basketballerische Fastenzeit

Unter der Woche verpflichteten die Telekom Baskets mit Donald Sloan einen Guard, der über reichlich NBA-Erfahrung verfügt. Auf dem Parkett war am Sonntag nach dem Karnevalssieg aber eher Fastenzeit angesagt. Ein einziges Mal lagen die Baskets in Führung. Die meiste Zeit mussten sie einem unterschiedlich großen Rückstand hinterher laufen.

Dabei ließen sie, auch für den Geschmack von Coach Will Voigt, Einsatz und Einstellung, vor allem in der Defensive vermissen. Woran das gelegen habe, konnte sich der Trainer allerdings auch nicht erklären. Am Ende läuft es aber immer wieder darauf hinaus, dass das Selbstvertrauen trotz des Sieges noch tief im Keller des Telekom Domes wohnt.

Don Sloan machte derweil ein ordentliches Spiel. Nicht mehr, nicht weniger. Da er aber auch erst seit wenigen Einheiten im Training dabei war, war zu erwarten, dass er nicht sofort die Liga auf den Kopf stellen würde.

Weiter geht es für die Baskets schon am Mittwoch. Dann steht wieder ChampionsLeague auf dem Programm. Die Bonner sind bei AEK Athen zu Gast. Auch nicht gerade das Fallobst der Liga.

Karneval ist anders

Karnevalsspiel. Ausnahmezustand im Telekom Dome. Verständlich, dass die Telekom Baskets alles daran setzten, das Spiel auch in diesem Jahr stattfinden zu lassen. Und das, obwohl eigentlich Länderspielfenster angesagt war. Da hat die Liga Pause. Der Kompromiss: Ihr sucht euch einen Gegner. Und ihr stellt mögliche Nationalspieler ab – außerdem darf an diesem Tag selbst kein Länderspiel stattfinden.

Gegner gefunden, Joshi Saibou abgestellt. Das Spiel gegen Gießen konnte starten. Und es hätte kaum besser laufen können: Grandioser Start der Baskets. Gießen schien überfordert und war eigentlich geistig schon fast auf dem Heimweg. Dann bekamen sie aber doch Zugriff auf das Spiel und kamen zurück. Es wurde eng.

Trotzdem setzten sich die Baskets am Ende durch. Angefeuert von 6.000 Jecken, von einem Coach, der es offensichtlich endlich geschafft hat, das Team so einzustellen, dass jeder zur richtigen Zeit seine Stärken ausspielen kann und angetrieben von einem Trey McKinney-Jones, der seitdem er mehr Spielzeit bekommt, aufzublühen scheint. Sein Dank: 27 Punkte und fünf Rebounds.

Am Ende stand ein recht deutlicher 112:96-Sieg und einmal mehr eine fette Karnevalsparty, die vermutlich keiner der Spieler jemals vergessen wird. Der Dank der Baskets gilt, aller Voraussicht nach, den Gießenern, dass sie sich diesem Inferno gestellt haben, obwohl abzusehen war, dass es verdammt schwierig werden würde, in Bonn etwas zu holen. Alaaf.