Hammer, danke.

Eigentlich sollte hier ein Text stehen, in dem ich euch mitteile, wie großartig ich es finde, dass sich mit Thomas Hitzlsperger endlich ein, wenn auch ehemaliger, Nationalspieler und Spitzenfußballer aus Deutschland zu seiner Homosexualität bekannt hat. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wann „es“ denn wohl passiert. Und jetzt ist es soweit. Endlich – wie ich schon sagte.

Zwar hat auch „The Hammer“ mit seinem Coming Out gewartet, bis er seine Karriere beendet hatte, trotzdem ist sein Schritt ein großer. Kein Nationalspieler, kein Deutscher Meister vor ihm hat gewagt, der Öffentlichkeit zu erklären, dass er „lieber mit Männern leben möchte.“ Seit Jahren diskutieren Fans, Medien und alle, denen es eigentlich völlig egal sein kann, was wohl mit „dem Ersten“ passieren wird. Wird er mit Schmährufen durch die Stadien der Republik getrieben, von einem virtuellen Shitstorm einmal quer durchs Internet geblasen und von seinen Mitspielern gemobbt? Bekommt er Lob und Anerkennung? Oder passiert einfach gar nichts? Schon allein durch die Fragestellung wird ein immenser Druck auf diejenigen ausgeübt, die es tatsächlich betrifft.

Jetzt ist es also Thomas Hitzlsperger – noch nicht das, was sich Skandalmedien erhofft haben, aber immerhin ein so genannter Star des Fußballs. Und die Reaktionen sind durch die Bank positiv. Ehemalige Kollegen, Medien, Fans, alle zollen dem Ex-Spieler Respekt. Keiner treibt ihn wie die Sau durchs Dorf. Und doch muss jeder seinen Kommentar dazu abgeben. Ob qualifiziert oder nicht, ob gefragt oder ungefragt. Zeitungen, Zeitschriften, das Internet, Radio und Fernsehen, alle bringen „die Story“. Die möglicherweise erste Weltmeisterschaft im Winter und deren extrem durchdachte Vergabe ins Wüstenemirat Quatar gerät in den Hintergrund.

Aber warum eigentlich? Was geht es uns an, ob Thomas Hitzlsperger lieber Fleisch isst oder Blumen? Ob er eine komplette Wohnzimmergarnitur selber bauen kann oder einen Handwerker braucht, um eine Schraube in die Wand zu drehen? Ob er lieber Mädchen mag oder Jungs? Warum müssen wir dieses Thema immer noch diskutieren? Warum überhaupt ansprechen?

Ich beende den Text an dieser Stelle. Ich bin froh, dass Thomas Hitzlsperger den Mut hatte, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Ich hoffe, dass dies vielen weiterhilft, die sich noch nicht trauen, offen dazu zu stehen. Und allen, denen es völlig egal ist, was der Gegenüber, der Arbeitskollege oder ein berühmter Fußballer in seiner Freizeit macht, sei gesagt: weiter so.

Schnauze Simon

Dass ich kein Freund von WDR-Sportchef Steffen Simon bin, dürfte seit einiger Zeit kein Geheimnis mehr sein. Warum ich heute dennoch eine Sendung sah, die ihn als Protagonisten hatte, ist nur dadurch zu erklären, dass der Westdeutsche Rundfunk die neue „Sendung“ nahtlos in die Bundesliga-Berichterstattung einbaute. Kein Wunder, dass der hochbegabte Moderator Gerhard Delling in der Show gehetzt wirkte, ihm fehlten zehn Minuten wertvoller Sendezeit.

So begann also ohne echte Vorwarnung „Schnauze Simon“. Und genau das hätte sich der Sportchef zu Herzen nehmen sollen. Ein Bauchbinden-Laufband zeigte munteres Simon-Bashing aus alten Tweets. Das sollte wohl witzig sein. War es nicht. Und es lenkte ab. Deshalb weiß ich leider nicht, was sonst noch in der Sendung passierte. Zumindest nicht viel.

Aufgefallen ist, dass Steffen Simon sich nach und nach seiner Kleidung entledigte. Da er zu Beginn relativ viel an hatte, blieb bis Sendungsende glücklicherweise noch einiges übrig. Warum der Moderator dann aber im Dormund-Trikot da stand, verstehe ich bislang nicht – vielleicht kann es mir jemand erklären.

Was mir außerdem auffiel, war, dass bei gefühlt sieben der zehn Minuten Sendezeit Pep Guardiola das Thema war. Worum es dabei ging, ist mir völlig entgangen – der Bauchbindenfließtext lenkte einfach zu sehr ab. Gelacht habe ich jedenfalls kein einziges mal. Steffen Simon auch nicht, aber das gehörte vermutlich zum Konzept der „Sendung“.

Ich zahle inzwischen seit einigen Jahren GEZ-Gebühr bzw. seit kurzem diesen Rundfunkbeitrag. Ich mache das zumeist ohne Murren. Aber warum ich für so einen Rotz mein sauer verdientes Geld abgeben muss, entzieht sich meinem Verständnis. Der WDR kündigte an, die neue Sendung sei „pointiert“ und mit „Selbstironie“. Das ist grober Unfug.

Auf Asche – ein Buch für Fußballromantiker

In den letzten Monaten habe ich es nur sehr selten geschafft, tatsächlich zum Spaß ein Buch zu lesen. Zu viel gab es in Sachen Hochschule zu inhalieren, zu oft fehlte danach jegliche Lust auf weiteren literarischen Input. Da die Vorlesungszeit jetzt beendet ist und ich mir ungefähr eine Woche freie Zeit von der Uni gönne (in der ich endlich mal wieder regelmäßig arbeiten kann, aber das ist ein anderes Themengebiet), hatte ich endlich auch mal wieder die Muße ein Buch zu lesen. Ich entschied mich für ein Fußballbuch: „Auf Asche“, Bolzplatzerinnerungen, zusammengetragen von Ben Redelings und Sascha Theisen.

Die beiden jungen Männer haben Freunde, Kollegen und andere Heroen des nonprofessionellen Ballsports zusammengeführt und sie gebeten, ihre Erinnerungen an die größten Zeiten ihrer eigenen Hartplatzkarriere zu erzählen. Herausgekommen ist ein Kleinod für Fußballromantiker. Szenegrößen wie Frank Goosen oder Ronald Reng erzählen, wie sie selbst zum sonntäglichen Morgensport kamen, wie sie inzwischen den Nachwuchs an den Sport heranführen. Michael Pahl erklärt, wie er mit einigen Kumpels als Nationalmannschaft von Tonga den Weg zur Weltmeisterschaft schaffen will und Herausgeber Sascha Theisen selbst beschreibt, warum sich Amateurfußballkarrieren und Beziehungen zum schönen Geschlecht nur schlecht vertragen.

Diese Sammlung von Texten ist ein Traum. Man(n) wird erinnert an die eigene Jugend und beginnt zu überlegen, wie denn der eigene Weg zum Fußball sich vollzog. Und auch wenn ich selbst nie in einem Verein gespielt habe (die Gründe werden vielleicht später einmal offenbart), kann ich jeden einzelnen Text nachvollziehen. Die Romantik der Kreisklasse, das Leiden nach einer durchzechten Nacht auf einem Ascheplatz, eiternde Schürfwunden und der Spaß am Fußball – die Autoren bringen fast jede nur denkbare Nuance des Spiels herüber. Wer dem Sport verfallen ist, wer selbst gespielt hat oder noch spielt, oder wer auch nur gerne gespielt hätte, für den ist dieses Buch genau das richtige. Lesen!

Nicht richtig angeschaut

Es war schon eine großartige Idee, eine Fußball-WM an ein Land zu vergeben, das deutlich weniger Einwohner hat als die Stadt Köln. Dass zudem noch in der angepeilten Zeit in Katar ungefähr fünfzig Grad im Schatten herrschen und nur wenige Zuschauer und vor allem noch viel weniger Fußballer unter diesen Voraussetzungen je Fußball gespielt oder gesehen haben, ist ebenfalls nur bedingt förderlich für eines der größten Sportereignisse der Welt.

Blöd nur, dass gerade dieses kleine, unglaublich heiße Land so unglaublich viel Geld hat. Der wohl entscheidende Grund, warum die FIFA die Weltmeisterschaft 2022 ins Emirat am Golf vergab.  Man könne ja die Stadien ordentlich runter kühlen. So wie auch Busse, Hotels, Flughäfen und die Gemüter derjenigen, die sich nicht vorstellen können und wollen, unter diesen Bedingungen Leistungssport zu betreiben. Das schien die hohen Herren, allen voran FIFA-Präsident Joseph Blatter, überzeugt zu haben

Und jetzt soll doch alles anders kommen. Mit seinem Kumpel Franz Beckenbauer hat der Blatter Sepp jetzt entschieden, dass man diese WM doch gefälligst im Winter stattfinden lassen solle. Der könne immer noch ordentliche Temperaturen aufweisen, würde aber vor allem das Volk schonen, das sich keinen Ventilator unterm Stadionsitz leisten könnte.

„Die WM soll ein Volksfest werden. Katar ist ein kleines Land. Aber wenn es ein Volksfest werden soll, kann man den Fußball nicht im Sommer spielen“, sagte Blatter gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Man kann die Stadien abkühlen, aber man kann nicht das ganze Land abkühlen.“ Man werde es dem Exekutivkomitee nicht nur schmackhaft machen, sondern die entsprechende Entscheidung fällen, versprach Blatter.

Nun ist es nicht so, dass Blatter als lupenreiner Demokrat von sich reden gemacht hätte. Ein solches „Versprechen“ erscheint dann aber doch einmal mehr fragwürdig. Hat die deutsche Bundesliga noch eine Winterpause, die man mit etwas Mühe wohl um ein paar Wochen strecken könnte, geht der Spielbetrieb z.B. in England über den Jahreswechsel weiter. Wo sollte man hier eine Weltmeisterschaft unterbringen?

„Jetzt haben wir noch Zeit genug. Ich werde das beim Exekutivkomitee zur Sprache bringen“, sagte Blatter. Und auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kann sich eine Verlegung vorstellen, wenn auch mit Schwierigkeiten. „Das ist keine so ganz leichte Übung“, sagte er der dpa zu einer Umstellung des Spielplans.

Aber wäre es all der Mühe wert? Muss der Weltverband die Spielpläne unzähliger nationaler Ligen so entscheidend beeinflussen, nur damit ein solches Turnier am Golf stattfinden kann? Sepp Blatter bleibt entspannt. Bei der WM-Vergabe im Jahr 2010 habe man sich die Problematik „nicht richtig angeschaut“.

Wer will das auch erwarten, bei einem Milliardenprojekt wie einer Fußball-Weltmeisterschaft?

Alle gegen den BVB

Das deutsche Fernsehen hat eine neue Schwachsinnigkeit geboren. Oliver Pocher, Reiner Calmund und Winnie Schäfer suchen auf Sat1 ein Team, das gegen den deutschen Vizemeister und erklärten Herzens- und Liebesverein, Borussia Dortmund, antritt. Eine Castingshow der besonderen Art. „Das Duell, alle gegen den BVB„, heißt der Mist.

Am vergangenen Wochenende lief nun die erste Folge. Pocher und Co auf der Suche nach dem Sturm, der gegen Dortmund bestehen soll. Nicht, dass der BVB aktuell nicht genug Probleme mit dem eigenen Angriff hätte, aber das ist eine andere Geschichte. Das Konzept der Sendung besagt: vier Amateure, die sich durch ein vermutlich langes Auswahlverfahren gequält haben, kämpfen um einen Platz im Team der Allstars, oder wie auch immer, zwei bekommen einen Platz. Gleichzeitig bewerben sich zwei „Prominente“ um einen Platz iin der Mannschaft. Im Sturm, der in der ersten Sendung gesucht wurde,  konkurrierte Giovanni Zarrella, ehemaliges Bravozielgruppenband-Mitglied und jetziger Gastronom, mit Olli P., der früher Flugzeuge im Bauch hatte. Heute sieht man das. Außerdem kämpfte Ex-Dschungelkönig und Frühstücksfernseher Peer Kusmagk und Modelscout Thomas Hayo gegeneinander.

Um es vorweg zu nehmen: der Italiener im Feld war der einzige, der in den fußballerischen Tests einigermaßen überzeugen konnte. Der König des Dschungels zeigte, dass er auf freiem Feld schnell den Atem verliert, der Mann mit den Flugzeugen zeigte sich  konditionsmäßig ebenfalls eher als Tiefflieger und auch Heidis Modelfreund machte nicht die beste Figur – aber immer noch besser als die beiden Ausdauerwunder. Folgerichtig schafften es in einer spannenden Verkündungsszene Zarella und Hayo als „Promi-Profis“ ins Team.

Bei den Amateuren, die in dem Fall viel eher das Prädikat professioneller Fußballer verdient gehabt hätten, gab es einen fairen Zweikampf – ohne Show, hier ging es tatsächlich um den Sport. Zwei Sportstudenten traten gegeneinander an, am Ende setzte sich BVB-Fan Kevin durch. Im zweiten Duell besiegte Sportstudent Emmanuel Schuhverkäufer Benny.

Wer sich den Rotz noch einmal ansehen möchte, der kann das hier tun. Ich rate allerdings dringend davon ab. Wer sich wirklich für Fußball interessiert, der möge bitte bis zur neuen Saison warten, oder zumindest bis zur Vorbereitung (oder sich den sagenumwobenen Confederations-Cup geben). Wer einfach Langeweile hat, kann gerne mal eine Stunde länger schlafen, danach schmerzt der Kopf vermutlich nicht so. Und wer überhaupt kein Interesse an Fußball hat, der lässt sich auch nicht vom hippen BVB, dem frischfrisierten Kloppo oder Pocher und Calli locken – was definitiv besser für die Gesundheit ist…

Zudem erinnert das ganze an ein Konzept, dass schon vor einigen Jahren nur mäßigen Erfolg hatte. RTL II suchte damals für „Borussia Banana“ völlig unbegabte Fußballer und sprach von der „ersten Fußball Soap für Frauen“. Damals gab sich „Loddar“ Matthäus für den Quatsch her und ich schrieb einen kurzen Blogeintrag (auf einer inzwischen stillgelegten Plattform) dazu. Wer also noch nicht genug gelitten hat, der mag sich diesen Eintrag aus dem Jahr 2007 gerne noch einmal zu Gemüte führen.

Schutzschwalbe

Als Igor de Camargo im Sommer 2010 für 4 Millionen Euro an den Niederrhein wechselte, hat er sich mit Sicherheit nicht vorstellen können, an einem kalten Wintertag, knapp anderthalb Jahre später, in Berlin als Buhmann der deutschen Fußballnation am Pranger zu stehen. Und doch kam es so. Doch wie konnte das geschehen? Schauen wir zurück.

De Camargo wechselt mit der Erfahrung von knapp 200 Ligaspielen von Belgien nach Mönchengladbach. Er war kein ausgewiesener Torgarant (traf aber immerhin im Schnitt jedes vierte Spiel), aber auch kein körperliches Wrack, das bei jeder Berührung zusammenbricht. Und vor seiner Zeit in Mönchengladbach sah er nie eine rote Karte im professionellen Fußball. Er spielte solide.

Wie konnte dann also aus dem rechtschaffenden Stürmer der „Betrüger“ de Camargo werden? Entführung durch Außerirdische? Hitzeschlag? Spontaner Milcheinschuss?

Eigentlich ist die Lösung ganz einfach. Der Mann gibt auf sich acht. Gerade mal 31 Spiele hat er für die Borussia absolviert. Und das, bei einer Ablösesumme von schon erwähnten 4 Millionen Euro. De Camargo weiß das. Und um nicht erneut auszufallen und seinem Verein damit auch finanziellen Schaden zuzufügen, versucht er sich zu schützen.

In der vergangenen Saison gegen St. Pauli schützte er noch aktiv – wir erinnern uns an das hinterhältige Foul des Hamburgers Matthias Lehmann, bei dem sich de Camargo hernach erkundigte, ob er noch alle Latten am Zaun habe. Dieser quittierte mit grenzdebilem Kopfschütteln nach vorne und brach zusammen. De Camargo musste duschen gehen. Inzwischen versucht er, passiv gegen die Angriffe seiner Feinde vor zu gehen.

Kommt also zum Beispiel ein wild gewordener (Berliner) Verteidiger hemdsärmelig und wutschnaubend auf ihn zu gerannt, muss de Camargo in der Regel fliehen. Im Pokal-Viertelfinale hat das nicht funktioniert. Wie bei einem Reh, das in die Scheinwerfer der heran nahenden LKW starrt, verharrte der Stürmer wartend.

Erst als der Verteidiger nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt war, fand er seine Bewegungsfähigkeit wieder. Zum weglaufen viel zu spät. Es blieb nur noch eine Lösung. Sofortiges Eingraben im Strafraum. Das wiederum scheiterte an den grausigen Berliner Temperaturen und Bodenverhältnissen – der FC Bayern wäre auf so einem Acker nicht angetreten und auch der BVB hätte sich geweigert auf zu laufen.

Und so konnte de Camargo nur noch dahinsinken, wie vom Blitz getroffen. Schutzhand gibt es nicht, aber das hier war eine Schutzschwalbe. Und wenn man die Bilder noch einmal ganz genau betrachtet, dann sieht man, dass selbst diese Aktion sinnlos war. Der Verteidiger hatte de Camargo schon erwischt. Hinterhältig wie dereinst Jermaine Jones trat er dem Stürmer auf den Fuß. Die Schutzschwalbe hatte versagt.

Wollen wir hoffen, dass es de Camargo gut geht und er sich bei der Aktion nicht noch eine Prellung am Steißbein zugezogen hat – bei dem Boden…eine Schutzschwalbe macht eben noch keinen Sommer.

Abbitte

Ich kann mich kaum erinnern, dass mir mein Fußballverein Saisonübergreifend in so vielen Spielen nacheinander soviel Freude gemacht hat. War es Ende der vergangenen Spielzeit noch die reine Spannung und die Dramatik, die nach dem guten Ausgang die größte Freude verursachte, so ist es jetzt die offensichtliche Freude der Mannschaft am Spiel.

Was habe ich geflucht, dass Lucien Favre Michael Frontzeck auf dem Trainerposten ablöste. Ich wollte das nicht. Ich wäre mit Frontzeck vermutlich in die zweite Liga gegangen. Vor allem, wenn die Alternative der für mich seinerzeit langweiligste Trainer der Welt ist. Was für ein Glück, dass ich keine Ahnung von Fußball habe. Favre rettete meinen Verein zuerst vor dem Abstieg und hat ihm für die neue Saison eine Idee mitgegeben. Das Team ist ein Team. Zusammengeschweißt im Abstiegskampf – und jetzt mit der Bereitschaft für den Mitspieler zu laufen, zu ackern – aber auch mit ihm zu spielen.

Selten hat mich mein Verein mit seiner Spielfreude so überzeugt, wie beim heutigen Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Und Trainer Favre bemüht sich am Ende, zu loben, aber niemanden abheben zu lassen. Der kleine Mann sieht in seinem Anzug fast verloren aus, zwischen Sky-Moderator und Borussen-Rakete Reus findet man ihn kaum. Und doch glänzt seine Aura durch. Durch die Interviews nach dem Spiel, vor allem aber durch das Spiel selbst.

Sein Team hat ihn verstanden – und es läuft. Ich muss mich für mein Unwissen bei Trainer Favre entschuldigen. Zwar ist er immer noch nicht die große Stimmungskanone. Allerdings hat er mit seiner besonnenen Art dafür gesorgt, dass ich Freude habe, wenn ich mein Team sehe. Diese Jungs spielen Fußball – und sie scheinen gerne zu spielen. Es ist Zeit, Abbitte zu leisten: Vielen Dank dafür, Lucien Favre!