Zwei Schweizer ziehen in die Welt

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Bei Borussia Mönchengladbach sind in den vergangenen beiden Tagen wichtige Entscheidungen gefallen. Heute verkündete der Verein den Wechsel des schweizer Nationalspielers Granit Xhaka zu Arsenal London. Schon gestern hatte der ehemalige Cheftrainer Lucien Favre, ebenfalls ein Schweizer, einen neuen Verein gefunden. Er trainiert ab der kommenden Saison den französischen Erstligisten aus Nizza.

Der Wechsel des Gladbacher Kapitäns zeichnete sich lange ab. Dass es Arsenal werden würde, war allerspätestens seit den geleakten Bildern aus der vergangenen Woche ebenfalls klar. Heute meldeten dann beide Vereine Vollzug. „Wir verlieren einen sehr, sehr guten Spieler, aber wir haben mit der erzielten Ablösesumme die Möglichkeit, unsere Mannschaft weiter sinnvoll zu ergänzen“, sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl. Im Gespräch sind rund 45 Millionen Euro. Das wäre für die Borussia ein Quantensprung, in der Liga wäre es der zweit-teuerste Transfer nach dem Wechsel von Kevin De Bruyne zu Manchester City.

Gleichzeitig ist es für Xhaka der nächste Schritt in einer Karriere, die ihn vor vier Jahren nach Deutschland führte. Damals hatte die Borussia rund neun Millionen nach Basel überwiesen. Jetzt werden noch einige dazu kommen. Zum einen ist da die von der FIFA festgeschriebene Ausbildungsentschädigung. Außerdem hatte sich der FC Basel beim Verkauf 2012 eine Option zur Beteiligung beim Weiterverkauf gesichert. Schweizer Medien sprechen hier sogar von zehn bis 20 Prozent.

Für Lucien Favre schließlich geht eine Phase ohne tägliche Trainingsarbeit zu Ende. Er wechselt zu OGC Nizza in die erste französische Liga – der Vertrag mit der Borussia wird aufgelöst. Favre kann jetzt eine Mannschaft in seiner Muttersprache führen, außerdm wohnt er in Zukunft an der Côte d’Azur. Sicher kein Hinderungsgrund bei einem Vertragsgespräch, auch wenn der akribische Arbeiter Favre vermutlich in Zukunft nicht faul am Strand liegen wird. Vielmehr wird es seine Aufgabe sein, ein junges Team in der Europa League zu etablieren. Eine Arbeit, die er in Mönchengladbach mit Bravour absolviert hat.

 

Baskets trennen sich von Gates

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Das Durcheinander bei den Telekom Baskets wird immer größer. Vor dem Spiel gegen Tübingen gaben die Bonner bekannt, dass Yancy Gates nicht länger zum Team gehört. Der Amerikaner war erst am 4. Januar nachverpflichtet worden. Der bullige Center sollte für Stabilität in der Verteidigung sorgen und außerdem offensiv neue Möglichkeiten eröffnen.

In einer offiziellen Mitteilung des Vereins heißt es, man habe sich darauf geeinigt, das Arbeitsverhältnis ab sofort ruhen zu lassen. Über die Details der Abmachung wurde Stillschweigen vereinbart. Damit gehört der 26-Jährige nicht mehr zum aktiven Kader der Baskets. Gates kam in seinen Spielen in Bonn im Schnitt auf 14,5 Punkte und 6,2 Rebounds.

Zwei Teams, keine Defense

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Wenn man dieses Blog schon etwas länger verfolgt, wird man bemerkt haben, dass zwei Sportmannschaften meine besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Da ist zum einen die Borussia aus Mönchengladbach im Fußball, auf der anderen Seite stehen die Telekom Baskets, die in Bonn versuchen, einen Ball durch den Basketballkorb zu werfen. Bei beiden Sportarten wird in der Mannschaft gespielt – und das mit einem Ball. Auf den ersten Blick sind damit die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Teams auch schon ausgeschöpft.

Man könnte noch ergänzen, dass die sportlich erfolgreichsten Zeiten bei beiden Mannschaft schon länger her sind. Außerdem waren sowohl die Borussia, als auch die Baskets, nach einer starken Vorsaison, mit großen Erwartungen in die neue Spielzeit gestartet. Was dann kam war unterschiedlich. Inzwischen läuft es aber bei keinem der beiden Teams wirklich rund. Und bezeichnend ist, dass vor allem die Verteidigung meinen beiden Mannschaften große Probleme bereitet. Die Borussia hat vor dem großen Derby am Wochenende schon 38 Gegentore kassiert. Das hätte unter Lucien Favre für zwei Spielzeiten gereicht. Und auch bei den Baskets steht der Korb den Gegnern immer wieder offen wie ein Scheunentor.

Beide Mannschaften haben eine offensive Qualität, die locker für das erste Tabellendrittel reicht. Hinten hilft dann aber oft nur der liebe Gott – oder eben auch nicht. Interessant ist, wie die Coaches mit der Situation umgehen. Andre Schubert hat in der Woche vor dem Derby sogar Elfmeter trainieren lassen, stundenlange Defensivübungen standen dagegen nicht auf dem Plan. Bei Carsten Pohl ist das Credo seit seinem Amtsantritt, dass die Verteidigung verbessert werden muss. Daran arbeitet er mit den Baskets seit Wochen.

Und er hat noch eine weiter Woche Zeit, um seine Ideen umzusetzen. Bonn hat an diesem Wochenende spielfrei – für das Finalturnier um den Pokal haben sich die Baskets nicht qualifiziert. Schuberts Borussia steht dagegen vor dem Spiel der Spiele – am Samstag steigt das Derby gegen den 1. FC Köln. Soll nicht das unsägliche passieren und die Borussia zwei Derbys in einer Saison verlieren, dann muss entweder die Abwehr stehen, oder der Fußballgott beim Tore schießen helfen.

 

Warum ich nicht Max Eberl sein möchte

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Zack, schon haben wir eine Trainerdiskussion. Nachdem Lucien Favre in Mönchengladbach das Handtuch geschmissen hatte, installierte Sportdirektor Max Eberl umgehend den U23-Trainer André Schubert als Interims-Trainer bei den Profis. Fetter könnte man das „Interims“ nicht machen, als es Eberl vor ein paar Wochen tat. Schubert sei eine Übergangslösung, wenn auch eine gute. Wie gut sie war, zeigte sich schon im ersten Spiel der Post-Favre-Ära. Die Borussia fertigte Augsburg mit 4:2 ab.

Wie gut sie aber wirklich war, zeigt sich seitdem Woche um Woche von neuem. Die Borussia eilt von Sieg zu Sieg. Einzig in der Champions League gab es einen kleinen Dämpfer. Die Gladbacher verloren zuhause nach einem starken Spiel nur knapp gegen Manchester City. André Schubert hat die alte Borussia aus dem Keller geholt. Die Mannschaft spielt wieder, wie zu besten Favre-Zeiten. Max Eberl konnte im Hintergrund nach einem Favre-Nachfolger suchen und mit Trainer-Kandidaten sprechen.

Und jetzt? Die Stimmen werden lauter, die hinterfragen, ob die perfekte Lösung für die Borussia nicht schon gefunden sei. Bei den Fans steht Schubert seit seinem ersten Sieg hoch im Kurs. Ein Trainer der siegt, kann so verkehrt nicht sein. Das sehen auch Granit Xhaka und Yann Sommer ähnlich. Beide haben schon öffentlich erklärt, dass Schubert sehr gut zur Mannschaft passe – der eine forscher als der andere. Und Max Eberl spielt weiter auf Zeit. Die Trainersuche laufe, es gebe Gespräche, aber keine Verhandlungen. Und er lobt die Zwischenlösung – Schubert mache einen herausragenden Job.

In Eberls Haut zu stecken, könnte zur Zeit schwieriger kaum sein. Natürlich ist es eine komfortable Situation einen Trainer zu suchen, ohne den Druck zu haben, dass das Team vor die Hunde geht. Aber genau da liegt auch die Krux. Wie erklärt man einer Mannschaft und deren Anhängern, dass der Coach, der inzwischen vier Bundesligasiege in Folge aufweisen kann und damit den vereinsinternen Startrekord hält, wieder gehen muss und dass ein anderer Mann künftig das Training leiten soll? Wann ist der richtige Zeitpunkt, einen neuen Mann zu installieren? Oder wann muss man sagen: Diese Interimslösung war so gut, dass sie jetzt zur Dauerlösung wird? Ich möchte die Entscheidung nicht treffen müssen.

Danke, Lucien Favre

© Sebastian Derix

Lucien Favre ist ein Analytiker. Ein Denker. Einer, der versucht, Probleme mit dem Verstand zu lösen. Das gilt insbesondere für diejenigen auf dem Fußballplatz. Er hat eine klare Idee vom Fußball. Seinen Spielern versucht er diese zu vermitteln. Das hat in Mönchengladbach in den vergangenen vier Jahren erstaunlich gut funktioniert. Eine Borussia, die schon fast abgestiegen war, die tot war, holte er aus dem Sumpf. Er schaffte den Klassenerhalt, holte ein Jahr später mit dem Team einen sensationellen vierten Platz. In der vergangenen Spielzeit schaffte die Borussia sogar den Sprung unter die TOP3 der Liga und damit direkt in die Champions League.

Und jetzt das. Wettbewerbsübergreifend starteten die Gladbacher mit sechs Niederlagen in Folge. Nach dem Holperstart im Pokal bei Sankt Pauli gelang der Borussia nichts mehr. Selbst im Derby sahen die Männer von Lucien Favre kein Land. Und Favre keinen Ausweg. Er bot dem Verein seinen Rücktritt an. Der lehnte ab. Max Eberl und das Präsidium teilten dem Trainer mit, er sei weiterhin der perfekte Trainer für die Borussia. Favre sah und sieht das anders. Er ging an die Presse und machte seine Entscheidung öffentlich: „Nach reiflicher Überlegung und eingehender Analyse (sic!) bin ich zu der Erkenntnis gekommen: Es ist in dieser Situation die beste Entscheidung, mein Amt als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach niederzulegen.“

Man kann die Entscheidung begrüßen oder sie für falsch halten. Man kann dem Trainer vorwerfen, er stehle sich aus seiner Verantwortung, oder man kann in tiefer Trauer versinken. Was man aber nicht kann, ist, Lucien Favres Leistung in den vergangenen viereinhalb Jahren zu vergessen. Er hat einen riesigen Anteil an der Erfolgsstory der Borussia. Unzählige Gänsehautmomente gehen auch auf sein Konto. Insofern kann die Dankbarkeit diesem Trainer gegenüber kaum größer sein.

Und doch mischt sich eine bittere Träne in den Abschiedswein. Der Alleingang zum Schluss deutet auf Ratlosigkeit hin. Der Trainer scheint überfordert mit der Krisensituation. Die Analysen haben versagt, die Mannschaft ebenfalls. Da bleibt Favre augenscheinlich nur der Alleingang. Teamwork sieht anders aus. Und doch: Vielleicht ist die Borussia nur so zu retten?! Offenbar hatte der Coach seinen Rücktritt schon häufiger angeboten. „Wir haben gehofft, dass wir ihn auch dieses Mal überzeugen können, bei uns und mit uns weiterzumachen. Mit seinem öffentlich gemachten Rücktritt hat er nun Fakten geschaffen, die uns bis ins Mark treffen“, sagte Päsident Rolf Königs. Möglicherweise hat der Kopfmensch Favre jetzt in seinem Herzen gespürt, dass es nicht mehr weiter geht.

Ich möchte mich verneigen vor der Leistung des Trainers Favre. Nichts, aber auch gar nichts habe ich ihm zugetraut, als der Verein ihn seinerzeit als Retter präsentierte. Und noch heute stehe ich staunend vor der neuen Borussia. Champions League. Das ist doch irre. Die vergangenen Wochen schmerzen. Aber hey, wir kommen von genau da her, wo wir jetzt wieder stehen. Das ist doch nicht neu für uns. Wir kommen da wieder raus. Und wir hätten das auch mit Lucien Favre geschafft. Und wenn nicht, dann wären wir mit ihm in die zweite Liga gegangen und gestärkt wieder hoch gekommen. Danke, Lucien Favre. Danke für diese geilen Jahre. Au revoir, Monsieur Favre, jusqu’à la prochaine fois.

Die Spirale der Schuld

© Sebastian Derix

Ich glaube, spätestens nach dem heutigen WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft ist die Sache verjährt. Das 4:0 gegen Portugal machte eine Schmach wett, die ich vor zwei Jahren auf mich geladen hatte. Es wird Zeit zu beichten: Ja, ich bin schuld am Ausscheiden der Nationalmannschaft im Halbfinale der EM 2012 gegen Italien. Der ein oder andere mag sich verwundert die Augen reiben. Vielleicht hat auch Mancher schon eine andere Website aufgerufen und gleichzeitig einen Krankenwagen bestellt. Ich erzähle euch die Geschichte:

Beim Mönchengladbacher Lokalradio 90,1 gibt es immer mindestens einen Mitarbeiter, der die Spiele von Welt- und Europameisterschaften bei verschiedenen Public Viewings in der Stadt begleitet. Es gilt Stimmung und Stimmen der Fans einzufangen, Organisatoren zu interviewen und den am wenigsten betrunkenen Zuschauern die klügsten Sätze zu entlocken. Dieser „Public-Viewing-Reporter“ war bei der vergangenen EM ich. Sehr lange. Sehr erfolgreich. Zumindest was die Funktion als Maskottchen für die Nationalelf anging.

Vorrunde und Viertelfinale hatten Jogis Jungs und ich also stets siegreich hinter uns gebracht, als die Anfrage kam, doch auch das Halbfinale gegen Italien zu bearbeiten. Jetzt kam der Fehler: Ich sagte ab, wollte das Spiel privat und mit Freunden gucken. Wie das ausging, wissen wir alle. Italien gewann, ich hatte es vergeigt. Dass ich den gleichen Fehler schon beim Finale der WM zwei Jahre zuvor gemacht hatte, verschweige ich an dieser Stelle.

Zwei Jahre trug ich diese Schande mit mir herum. Niemand schien den Zusammenhang bemerkt zu haben. Das tröstete mich aber nur rudimentär. Dann kam die Bitte, beim deutschen WM-Auftakt gegen Portugal einmal mehr den Hockeypark in Mönchengladbach zum Public Viewing aufzusuchen – „das Übliche halt“. Ich wehrte mich mit Händen, Füßen und allem, was sich sonst noch erfolglos einsetzen ließ, Es half nichts, ich hatte den Job.

Das Ergebnis haben wir alle gesehen. Jogis Jungs machten ihre Aufgabe besonders gut, ich sammelte ein paar extrem starke Gesangseinlagen und WM-Prognosen. Ich hatte etwas gut zu machen. Nach diesem Spiel denke ich, ich habe meine Schuld beglichen. Einen solchen Turnierstart hätte niemand vorhersehen können. Alles ist gut! Ach, übrigens: Ich werde das Samstagspiel gegen Ghana nicht public viewen. Ich will nicht wieder in diese Spirale der Schuld. Dann lieber nach einem 4:0 nach der Vorrunde rausfliegen.

Unsägliche Dummheit

Ob man rassistische Aussagen im Privaten tätigt oder in aller Öffentlichkeit – dämlich sind sie allemal. Das musste/durfte jetzt auch der Besitzer der LA Clippers, Donald Sterling, erfahren. In einem aufgezeichneten Gespräch mit seiner Freundin hatte der Manager sich darüber beschwert, dass sie dunkelhäutige Freunde mit zu einem Basketballspiel gebracht und sich dann auch noch mit ihnen fotografiert hatte. Dass er Besitzer eines Basketballteams ist, dass ohne dunkelhäutige Spieler überhaupt nicht überleben könnte, muss ihm dabei kurzzeitig entfallen sein. Dussel.

Die NBA hat sehr schnell nach dem Bekanntwerden dieser unsäglichen Dämlichkeit reagiert und Sterling mit sofortiger Wirkung und auf Lebenszeit aus der Liga geworfen. Zudem soll er gezwungen werden, die Clippers zu verkaufen. Ein Verfahren dazu hat NBA-Commissioner Adam Silver in Gang gesetzt. Manch einer mag überlegen, ob dieses Vorgehen nicht zu hart ist. Schließlich hatte Sterling die Äußerungen privat getätigt und nicht in seiner Funktion als Sportfunktionär. Ich sage: Nein, ist es nicht. Ein Mensch, der solches Gedankengut von sich gibt, gehört nicht in den Sport, weder in den Basketball, noch Springreiten oder Fußball. Eigentlich gehört er gar nirgendwo hin, außer vielleicht in eine Schule (Achtung, der ist zum nachdenken).

Ein zweiter Fall von (Alltags-)Rassismus geistert derzeit auch noch durch die Medien und sozialen Netzwerke. Fußballer Dani Alves vom FC Barcelona wurde beim Spiel gegen Villarreal mit einer Banane beworfen. Eine Geste, die auch Olli Kahn oft genug erlebt hatte. Alves Reaktion auf diese Beleidigung war allerdings überragend: Er tat etwas für die Gesundheit und aß die Banane auf. Seitdem schicken tausende Sportler und „normale“ User ihren Respekt, indem sie sich selbst mit einer Banane und einem Statement gegen Rassismus fotografieren und auf facebook, Instagram oder twitter posten.

Es ist beruhigend, wie schnell und umfassend die Reaktionen auf die rassistischen Aktionen kommen. Es zeigt, dass die große Mehrheit der Menschen sich dieses Gedankengut nicht zu eigen machen. Leider zeigen sich aber auch, dass es diesen Rassismus immer noch gibt und das Aufklärung und Kampf dagegen weiter nötig sind. Die 2,5 Millionen Dollar Strafe werden Donald Sterling ärgern, ihn aber nicht in den Ruin treiben. Die öffentliche Ächtung wird ihn vermutlich/hoffentlich härter treffen. Den Bananenwerfer von Villarreal wird man wohl nicht finden. Vielleicht empfiehlt ihm dennoch jemand, der den Shitstorm mitbekommt, sich das Obst lieber zur Förderung der Hirnleistung einzuverleiben. Nötig wäre es allemal.