Kunst!Rasen 2017

Die neue Kunst!Rasen-Saison ist gestartet. Drei Konzert in drei Tagen: Passenger, Brings und die 257ers. Ich durfte einmal mehr ein paar Fotos schießen. Hier ist eine kleine Auswahl:

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Der Rock ist zurück am Ring

© Sebastian Derix

Paukenschlag am Montagmittag: Rock am Ring kehrt mit sofortiger Wirkung zurück an den Nürburgring. Das teilten die Veranstalter mit. Der Wechsel zurück an den alten Standort des Festivals sei unausweichlich, heißt es in einer Erklärung. Wirtschaftlich sei die ehemals neue Spielstätte, der Flugplatz in Mendig, nicht mehr haltbar. Trotz Rekordbesucherzahlen könne man ständig wachsende Auflagen in Sachen Umweltschutz nicht finanzieren, so Marek Lieberberg. Es wären Investitionen in Millionenhöhe notwendig, um das Festival in Mendig weiter genehmigt bekommen zu können. Das sei nicht machbar.

Gleichzeitig bedankte sich der Veranstalter bei der Verbandsgemeinde Mendig. Die Verantwortlichen hätten alles getan, um dem Festival eine neue Heimat zu geben. Auch die Anwohner, insbesondere die Landwirte, die Parkflächen zur Verfügung gestellt hätten, treffe keine Schuld. Vielmehr seien die bereit gewesen, ihr Engagement sogar noch auszuweiten.

Die Rückkehr an den Ursprungsort sei verbunden mit klaren Auflagen, die man erfüllen könne, so Lieberberg. Durch den Umzug werde das größte deutsche Festival zukunftsfähig gemacht. Nach dem großen Knall und der Trennung hätten sich die aktuellen Betreiber glaubwürdig um eine Rückkehr bemüht. Auch die jetzt ausgemachten Bedingungen seien für beide Seiten annehmbar.

So kehrt also Rock am Ring zurück an die traditionsreiche Rennstrecke in der Eifel. Verbunden damit wird sicher nicht nur von Seiten der Veranstalter der Wunsch, nach zwei (vor allem durch widriges Wetter) doch eher chaotischen Ausgaben wieder zum Kerngeschäft Festival zurückkehren zu können. Rock am Ring ist wieder zuhause.

 

Zurück zum Ring?

© Sebastian Derix

Spekuliert wird schon lange, eigentlich schon, seitdem die Vertragsverhandlungen zwischen Veranstalter Marek Lieberberg und den Eigentümern des Nürburgrings gescheitert waren. Jetzt scheint eine Rückkehr des Rock am Ring-Festivals an die Rennstrecke in der Eifel konkreter denn je zu werden. Laut Koblenzer Rhein-Zeitung will der neue Eigentümer alles dafür tun, dass Rock am Ring im kommenden Jahr zurück in die Heimat kommt. „Wir wollen Rock am Ring unbedingt zurück haben“, sagte demnach Nürburgring-Geschäftsführer Mirco Markfort.

Und das so schnell wie möglich. Nach Medienberichten müsse die Entscheidung über eine Rückkehr noch in diesem Monat fallen – wegen der langfristigen Planungen der Rennstrecke. Nach zwei völlig missratenen Ausgaben des Festival ins Mendig mit Blitzeinschlägen und zusammen mehr als 100 Verletzten dürfte die Liebe zum „Field of Rock“, wie es Lieberberg einst bei der Verkündung des Wechsels nannte, ziemlich erloschen sein. Zudem hatten die Behören in Mendig den Veranstalter in diesem Jahr angewiesen, das Festival zu beenden – Lieberberg hält das bis heute für eine falsche Entscheidung.

„Ganz sicher weiß Herr Lieberberg, was er am Nürburgring hat, was er hier in 29 Jahren zusammen mit dem Nürburgring geschaffen hat“, sagte Nürburgring-Sprecher Uwe Baldes. Allerdings wisse man auch, dass Lieberberg in Mendig einen Vertrag bis 2019 habe. Sollten sich da die Dinge ändern, stehe man aber bereit. „Wir haben die Voraussetzungen, die man zur Durchführung eines Musikfestivals benötigt. Wenn es eine Möglichkeit gibt, Rock am Ring zurück zu holen, wäre das perfekt.“

Und Baldes bestätigt auch Gespräche zwischen dem Veranstalter und den Verantwortlichen am Ring: „Aktuell werden die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausgelotet. Schauen wir mal, was die nächsten Wochen bringen“, ergänzt er vielsagend. Eine Deadline Ende Juli wollte Baldes aber nicht bestätigen. Und dennoch: „Wenn wir Rock am Ring einplanen sollen, können oder besser dürfen, dann müssen wir das relativ frühzeitig tun. Der Terminplan für das kommende Jahr ist schon in Arbeit, das ist ein großes Puzzle. Von daher gibt es da sicher schon zeitliche Vorgaben.“

Eine zeitnahe Entscheidung ist also wahrscheinlich. Dass Lieberberg noch einmal in Mendig veranstaltet, scheint so gut wie ausgeschlossen – Vertrag hin oder her. Dass er sich einen anderen Ort als den Nürburgring aussucht, sollte er wechseln, dürfte ebenfalls mehr als unwahrscheinlich sein. Die Verantwortlichen am Ring, von denen er sich im Streit getrennt hatte, sind längst nicht mehr da. „Der Verkauf des Nürburgrings ist abgeschlossen, d.h. wir haben hier eine stabile und sichere Zukunft“, wirbt Uwe Baldes noch einmal.

Eine Woche danach

© Sebastian Derix

Vor genau einer Woche sitzen wir völlig durchnässt im Auto und fahren von Mendig aus wieder in Richtung Bonn. Nach einem kurzen Abstecher zu Rock am Ring, der mit einem Unwetter mit auf dem Festivalgelände einschlagenden Blitzen vorerst zu Ende gegangen war, ist uns noch nicht bewusst, wie viel Glück wir einmal mehr hatten. Nachdem ein ähnliches Unwetter auch im vergangenen Jahr den Freitag beendet und für mehr als 30 Verletzte gesorgt hatte, konnte man allerdings schon ahnen, dass auch in diesem Jahr nicht alle mit heiler Haut davon gekommen sein können.

Nach und nach trudelten die Zahlen ein. Offiziell sind es zunächst acht, später knapp 50, am Ende gar mehr als 70 Verletzte. Mehrere von ihnen mussten reanimiert werden. Ein Besucher liegt auch heute noch auf der Intensivstation, berichtet die Rhein Zeitung aus Koblenz. Sein Zustand sei weiter kritisch, sagte Veranstalter Marek Lieberberg der Zeitung.

Gleichzeitig erheben immer mehr Menschen zum Teil schwere Vorwürfe gegen Lieberberg. Er habe das Festival zu spät unter- und abgebrochen. Der Veranstalter wehrt sich: Sobald die Anweisung von den Behörden gekommen sei, das Konzert zu beenden, habe er dem Folge geleistet – auch wenn er es bis heute für die falsche Entscheidung hält.

Fakt ist: Ein Gewitter, noch dazu ein solches, kann niemand punktgenau vorhersagen, vor allem nicht Stunden im Voraus. Laut dem Meteorologen Jörg Kachelmann hatte sein Kollege vor Ort den Veranstalter um kurz nach halb acht vor dem aufziehenden Unwetter gewarnt. Das Konzert von Tenacious D sollte um 19.50 Uhr starten. Das tat es nicht, stattdessen kamen die Durchsagen, dass die Besucher das Gelände verlassen und sich in Sicherheit bringen sollen.

Dass der Weg zum Auto durch die Matschwüste zum Spießrutenlaufen würde, war kurz danach abzusehen, als das Gewitter los brach. Blitze und Donner gleichzeitig. Regen, der einen Weltenbrand hätte löschen können. Innerhalb einer Minute gab es keine trockene Stelle mehr an meinem Körper – und ich habe viel Körper. Ich persönlich glaube nicht, dass das Festival zu spät abgebrochen wurde. Vielmehr hätte man es vermutlich gar nicht erst starten sollen. Spätestens seit Mittwoch war klar, dass sich an der (Un-)Wetterlage bis zum Wochenende nicht viel ändern würde. Das Gelände versank im Schlamm, Autos blieben stecken.

Natürlich wären die Fans sauer gewesen, natürlich wäre der finanzielle Schaden immens gewesen. Aber es wären nicht über 70 Besucher verletzt worden. Es war das zweite Mal bei seiner zweiten Auflage in Mendig, dass Rock am Ring unter keinem guten Stern stand. Sicher, das waren beides Extremwetterlagen, die niemand vorhersehen kann. Aber vielleicht ist diese riesige ebene Fläche des Flugplatzes einfach doch nicht geeignet für ein Festival dieser Art und Größe. Vielleicht bietet sie zuviel Angriffsfläche für und zu wenig Schutz vor Wetter jeder Art. Marek Lieberberg wird sich seine Gedanken machen.

Basketball macht wieder Spaß

© Sebastian Derix

Es war eine harte Woche, die die Telekom Baskets auszuhalten hatten. Zum einen fielen mit Dirk Mädrich und Geno Lawrence gleich zwei Stammkräfte für das Spiel gegen Hagen aus. Zum anderen blies der neue Coach in den Übungseinheiten unter der Woche mächtig zum Angriff. „Glückwunsch an meine Mannschaft. Sie musste eine sehr intensive Trainingswoche aushalten“, konstatierte Silvano Poropat dann auch nach dem Spiel. „Aber es hat sich gelohnt. Im Angriff haben wir sehr ausgeglichen gespielt, und auch die Verteidigung ist deutlich besser geworden.“

Dabei geholfen hat sicher die Rückkehr des Verteidigungsministers auf den Hardtberg: Andrej Mangold stand erstmals seit mehr als zwei Monaten wieder im Team – und gleich in der Starting Five. Dazu kam, bedingt durch den Ausfall von Geno Lawrence, ein Langston Hall, der vermutlich sein bisher bestes Spiel im Baskets-Dress ablieferte. Über die Qualitäten von Tadas Klimavicius ist vieles bekannt. Gegen Hagen machte er zudem noch mit sechs Assists von sich reden.

Zum (emotionalen) Kopf der Mannschaft entwickelt sich aber immer mehr Sean Marshall. 21 Punkte, und je sechs Rebounds und Assists standen bei Spielende für ihn im Scoutingbogen. Nachdem er es war, der in Gießen einen Großteil der Fanschelte abbekam, war es eine starke Geste, dass die Anhänger ihn gestern bei seiner letzten Auswechslung mit Sprechchören feierten.

Alles in allem war es eine geschlossene Leistung aller im Telekom Dome. Die Baskets zeigten Einsatz und Kampf und brachten dadurch Spaß und Freude zurück auf die Ränge. Das Publikum nahm die Vorlage dankbar an. Auch wenn weiter viel Arbeit bleibt, so war dies ein guter Anfang. Basketball im Telekom Dome hat wieder Spaß gemacht. Der #BasketsSpirit scheint zurück zu sein. Jetzt gilt es, die positive Stimmung mit in die nächsten Spiele zu tragen. Coach Poropat ist sicher, dass sich seine Mannschaft „weiter verbessert und sich dann auch gegen die Top-Teams der Liga teuer verkauft.“

Druck auf dem Kessel

© Sebastian Derix

Es gibt glücklichere Momente, in denen der Spielplan der BekoBBL bzw. der Kalender ein Karnevalsspiel in Bonn vorsehen könnten. In der derzeitigen Situation kann jegliche Ablenkung von der harten Arbeit nur schädlich sein. Die Konzentration in einem Dome voller Pappnasen kann nur leiden, gerade dann, wenn sie eigentlich eh schon nur am seidenen Faden hängt. „Die anderen haben doch das gleiche Problem“, wehrt Coach Carsten Pohl ab. Und hält doch nicht damit hinter dem Berg, dass er sich ein „normales“ Spiel im Augenblick eher wünschen würde.

Der Druck, der auf den Telekom Baskets lastet, ist riesig. Nach der miserablen zweiten Halbzeit in Bremerhaven und dem verlorenen direkten Vergleich steht das Abstiegswasser den Bonnern bis zum Hals. Im Laufe der Trainingswoche wurde allerdings offenbar eine Reihe von Strohhalmen verteilt. Der Druck auf dem Kessel im Team  brach sich das ein oder andere Mal Bahn und entwich – will sagen, es gab einmal mehr eine Team-interne Aussprache nach dem Training. Die Ansprache in der Mannschaft scheint deutlicher geworden zu sein. Probleme werden jetzt auch offen thematisiert.

„Es hat sich etwas getan nach dem Bremerhaven-Spiel“, sagt Coach Pohl. Offenbar scheint das Team verstanden zu haben, um was es geht – dass ein ganzer Verein daran hängt, sollte das unsägliche passieren und die Baskets den Weg in die zweite Liga antreten müssen. „Wenn die Jungs so spielen, wie sie es im Training gezeigt haben, dann wird das schlecht für Göttingen sein“, ist der Cheftrainer überzeugt. Die Pace aber für 40 Minuten aufs Parkett zu bringen, genau daran hat es in den vergangenen Wochen oft gehapert.

Nicht mithelfen wird am Samstag Langston Hall. Der Amerikaner flog für einige Tage in die Heimat, um bei der Beerdigung eines seiner besten Freunde dabei zu sein. Der 23-jährige Jibri Bryan, mit Hall zusammen auf dem College, war vor zwei Tagen in seinem Auto erschossen worden. Die Hintergründe sind noch unklar.

Gute Nachrichten gibt es dagegen von Tadas Klimavicius. Der litauische Center steht kurz vor seinem Comeback. Klimavicius trainiert seit Dienstag wieder mit der Mannschaft. Ob er allerdings schon am Samstagabend wieder eingesetzt wird, werde sich kurzfristig entscheiden, so Coach Pohl. Wer dann seinen Ausländerplatz im Kader räumen müsste, ist demnach auch noch nicht geklärt. Es gebe verschiedene Möglichkeiten.

Klar ist dagegen, dass die Baskets in diesem Jahr nicht am Bonner Rosenmontagszug teilnehmen werden. Nach zwei Jahren auf dem eigenen Wagen fallen die Karnevalsaktivitäten des Teams in diesem Jahr weitestgehend ins Wasser – und das ist nicht dem Wetter geschuldet. Stattdessen werde man nach einem freien Sonntag an Rosenmontag ganz normal trainieren, zweimal am Tag, vermeldet der Trainer.

 

Absolute Dominanz, totale Begeisterung – und die Telekom Baskets

© Sebastian Derix

Es war die absolute Dominanz: Eine überragende Verteidigungsleistung, Teamplay, erfolgreiche Spielzüge und ein Erfolg, den so niemand erwarten konnte. Die junge deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gekämpft. Hat zusammengestanden bis zu Schluss. Hat sich nach der Niederlage gegen Spanien im ersten Spiel zusammen gerissen. Hat alle Verletzungen weggesteckt und neue Spieler integriert. Sie hat das Publikum begeistert und mitgerissen.

Bei Angelique Kerber war es ähnlich. Im ersten Spiel bei den Australian Open stand sie schon am Abgrund, musste einen Matchball abwehren. Sie kämpfte sich aber zurück ins Spiel und erst recht ins Turnier. Ihren Weg ins Finale pflasterte zum Beispiel die Bonnerin Annika Beck. Im Endspiel stand dann die übermächtige Serena Williams. Und musste sich der nie aufgebenden Kerber geschlagen geben. Niedergekämpft und -gespielt. Die Tennisfans auf der ganzen Welt waren begeistert.

All das haben die Telekom Baskets einmal mehr vermissen lassen. Einer ordentlichen ersten Halbzeit mit verbesserter Verteidigung folgte in Bremerhaven einmal mehr der totale Einbruch in Hälfte zwei. Das heiße Händchen aus den ersten zwanzig Minuten hatte eine kalte Dusche genommen, nichts funktionierte mehr. Das Team fiel völlig auseinander, kein einziger Spieler kam mehr auf Normalform.

„Bremerhaven hat einen super Job gemacht und verdient gewonnen, da sie mehr Einsatz gezeigt haben als wir. Wir haben nach einer guten ersten Halbzeit völlig den Faden verloren. Bei uns sind quasi alle Dämme gebrochen“, meinte Coach Carsten Pohl nach dem Spiel. Mehr Einsatz hatte Bremerhaven also gezeigt. Was aber muss ein Team machen, bei dem es spielerisch nicht läuft, das sich im Strudel einer Negativserie befindet? Was kann der geneigte Anhänger verlangen, wenn nicht Einsatz, Kampf und Leidenschaft?

Es wird Zeit, den Abstiegskampf anzunehmen. Kratzen, beißen und spucken ist angesagt, sonst gehen auf dem Hardtberg mit etwas Pech schon bald die erstklassigen Lichter aus. Das kann niemand wollen.