Druck auf dem Kessel

© Sebastian Derix

Es gibt glücklichere Momente, in denen der Spielplan der BekoBBL bzw. der Kalender ein Karnevalsspiel in Bonn vorsehen könnten. In der derzeitigen Situation kann jegliche Ablenkung von der harten Arbeit nur schädlich sein. Die Konzentration in einem Dome voller Pappnasen kann nur leiden, gerade dann, wenn sie eigentlich eh schon nur am seidenen Faden hängt. „Die anderen haben doch das gleiche Problem“, wehrt Coach Carsten Pohl ab. Und hält doch nicht damit hinter dem Berg, dass er sich ein „normales“ Spiel im Augenblick eher wünschen würde.

Der Druck, der auf den Telekom Baskets lastet, ist riesig. Nach der miserablen zweiten Halbzeit in Bremerhaven und dem verlorenen direkten Vergleich steht das Abstiegswasser den Bonnern bis zum Hals. Im Laufe der Trainingswoche wurde allerdings offenbar eine Reihe von Strohhalmen verteilt. Der Druck auf dem Kessel im Team  brach sich das ein oder andere Mal Bahn und entwich – will sagen, es gab einmal mehr eine Team-interne Aussprache nach dem Training. Die Ansprache in der Mannschaft scheint deutlicher geworden zu sein. Probleme werden jetzt auch offen thematisiert.

„Es hat sich etwas getan nach dem Bremerhaven-Spiel“, sagt Coach Pohl. Offenbar scheint das Team verstanden zu haben, um was es geht – dass ein ganzer Verein daran hängt, sollte das unsägliche passieren und die Baskets den Weg in die zweite Liga antreten müssen. „Wenn die Jungs so spielen, wie sie es im Training gezeigt haben, dann wird das schlecht für Göttingen sein“, ist der Cheftrainer überzeugt. Die Pace aber für 40 Minuten aufs Parkett zu bringen, genau daran hat es in den vergangenen Wochen oft gehapert.

Nicht mithelfen wird am Samstag Langston Hall. Der Amerikaner flog für einige Tage in die Heimat, um bei der Beerdigung eines seiner besten Freunde dabei zu sein. Der 23-jährige Jibri Bryan, mit Hall zusammen auf dem College, war vor zwei Tagen in seinem Auto erschossen worden. Die Hintergründe sind noch unklar.

Gute Nachrichten gibt es dagegen von Tadas Klimavicius. Der litauische Center steht kurz vor seinem Comeback. Klimavicius trainiert seit Dienstag wieder mit der Mannschaft. Ob er allerdings schon am Samstagabend wieder eingesetzt wird, werde sich kurzfristig entscheiden, so Coach Pohl. Wer dann seinen Ausländerplatz im Kader räumen müsste, ist demnach auch noch nicht geklärt. Es gebe verschiedene Möglichkeiten.

Klar ist dagegen, dass die Baskets in diesem Jahr nicht am Bonner Rosenmontagszug teilnehmen werden. Nach zwei Jahren auf dem eigenen Wagen fallen die Karnevalsaktivitäten des Teams in diesem Jahr weitestgehend ins Wasser – und das ist nicht dem Wetter geschuldet. Stattdessen werde man nach einem freien Sonntag an Rosenmontag ganz normal trainieren, zweimal am Tag, vermeldet der Trainer.

 

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Absolute Dominanz, totale Begeisterung – und die Telekom Baskets

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Es war die absolute Dominanz: Eine überragende Verteidigungsleistung, Teamplay, erfolgreiche Spielzüge und ein Erfolg, den so niemand erwarten konnte. Die junge deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gekämpft. Hat zusammengestanden bis zu Schluss. Hat sich nach der Niederlage gegen Spanien im ersten Spiel zusammen gerissen. Hat alle Verletzungen weggesteckt und neue Spieler integriert. Sie hat das Publikum begeistert und mitgerissen.

Bei Angelique Kerber war es ähnlich. Im ersten Spiel bei den Australian Open stand sie schon am Abgrund, musste einen Matchball abwehren. Sie kämpfte sich aber zurück ins Spiel und erst recht ins Turnier. Ihren Weg ins Finale pflasterte zum Beispiel die Bonnerin Annika Beck. Im Endspiel stand dann die übermächtige Serena Williams. Und musste sich der nie aufgebenden Kerber geschlagen geben. Niedergekämpft und -gespielt. Die Tennisfans auf der ganzen Welt waren begeistert.

All das haben die Telekom Baskets einmal mehr vermissen lassen. Einer ordentlichen ersten Halbzeit mit verbesserter Verteidigung folgte in Bremerhaven einmal mehr der totale Einbruch in Hälfte zwei. Das heiße Händchen aus den ersten zwanzig Minuten hatte eine kalte Dusche genommen, nichts funktionierte mehr. Das Team fiel völlig auseinander, kein einziger Spieler kam mehr auf Normalform.

„Bremerhaven hat einen super Job gemacht und verdient gewonnen, da sie mehr Einsatz gezeigt haben als wir. Wir haben nach einer guten ersten Halbzeit völlig den Faden verloren. Bei uns sind quasi alle Dämme gebrochen“, meinte Coach Carsten Pohl nach dem Spiel. Mehr Einsatz hatte Bremerhaven also gezeigt. Was aber muss ein Team machen, bei dem es spielerisch nicht läuft, das sich im Strudel einer Negativserie befindet? Was kann der geneigte Anhänger verlangen, wenn nicht Einsatz, Kampf und Leidenschaft?

Es wird Zeit, den Abstiegskampf anzunehmen. Kratzen, beißen und spucken ist angesagt, sonst gehen auf dem Hardtberg mit etwas Pech schon bald die erstklassigen Lichter aus. Das kann niemand wollen.

Bonns Topscorer weckt Begehrlichkeiten

© Sebastian Derix

Bei den Telekom Baskets spielt er seine erste Profi-Saison: Aaron White, dessen Rechte seit der NBA-Draft im vergangenen Jahr bei den Washington Wizards liegen, hat nach anfänglichen Schwierigkeiten – vor allem mit der Schrittregel in Europa – den Sprung über den großen Teich geschafft. Gut 15 Punkte markiert der 23-Jährige in der BBL bislang und ist damit Bonns bester Werfer. Gleichzeitig schnappte er sich mehr als sechs Rebounds pro Spiel – auch hier der Spitzenwert der Baskets.

Auch wenn es in der Verteidigung oft noch hapert und White vermutlich noch mehr aus seinem basketballerischen Talent machen könnte, so ist nicht nur das Bonner Management davon überzeugt, im Sommer einen guten Fang gemacht zu haben. Ganz offensichtlich haben auch andere Vereine bemerkt, dass hier in Bonn ein Rohdiamant heranreift. Und hatten die Baskets erst kürzlich einen Spieler (Yancy Gates) aus Israel los geeist, so sollte der Weg jetzt genau umgekehrt sein, wäre es nach Maccabi Tel Aviv gegangen – immerhin einer der besten Basketballvereine in ganz Europa und israelischer Rekordmeister.

Maccabi fragte nach Vereinsangaben bei Whites Agent nach, ob der sich einen Wechsel seines Schützlings in die Winner League vorstellen könnte. Der wiederum wandte sich an die Baskets, um die Möglichkeiten auszuloten. Sportmanager Michael Wichterich zeigte sich allerdings wenig verhandlungsbereit – nämlich gar nicht. Gerade in der aktuellen Situation mit dauernden Spielerwechseln konnte und wollte der Verein erst gar keine Diskussion aufkommen lassen.

So hatte sich die israelische Begehrlichkeit schnell erledigt. Anders als seinerzeit bei Jared Jordan, der dringend nach Bamberg wechseln wollte, machte White keine Anstalten, möglichen Avancen des europäischen Spitzenvereins nachgeben zu wollen. Mit zuletzt 25 Punkten gegen Crailsheim machte er auch nicht den Eindruck mit dem Kopf bei einem möglichen Wechsel zu sein. Aaron White wird in Bonn bleiben, zumindest bis zum Ende der Saison. Danach ruft die Summerleague und ein möglicher Vertrag bei den Wizards.

Ein Schritt aus der Krise?

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Es war der 1. November 2015. Die Telekom Baskets spielten gegen die Baskets aus Würzburg und fuhren am Ende einen Sieg ein. Dass es der letzte im heimischen Telekom Dome für sehr viele Wochen sein sollte, war zu dieser Zeit noch nicht abzusehen. Was folgte waren eine Pleitenserie, entlassene Spieler und Trainer und ein Neuanfang unter Carsten Pohl. Jetzt gelang dann auch in heimischer Halle endlich wieder ein Sieg – gegen den Tabellen-Fünfzehnten.

Aaron White legte mit 25 Punkten gegen Crailsheim seine beste Leistung bisher in der BekoBBL auf. Wirklich beeindruckend war aber Neuzugang Yancy Gates. Der Kleiderschrank unter den Körben findet immer besser ins Team und sorgte für 23 Zähler. Zudem schnappte er sich sieben Rebounds und gab vier Assists. Hatte er in der vergangenen Woche noch Probleme mit der Gangart der BBL-Schiedsrichter, so zeigte er am Abend, dass die Baskets mit ihm einen echten Fang gemacht haben.

Zumal er nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Dirk Mädrich mehr als 34 Minuten auf dem Parkett stand. Robin Lodders als zweiter echter Center konnte nicht wirklich mithalten und durfte deshalb nur gut zweieinhalb Minuten mitspielen. Kein Vorwurf an den jungen Mann, der in der Regel beim Kooperationspartner in Rhöndorf eine gute Liga tiefer spielt. Neben Lodders mühte sich Isaiah Philmore unter den Körben. Fehlende Zentimeter und Spielpraxis sorgten aber dafür, dass er nach sechs Punkten und fünf Fouls nur zehn Minuten auf dem Feld stand.

Stark präsentierte sich aber auch Sean Marshall. Zwar klappte bei der aktuellsten Nachverpflichtung noch lange nicht alles. Immer wieder zeigte er aber, dass er in der Lage ist, Mannschaft und auch Publikum mitzureißen. Gates und Marshall sorgten zusammen dafür, dass die Mannschaft offensiv in der Spur blieb. Defensiv bleibt dagegen auch weiter einige Arbeit. Zeigten die Bonner noch gegen Ulm in der ersten Halbzeit eine starke Verteidigungsleistung, so war heute in Sachen Defense eher Schmalhans Küchenmeister.

Folgerichtig galt das größte Lob des Trainers nach dem Spiel auch den Bonner Fans. Die Choreographie am vergangenen Wochenende und auch der Support in den vergangenen Wochen sei überragend gewesen, so Coach Pohl. Das Team wisse genau, was es an den Bonner Anhängern habe.

Was macht eigentlich… ?

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Bei den Telekom Baskets haben beide nie wirklich ein Bein auf den Boden bekommen, allerdings sind sowohl Michal Chylinski, als auch Xavier Silas inzwischen wieder unter Vertrag – bei anderen Vereinen. Wandervogel Silas hat dabei in seiner persönlichen Post-Baskets-Ära schon den zweiten Vertrag unterschrieben. Nur eine Woche nachdem sein Arbeitspapier in Bonn seine Gültigkeit verloren hatte, zog es den Amerikaner nach Argentinien. Für San Lorenzo de Almagro machte er sieben Spiele und legte in durchschnittlich rund zwanzig Minuten Spielzeit ordentliche Zahlen auf (12,4 PpS und 3,7 RpS).

Am 23. Dezember endete aber auch hier sein Arbeitsverhältnis. Der Texaner ging zurück in seine Heimat. Seit einigen Tagen ist Xavier Silas wieder in der NBA Development League angestellt. Er unterschrieb beim Farmteam der Phoenix Suns und spielt jetzt für Bakersfield Jam. Hier erhofft man sich vor allem von seiner Erfahrung zu profitieren. „Außerdem gibt er uns mitten in der Saison nochmal einen Schub und den Trainern die Möglichkeit, noch mehr zu variieren“, sagte Generalmanager Bubba Burrage. „Wir freuen uns, mit ihm zusammen zu arbeiten und ihm auf seinem Weg zurück in die NBA zu helfen.“

Auch der ehemalige Euroleague-Spieler Michal Chylinski kam in Bonn auf keinen grünen Zweig. Schon verletzt angereist, zog sich seine Genesung endlos hin. Und bis zum Schluss stand er nicht wirklich schmerzfrei auf dem Parkett. So zogen die Baskets auch hier die Reißleine und schickten den Polen Mitte Dezember per Ausstiegsklausel nach Hause. Nur einen knappen Monat später hatte auch er einen neuen Verein. Für die nächsten zweieinhalb Jahre steht er in Polen bei Anwil Wloclawek in Dienst. Man glaube fest daran, dass Chylinski ein wichtiger Bestandteil des Teams sein könne – jetzt und in Zukunft, verkündete Präsident Arkadiusz Lewandowski.

Und der ehemalige Trainer? Michael Fischer betreibt Fortbildung. Seit Anfang der Woche hospitiert er bei Fenerbahce Ülker in Istanbul. Für eine Woche beobachte er die Arbeit eines „großartigen Trainers“ – Zeljko Obradovic, schrieb Fischer auf Facebook.

Niemals allein

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Es gibt gute Nachrichten nach diesem vergeigten Rückrundenauftakt: Die erhoffte Nachverpflichtung ist da. Die Telekom Baskets haben den Amerikaner Sean Marshall für den Rest der Saison unter Vertrag genommen. Der 30-Jährige kommt aus der D-League und verfügt über ausreichend Erfahrung in verschiedenen europäischen Ligen. Er spielte unter anderem in der Türkei, Griechenland und Frankreich. Zuletzt stand er für die Westchester Knicks auf dem Parkett – dem Farmteam der New York Knicks. Obwohl der Amerikaner erst etwas mehr als einen Tag in Bonn weilt, konnte er zumindest in Ansätzen seine Qualität andeuten. Er sorgte für zehn Punkte, vier Rebounds und vier Assists.

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Das schaffte auch Center-Hühne Yancy Gates. Zwar schien er noch Probleme mit den deutschen Schiedsrichtern zu haben. Seine Erscheinung dürfte aber wohl auch einem John Bryant einen gewissen Respekt abnötigen. Elf Punkte und zwei Rebounds in 19 Minuten ist eine ordentliche, aber ausbaufähige Leistung im ersten Spiel. Folgerichtig gab es ein eingeschränktes Lob für beide vom Coach: „Es war uns klar, dass die fehlende Eingespieltheit ein Minus für uns werden kann. Trotzdem haben es beide ganz ordentlich gemacht“, sagte Carsten Pohl nach dem Spiel.

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Kein Sonderlob gab es von ihm für Florian Koch. Und das, obwohl der es verdient gehabt hätte. „Flo“ wurde zum Topscorer der Partie – mit 22 Punkten. Zudem holte er fünf Rebounds. Das Bonner Eigengewächs stand mit fast 30 Minuten länger als fast alle Mannschaftskollegen auf dem Parkett – länger durfte/musste nur Rotnei Clarke ran. Der Arbeitstag des Amerikaners war noch zwei Minuten länger.

Endlich wieder in der Öffentlichkeit arbeiten durfte auch Isaiah Philmore. Nach zehn Wochen Verletzungspause stand der 25-Jährige endlich wieder mit dem Team auf dem Platz. Er mühte sich gegen seine alte Mannschaft redlich, seine einzigen beiden Punkte stopfte er mit reichlich Autorität durch die Reuse. Ansonsten schnappte er sich drei Rebounds. Es zeigte sich aber, dass ihm noch die ein oder andere Spielminute zur endgültigen Wettkampfhärte fehlt.

Obwohl es im Training anders aussieht, scheint auch Langston Hall noch nicht recht im Team angekommen zu sein. Zwei Assists standen nach Spielende als Erfolgserlebnis auf dem Scoutingbogen. Dem gegenüber standen drei Ballverluste und zwei verworfene Dreier. Folgerichtig hatte er mit zwölfeinhalb Minuten die geringste Einsatzzeit aller Baskets-Spieler.

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Alle zusammen können sich auch in der Rückrunde der Saison auf ihre Anhänger verlassen. Der Fanclub sorgte vor dem Spiel einmal mehr mit einer Choreographie für Gänsehautstimmung – In Bonn am Rhein sind wir daheim – lassen euch niemals allein – prangte in großen Lettern rund um das Bonner Stadtwappen auf der Tribüne. Und auch wenn es im Augenblick schwierig scheint, so war dieser Rückrundenauftakt ein Schritt in die richtige Richtung – zumindest für 25 Minuten.

Philmore ist zurück

Die Telekom Baskets haben am Abend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Testspiel gegen den Kooperationspartner aus Rhöndorf absolviert (116:63). Die beste Nachricht des Abends: Isaiah Philmore steht wieder auf dem Parkett. Auch die zweitbeste Nachricht kann sich sehen lassen: Die Baskets können noch/wieder gewinnen. Und das mit Neuzugang Yancy Gates, der erstmals unter Wettkampfbedingungen getestet werden konnte.

„Für uns war es wichtig, nach der Spielpause wieder einen Spielrhythmus zu entwickeln. In der zweiten Hälfte war unsere Verteidigung deutlich besser“, meinte Baskets-Coach Carsten Pohl nach der Partie. Nach 40 Gegenpunkten vor der Pause, ließen die Bonner dann nur noch 23 in Halbzeit zwei zu. Offensiv kann man dem Team bei 116 Punkten ohnehin keine großen Vorwürfe machen.

Die gewonnenen Erkenntnisse können jetzt bis Sonntag genutzt werden, um die Vorbereitung auf die anstrengende Rückrunde voran zu treiben. Allerdings bislang weiter ohne den erhofften Neuzugang. Beim Verein hofft man allerdings darauf, die Personalie noch vor dem Spiel gegen Ulm klären zu können.