Der Rock ist zurück am Ring

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Paukenschlag am Montagmittag: Rock am Ring kehrt mit sofortiger Wirkung zurück an den Nürburgring. Das teilten die Veranstalter mit. Der Wechsel zurück an den alten Standort des Festivals sei unausweichlich, heißt es in einer Erklärung. Wirtschaftlich sei die ehemals neue Spielstätte, der Flugplatz in Mendig, nicht mehr haltbar. Trotz Rekordbesucherzahlen könne man ständig wachsende Auflagen in Sachen Umweltschutz nicht finanzieren, so Marek Lieberberg. Es wären Investitionen in Millionenhöhe notwendig, um das Festival in Mendig weiter genehmigt bekommen zu können. Das sei nicht machbar.

Gleichzeitig bedankte sich der Veranstalter bei der Verbandsgemeinde Mendig. Die Verantwortlichen hätten alles getan, um dem Festival eine neue Heimat zu geben. Auch die Anwohner, insbesondere die Landwirte, die Parkflächen zur Verfügung gestellt hätten, treffe keine Schuld. Vielmehr seien die bereit gewesen, ihr Engagement sogar noch auszuweiten.

Die Rückkehr an den Ursprungsort sei verbunden mit klaren Auflagen, die man erfüllen könne, so Lieberberg. Durch den Umzug werde das größte deutsche Festival zukunftsfähig gemacht. Nach dem großen Knall und der Trennung hätten sich die aktuellen Betreiber glaubwürdig um eine Rückkehr bemüht. Auch die jetzt ausgemachten Bedingungen seien für beide Seiten annehmbar.

So kehrt also Rock am Ring zurück an die traditionsreiche Rennstrecke in der Eifel. Verbunden damit wird sicher nicht nur von Seiten der Veranstalter der Wunsch, nach zwei (vor allem durch widriges Wetter) doch eher chaotischen Ausgaben wieder zum Kerngeschäft Festival zurückkehren zu können. Rock am Ring ist wieder zuhause.

 

Es wird weiter in Mendig gerockt

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Die Entscheidung ist gefallen: Rock am Ring 2017 wird wieder auf dem Flugplatz in Mendig stattfinden. Damit sind Umzugsbemühungen in Richtung Nürburgring zumindest für das kommende Jahr vom Tisch. Bei den beiden ersten Versuchen in Mendig hatten jeweils schwere Unwetter für zum Teil schwer verletzte Besucher gesorgt. Die Veranstalter hoffen deshalb, „dass 2017 ein uneingeschränkt faszinierendes Festivalerlebnis bietet, bei dem allein die Musik und das spezielle Ring-Feeling im Vordergrund stehen. Dafür geben wir Alles!“ Das schreiben Marek und Andre Lieberberg in einer Erklärung.

Auch von offiziellen Seiten ist man froh, dass das Festival in Mendig bleibt. „Das größte Festival Deutschlands, die coolsten Fans Europas und die besten Bands der Welt werden wieder eine rockige Zeit in Mendig erleben. Wir freuen uns sehr, auch 2017 Gastgeber für Rock am Ring sein zu dürfen“, betonten Verbandsbürgermeister Jörg Lempertz und Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel übereinstimmend.

Der Vorverkauf beginnt schon morgen, Donnerstag, um zehn Uhr. Ab dann gibt es ein limitiertes Frühbucher-Kontingent an 3-Tage-Festivaltickets für 185,- Euro inkl. Parken, Campen, Vorverkaufsgebühr sowie 10,- Euro rückzahlbares Müllpfand.

Noch immer keine Klarheit bei Rock am Ring

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Gestern stellten die Veranstalter des Rock am Ring-Festivals ein stimmungsvolles Rückblick-Video der Konzerte aus dem Juni vor. Heute gab es dann die ersten Bestätigungen für das Festival im nächsten Jahr. Die Toten Hosen und System of a Down sind als Headliner vorgesehen. Mit dabei sind aber auch Größen wie Kraftklub, Macklemore & Ryan Lewis, die Beginner, Marteria, Bastille oder In Flames.

Unklar ist aber weiterhin, wo die Konzerte im kommenden Jahr stattfinden. Man habe sehr bewusst heute noch keinen Ort angegeben, sagte Marek Lieberbergs Sprecherin Katharina Wenisch am Nachmittag. Eventuell gebe es Ende nächster Woche mehr zu sagen. Auch am Nürburgring hält man sich bedeckt. „Wir wollen Rock am Ring weiter gerne zurück“, war alles, was sich Pressesprecherin Ann-Kathrin Schürmann entlocken ließ.

Bei den Bands scheint man schon einen Schritt weiter zu sein. In Flames und System of a Down geben zum Beispiel Mendig in ihrem Tourplan als Veranstaltungsort an. Möglicherweise ist das aber auch nur der derzeitige Stand der Dinge. Einen Vertrag mit Mendig hat Veranstalter Lieberberg ja noch.

Kein Verfahren gegen Lieberberg

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Die Staatsanwaltschaft Koblenz sieht keine Veranlassung, gegen Rock am Ring-Veranstalter Marek Lieberberg zu ermitteln. Nach einer anonymen Anzeige hatte sie geprüft, ob Lieberberg oder die Aufsichtsbehörde strafbar falsch gehandelt hatten. Das Festival in Mendig war nach heftigen Unwettern mit Blitzeinschlägen zunächst unterbrochen und später vorzeitig beendet worden. 71 Besucher waren zum Teil schwer verletzt worden.

Nach den bisher bekannten Umständen gebe es aber keine Anhaltspunkte für den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung seitens der Veranstalter oder der Genehmigungsbehörde, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Geprüft wurde dabei auch das Sicherheitskonzept des Veranstalters. Lieberberg und seine Mitarbeiter haben demnach die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes ordnungsgemäß beachtet und auch die erforderlichen Maßnahmen getroffen.

„Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass Veranstaltungsbesucher im Fall einer Warnung vor einem drohenden Unwetter auch selbst eine Verantwortung dafür tragen, sich drohenden Gefahren zu entziehen, soweit dies nach den Umständen der Veranstaltung möglich ist“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Unterdessen teilte eine Sprecherin des Veranstalters mit, dass das Festival auch im kommenden Jahr wieder stattfinden werde. Im Oktober sollen dazu Einzelheiten bekannt gemacht werden. Vor Wochen war über einen Umzug zurück an den Nürburgring spekuliert worden. Dazu gibt es bislang aber keine Neuigkeiten.

 

Zurück zum Ring?

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Spekuliert wird schon lange, eigentlich schon, seitdem die Vertragsverhandlungen zwischen Veranstalter Marek Lieberberg und den Eigentümern des Nürburgrings gescheitert waren. Jetzt scheint eine Rückkehr des Rock am Ring-Festivals an die Rennstrecke in der Eifel konkreter denn je zu werden. Laut Koblenzer Rhein-Zeitung will der neue Eigentümer alles dafür tun, dass Rock am Ring im kommenden Jahr zurück in die Heimat kommt. „Wir wollen Rock am Ring unbedingt zurück haben“, sagte demnach Nürburgring-Geschäftsführer Mirco Markfort.

Und das so schnell wie möglich. Nach Medienberichten müsse die Entscheidung über eine Rückkehr noch in diesem Monat fallen – wegen der langfristigen Planungen der Rennstrecke. Nach zwei völlig missratenen Ausgaben des Festival ins Mendig mit Blitzeinschlägen und zusammen mehr als 100 Verletzten dürfte die Liebe zum „Field of Rock“, wie es Lieberberg einst bei der Verkündung des Wechsels nannte, ziemlich erloschen sein. Zudem hatten die Behören in Mendig den Veranstalter in diesem Jahr angewiesen, das Festival zu beenden – Lieberberg hält das bis heute für eine falsche Entscheidung.

„Ganz sicher weiß Herr Lieberberg, was er am Nürburgring hat, was er hier in 29 Jahren zusammen mit dem Nürburgring geschaffen hat“, sagte Nürburgring-Sprecher Uwe Baldes. Allerdings wisse man auch, dass Lieberberg in Mendig einen Vertrag bis 2019 habe. Sollten sich da die Dinge ändern, stehe man aber bereit. „Wir haben die Voraussetzungen, die man zur Durchführung eines Musikfestivals benötigt. Wenn es eine Möglichkeit gibt, Rock am Ring zurück zu holen, wäre das perfekt.“

Und Baldes bestätigt auch Gespräche zwischen dem Veranstalter und den Verantwortlichen am Ring: „Aktuell werden die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausgelotet. Schauen wir mal, was die nächsten Wochen bringen“, ergänzt er vielsagend. Eine Deadline Ende Juli wollte Baldes aber nicht bestätigen. Und dennoch: „Wenn wir Rock am Ring einplanen sollen, können oder besser dürfen, dann müssen wir das relativ frühzeitig tun. Der Terminplan für das kommende Jahr ist schon in Arbeit, das ist ein großes Puzzle. Von daher gibt es da sicher schon zeitliche Vorgaben.“

Eine zeitnahe Entscheidung ist also wahrscheinlich. Dass Lieberberg noch einmal in Mendig veranstaltet, scheint so gut wie ausgeschlossen – Vertrag hin oder her. Dass er sich einen anderen Ort als den Nürburgring aussucht, sollte er wechseln, dürfte ebenfalls mehr als unwahrscheinlich sein. Die Verantwortlichen am Ring, von denen er sich im Streit getrennt hatte, sind längst nicht mehr da. „Der Verkauf des Nürburgrings ist abgeschlossen, d.h. wir haben hier eine stabile und sichere Zukunft“, wirbt Uwe Baldes noch einmal.

Geld zurück für Festivalbesucher

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Gute Nachrichten aus dem Hause Lieberberg: Besucher von Rock am Ring bekommen einen Teil ihres Eintrittsgeldes zurück. Weil das Programm vor dem letzten Festivaltag wegen der anhaltenden Unwettergefahr abgebrochen werden musste, erstattet der Veranstalter den Betroffenen 40 Prozent der Eintrittskarte, abzüglich der gezahlten Müllgebühr. Um in den Genuss der Rückzahlung zu kommen, müssen Ticketinhaber ihre Originalkarten per Post einschicken, nach spätestens 30 Tagen soll der Betrag dann beim Festivalbesucher angekommen sein.

Um die Erstattung zu vereinfachen, gibt es mehrere Tipps: Wer noch die Bestellbestätigung hat, möge sie bitte mit einreichen. Außerdem stellt der Veranstalter ein Online-Formular bereit, auf dem die Bankverbindungen eingetragen werden können. Alle weiteren Infos gibt es hier. Die Abwicklung übernimmt die Firma CTS EVENTIM. Anträge auf Erstattung sollen nach Möglichkeit bis spätestens 31. Juli eingereicht werden.

Eine Woche danach

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Vor genau einer Woche sitzen wir völlig durchnässt im Auto und fahren von Mendig aus wieder in Richtung Bonn. Nach einem kurzen Abstecher zu Rock am Ring, der mit einem Unwetter mit auf dem Festivalgelände einschlagenden Blitzen vorerst zu Ende gegangen war, ist uns noch nicht bewusst, wie viel Glück wir einmal mehr hatten. Nachdem ein ähnliches Unwetter auch im vergangenen Jahr den Freitag beendet und für mehr als 30 Verletzte gesorgt hatte, konnte man allerdings schon ahnen, dass auch in diesem Jahr nicht alle mit heiler Haut davon gekommen sein können.

Nach und nach trudelten die Zahlen ein. Offiziell sind es zunächst acht, später knapp 50, am Ende gar mehr als 70 Verletzte. Mehrere von ihnen mussten reanimiert werden. Ein Besucher liegt auch heute noch auf der Intensivstation, berichtet die Rhein Zeitung aus Koblenz. Sein Zustand sei weiter kritisch, sagte Veranstalter Marek Lieberberg der Zeitung.

Gleichzeitig erheben immer mehr Menschen zum Teil schwere Vorwürfe gegen Lieberberg. Er habe das Festival zu spät unter- und abgebrochen. Der Veranstalter wehrt sich: Sobald die Anweisung von den Behörden gekommen sei, das Konzert zu beenden, habe er dem Folge geleistet – auch wenn er es bis heute für die falsche Entscheidung hält.

Fakt ist: Ein Gewitter, noch dazu ein solches, kann niemand punktgenau vorhersagen, vor allem nicht Stunden im Voraus. Laut dem Meteorologen Jörg Kachelmann hatte sein Kollege vor Ort den Veranstalter um kurz nach halb acht vor dem aufziehenden Unwetter gewarnt. Das Konzert von Tenacious D sollte um 19.50 Uhr starten. Das tat es nicht, stattdessen kamen die Durchsagen, dass die Besucher das Gelände verlassen und sich in Sicherheit bringen sollen.

Dass der Weg zum Auto durch die Matschwüste zum Spießrutenlaufen würde, war kurz danach abzusehen, als das Gewitter los brach. Blitze und Donner gleichzeitig. Regen, der einen Weltenbrand hätte löschen können. Innerhalb einer Minute gab es keine trockene Stelle mehr an meinem Körper – und ich habe viel Körper. Ich persönlich glaube nicht, dass das Festival zu spät abgebrochen wurde. Vielmehr hätte man es vermutlich gar nicht erst starten sollen. Spätestens seit Mittwoch war klar, dass sich an der (Un-)Wetterlage bis zum Wochenende nicht viel ändern würde. Das Gelände versank im Schlamm, Autos blieben stecken.

Natürlich wären die Fans sauer gewesen, natürlich wäre der finanzielle Schaden immens gewesen. Aber es wären nicht über 70 Besucher verletzt worden. Es war das zweite Mal bei seiner zweiten Auflage in Mendig, dass Rock am Ring unter keinem guten Stern stand. Sicher, das waren beides Extremwetterlagen, die niemand vorhersehen kann. Aber vielleicht ist diese riesige ebene Fläche des Flugplatzes einfach doch nicht geeignet für ein Festival dieser Art und Größe. Vielleicht bietet sie zuviel Angriffsfläche für und zu wenig Schutz vor Wetter jeder Art. Marek Lieberberg wird sich seine Gedanken machen.