Der Abschluss

Sonntag, letzter Ring-Tag. Und der startete für mich mit einer Reise in die Vergangenheit. Bad Religion standen auf der Bühne. Und es war, als wären sie nie weg gewesen aus meinem Leben. Die Texte saßen noch, auch wenn sowohl an mir, als auch an den Jungs die Jahre nicht spurlos vorbei gegangen sind. Es war ein Fest.

Und das, obwohl sich auch zwei gute Bekannte aus vergangenen Ring-Tagen wieder eingeschlichen hatten: Regen und Nebel. Die Jungs hatten sich auf dem kompletten Gelände mal so richtig breit gemacht, es war kein Entkommen. Der Stimmung schadete das allerdings nicht. Ring-Wetter gehört ja irgendwie dazu.

Ein bisschen Arbeit gehörte natürlich auch dazu. Und so nahmen wir uns vor, ein Drei-Gänge-Menu auf dem Festivalgelände zu testen. Dabei stellte sich die Vorspeise als das größte Problem heraus. Salat, Suppe, die klassischen Vorspeisen finden sich bei einem Festival aus verständlichen Gründen eher nicht. Insofern definierten wir einen gebackenen Hefeklops mit Käsefüllung und Sauerrahm zu einer leichten Teigspeise. Die Vorspeise war gerettet. Weiter ging´s beim Jugoslawischen Grill – der aus Ungarn kam. Hier gab es dann auf einmal Salat, im Fladenbrot, mit Putenbrust. Gesund und lecker, blöderweise kalt. Aber was soll´s? Hauptspeise gebongt. Der Gourmet von Welt sucht dann natürlich keinen Nachtisch, sondern ein Dessert. Und das gab´s auch. Wir enterten den Crèpes-Stand. Aufgabe gelöst. Und das für 14 Euro. Gar nicht mal soooo teuer, wenn man bedenkt, dass auf Festivals gerne mal der ein oder andere Euro aufgeschlagen wird. Gut, Getränke gab´s nicht, Geschirr auch nicht. Aber Servietten – aus Papier.

Musik gab´s dann auch noch. Kraftklub, Sportfreunde Stiller und Green Day. Und die Sportfreunde setzten das showtechnische Highlight des Tages: Den Abschluss des Konzerts spielten sie AUF der Bühne. Hoch oben auf dem Boxentrum, mitten im Nebel. Großartig.

Bleibt noch, ein Fazit zu ziehen: Rock am Ring ist immer noch etwas besonderes. Drei Tage (im kommenden Jahr vermutlich sogar vier) Party und Musik. Rock ist dabei kein Muss mehr, aber 70-80% der Bands machen immer noch Musik mit vielen Gitarren. Man muss es einfach mal erlebt haben.

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Überraschung

„Ich freue mich über die ein oder andere Begegnung“ schrieb ich zum Abschluss des gestrigen bzw. zur Aussicht auf den heutigen Tag. Die erste Begegnung, die ich machte, war die mit meiner Dämlichkeit. Pünktlich zu Papa Roach, so war die Planung, wollten wir wieder am Ring sein. Waren wir auch. Problem: einer von den beiden Vorzeigejournalisten im Fahrzeug hatte seine Plastik-Akkreditierungen im trauten Heim liegen gelassen. Trottel. Also, ich. Blieb nur, den Kollegen abzusetzen, um ihm nicht auch den halben Tag zu versauen und das Fahrzeug zu wenden, um ihm die Sporen in Richtung Heimat zu geben. Geschwindigkeitesbeschränkungen sind Vorschläge, mehr nicht.

Fuhr ich noch im strahlenden Sonnenschein los, so erwischte mich doch schon auf der Rückfahrt der Regen, mit ihm Blitz und Donner. Eines der angekündigten Gewitter. Es sollte nicht das letzte werden, das meinen Weg kreuzte. Mit den Plastikkärtchen zurück am Ort des Rocks erfreute ich mich zunächst des Parkplatzes gegenüber des Eingangs. An jenem angekommen, begegnete mir allerdings erneut eines dieser Gewitter. Es sorgte dafür, dass ich nicht auf das Gelände kam. „Hier kein Eingang, die Brücke ist wegen des Gewitters gesperrt.“ Der höchste Punkt der Strecke und so…

Irgendwann klappte es dann aber doch. Und dann kam es sogar noch zu einer angenehmen Begegnung. Und einer überraschenden. Eigentlich sollte die Britin Kate Nash ein Konzert auf der Clubstage spielen, jedoch es kam anders. Nicht die eine Dame trat auf, sondern fünf Herren aus Berlin. Die Beatsteaks gaben ein Geheim- und Überraschungskonzert.

Den krönenden Abschluss bildete dann der Auftritt von The Prodigy. Eine solche Energie hatte bislang noch keine Band auf die Bühne und damit auch ins Publikum gebracht. Der Platz vor der Centerstage war komplett voll und in Bewegung. Vom ersten bis zum letzten Ton stand niemand still. Großartig.

Der Sonntag verspricht vor allem eins: echtes Ringwetter. Grau und nass soll es werden. Aber das kennt man ja schon.

Geile Kamera

Rock am Ring 2013. Eigentlich sollte es an dieser Stelle einen Otto Normal Blogpost zum ersten Tag des diesjährigen Ringrockfestivals geben. Allein, diverse Begebenheiten sorgten dafür, dass es etwas anders kam. Doch der Reihe nach:

Da ich auch in diesem Jahr wieder zum arbeiten, sprich: in erster Linie zum fotografieren, am Ring bin, trage ich in der Regel meine Kamera bei mir. Da diese keine Kompakt-, sondern eine Spiegelreflex mit recht ansehnlichem Objektiv ist, fällt sie auf. Und sie provoziert offenbar die tollsten Kommentare. Mehrfach hörte ich: „Geile Kamera!“ einmal auch mit dem Zusatz: „Canon is viel bessa als Nikon!“ Das stimmt natürlich, allerdings machten sich die Bemerkenden zuvor nicht die Mühe, die Kamera zu begutachten, sie postulierten im Vorbeigehen. Naja, ich vertraue der Expertise.

Ein besonders interessanter Vorfall war aber der folgende. Ein junger Herr mit halber Feuerwehruniform (Verkleidung hoffe ich, das einzige was der gute Mann in den vergangenen Stunden gelöscht hatte, war wohl sein Durst – ich hoffe, es ist dabei geblieben) kreuzte meinen Weg und bat mich: „Ey, du hast so ne geile Kamera, lass uns doch mal ein Foto zusammen machen“ Nun, die Logik erschloss sich mir leider nicht sofort. Ich fragte nach, was denn der Nutzen dessen sei. „Na, dann haste ein Foto von uns beiden.“ Bumms, das hatte gesessen und ich seinen massigen Arm um meine Schultern. Den Einwand, ich hätte zu kurze Arme um ihn und mich mit dem Teleobjektiv selber aufzunehmen, ließ er nicht gelten. „Das klappt schon.“

Tat es nicht. Auch als ich die Kamera meinem mich begleitenden Kollegen in die Hand drückte und ihn bat, ein Foto zu schießen, scheiterte der Versuch. Die Kamera weigerte sich schlichtweg. Technikpanne zum richtigen Zeitpunkt. Das verdross meinen neuen Freund allerdings nicht: „Na, dann eben nich. Schüss.“ Als der Kollege mich fragend ansah und wissen wollte, wer der junge Mann gewesen sei, blieb ich eine Antwort schuldig. Gezwungenermaßen.

Heute geht es weiter. Ich freue mich schon jetzt auf die ein oder andere spannende Begegnung. Gerne auch wieder mit dem feinen Herrn Leto von den 30 seconds to mars, der unser schönes Land für sein Brot lobte. Da könnten sich die Franzosen hinter verstecken, meinte er. Oder Herrn Beeck vom Radio, der sich trotz erlittener Fleischwunden am Fuß in seine Chucks gequetscht hatte und mit mehreren anderen Menschen gehörig feierte…

Tss …

Heute war ein guter Tag. Zumindest für ein paar Stunden. Dann ging die ganze Geschichte aber auch ganz steil bergab. Aber der Reihe nach: wach geworden nach relativ ordentlichem Schlaf, Sonne, Auftrag in Hennef vor der Brust, besser als in der Redaktion zu hocken und Mist zu recherchieren. Ich fahre also in die Schule, aus der ich über die Weinberg-AG berichten soll. Die hat im Augenblick nur Mitglieder aus der achten Klasse.

In Hennef angekommen staune ich erstmal. Geiles Gelände für ne Schule, riesig groß, 15 Jahre alt. Cooler Lernort für 1300 Schüler. In meinem ehemaligen Bunker hatten 1700 Schüler Platz – mehr oder weniger, mehr weniger. Aber hier ist alles groß und weitläufig. Und die Schule hat einen eigenen Weinberg! Da angekommen werde ich von den 10 Schülerinnen und Schülern erstaunlich offen begrüßt und Angst vor dem Mikro hat offensichtlich auch niemand. Alles läuft wie am Schnürchen.

Doch dann kam der eine Satz, die alles entscheidende Frage: „Her Der X, wie alt sind sie eigentlich?“. Völlig Blöde Frage. Weiß ich selber nicht, interessiert mich auch nicht und überhaupt, was tut das zur Sache? „Also schon über 50.“ BÄM! Da steht sie, die Feststellung. In Stein gemeißelt. Über 50, Alta!

Ich beginne einen mittleren Aufstand zu initiieren, echauffiere mich bis zum dorthinaus. Betreffende Schülerin, inzwischen sooo klein mit Hut, versucht zu beschwichtigen: „Ok, dann aber auf jeden Fall über 40.“ Viiiiiieeerzig??? Blödes Mistblag! Einer weiteren Hasstirade meinerseits folgt nur noch ein kleinlautes: „Ja, ich dachte ja nur, weil meine Eltern halt auch immer sagen, dass sie aufgehört hätten zu zählen.“

Aber ganz im Ernst, jetzt ist es eh zu spät. Zu allem Überfluss streikt inzwischen auch das Aufnahmegerät. Aber das geschieht den kleinen Terroristen hier recht. Ich werde einen fürchterlichen Beitrag bauen, sie werden bluten für ihre Unverfrorenheit. Die geschenkte Flasche Schulwein wird auf der Doppelnull ein unrühmliches Ende finden. Und dass sich bei ihrer blöden Weinpanscherei eine Wespe mit in einen der Kanister geschlichen hat, das werd ich ihnen auch nicht erzählen. Sollen sie doch dran verrecken.

50, ……. tss ….

Kreativität ist Arbeit

Kreativität lernen. Was für ein Blödsinn. Wie soll denn sowas gehen?

So oder so ähnlich waren meine Gedanken, als heute morgen der Wecker rappelte. Ein Workshop mit einem renommierten Radiomacher stand auf dem Programm. Und ich hatte keine Lust. Die ganze Woche gearbeitet, viel zu wenig geschlafen und dann auch noch den kompletten Sonntag den Kopf anstrengen, anstatt ihn einfach von schnellen, im Kreis fahrenden Autos am Nürburgring berieseln zu lassen? Na, schönen Dank auch.

Aber wie so oft kam alles anders. Der Radiomacher war ein echt netter Kerl und der Workshop war zum Teil extrem komisch. Und lehrreich. Denn Kreativität ist in gewisser Weise Handwerk. Und Handwerk kann man lernen. Wir lernten Techniken, von denen wir auf den ersten Blick nicht dachten, dass sie irgend etwas bringen würden. Am Ende waren nahezu alle begeistert. Brainstorming is out – brain writing is in.

Es hat Spaß gemacht, Erfolge zu sehen. Zu sehen, mit welch kleinen Tricks man die eigenen grauen Zellen wieder ans Laufen bekommen kann. Es hat Spaß gemacht, mit den Kollegen, zum Teil Freunden, total abgedrehte Ideen zu entwickeln. Wer von uns hat schon in letzter Zeit darüber nachgedacht, wie man einen simplen Einkaufswagen revolutionieren könnte? Oder wie gut man sich mit einer Büroklammer in den Ohren bohren kann?

Ob ich die neu gelernten Methoden in der täglichen Redaktionsarbeit gebrauchen kann, das wage ich noch zu bezweifeln. Zu festgefahren sind vermutlich da die Strukturen. Und doch tut es gut zu wissen, dass es andere Möglichkeiten gibt. Kreativität ist Arbeit – und eine Menge Spaß.