Mein Bonn – Teil 1

„Das ist mein Bonn“ ist der Titel der Blogparade, die Karin initiiert hat. Ich finde das Thema großartig, denn ich liebe Bonn. Und doch ist es so kompliziert, einen einzigen Blogeintrag über die Stadt zu schreiben, denn ich könnte eine ganze Serie daraus machen, was in Bonn alles so toll ist. Oder scheiße. Das gibt´s nämlich auch, selbst wenn ich das gerne verdränge. Und weil das so ist, gibt´s jetzt also eine kurze Bonn-Serie. Beschwert euch bei Karin, wenn´s euch langweilt. 😉

Bonn? Bonn.

Fangen wir mit meiner Bonn-Geschichte an: ursprünglich stamme ich aus dem westlichsten Kreis der Republik, dem Kreis Heinsberg. Allerdings lebten Tante, Onkel und Cousine meines Vaters schon seit ich denken kann in Bonn und deshalb habe ich die Stadt schon in frühster Kindheit kennengelernt, Das Haus der beiden Damen und des früh verstorbenen Herren lag damals in der Bonner Südstadt. Heute ist in ihm eine relativ angesagte Gaststätte untergebracht, seinerzeit war es der Tante-Emma-Laden von Großatante und -onkel. Ein Jammer, dass sie es irgendwann verkaufen mussten. Heutzutage könnten wir vermutlich eine sechsköpfige Familie allein von der Miete ernähren.

Als dann meine Studienzeit anstand, zog es mich unweigerlich nach  Bonn. Nach Köln wollte seinerzeit jeder, das war also nichts für mich. Bonn war aber nur wenige Minuten weiter von der elterlichen Waschmaschine und meinem Aushilfsjob im Altenheim der Heimatgemeinde entfernt. Das perfekte Ziel also. Und wie es der Zufall wollte, landete ich im ersten Semester in einem Zimmer, das nur wenige Meter vom ehemaligen Haus der Verwandten entfernt lag. Südstadt, großartig. Ich zog nach einigen Semestern um in ein Studentenwohnheim in der Kirschallee. Das sah von außen hervorragend aus, von innen lag mein Zimmer direkt zwischen Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbad. Der Lärmpegel war ca. 24h am Tag gleich anstrengend, die Umgebung dennoch großartig. Zumindest wenn man davon absieht, dass nur wenige Monate zuvor der mutmaßliche Terrorist Mohammed Atta im benachbarten Gebäude, das ebenfalls zum Wohnheimskomplex gehört, ein und aus gegangen sein soll.

Als ein Bekannter aus dem Heimatdorf, der ebenfalls in Bonn studiert hatte, dann nach Mainz zog, um seine Stelle beim Aktuellen Sportstudio anzutreten, konnte ich seine kleine Wohnung in der Innenstadt übernehmen. Und da hause ich immer noch. Wenige Quadratmeter, dafür unschlagbare Lage. In nur wenigen Minuten in der Uni, in noch weniger Minuten am Bahnhof und zum Museum mit den den dauernd wechselnden Ausstellungen dauert es gar nur Sekunden.

bonnFM geht an den Start

Sechs Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal die Idee bekam, mein Glück beim Radio zu versuchen. Dass ich „was mit Medien“ machen wollte war soweit klar, eigentlich dachte ich allerdings, dass es mich zu einer Zeitung treiben würde. Die ersten zaghaften Versuche waren auch mehr schlecht als recht geglückt, auch die ein oder andere Veröffentlichung bei aufstrebenden Online-Medien hatte ich inzwischen zu verbuchen. Dann sollte aber der nächste größere Schritt kommen, beim Bonner Uniradio.

Wie es der Zufall wollte kannte ich den Vereinsvorsitzenden einer der damals diversen Radiogruppen aus der Hochschule, auch wenn ich ihn seinerzeit nicht besonders sympathisch fand. Den Einstieg bzw. die Bewerbung beim Sender machte es doch etwas leichter. Was in den kommenden Wochen folgte, war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Weder zum großen Vorsitzenden, noch zu vielen anderen Mitgliedern der Radiogruppe. Aber das Medium Radio nahm mich vom ersten Augenblick an gefangen. Lag das zunächst noch an der anarchischen Ausgestaltung des speziellen Senders, so wuchs die Zuneigung auch mit der Erfahrung verschiedener Praktika. Schnell konnte ich die ersten Euro mit dem Medium Radio verdienen – ein nicht zu verachtender Nebeneffekt.

Das Uniradio blieb mir und ich dem Uniradio erhalten. Zumindest so lange, bis ich die Hochschule wechselte und somit aufgrund der Bestimmung der Landesanstalt für Medien NRW den Sender verlassen musste. Ein (glücklicher) Zufall bzw. der erneute Studienortwechsel brachte es dann mit sich, dass ich wieder aktiv in die Bonner Campusradioarbeit einsteigen konnte. Wie auch vor meinem Ausscheiden arbeitete ich schnell wieder im Vorstand des Trägervereins mit. Es stand eine der größten Aufgaben der inzwischen knapp achtjährigen Radioarbeit an der Uni Bonn vor uns: aus den beiden noch existente Radiogruppen, dem unabhängigen radio96acht Bonn und der Gruppe bonncampus96,8, die sowohl am Medienwissenschaftlichen Institut in Bonn, als auch an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin beheimatet war, sollte nach Jahren der Trennung endlich ein Sender werden.

Monatelange Verhandlungen standen an, hatten bei meinem Wiedereinstieg sogar schon lange begonnen. Standort des neuen Senders, Name, Aufgaben der Mitarbeiter, Gebührenordnung, Satzung usw., all das musste verhandelt und geklärt werden. Zwischenzeitlich zweifelte wohl nicht nur ich daran, dass diese Mammutaufgabe bewältigt werden könnte. Zu viele Probleme tauchten an allen möglichen und unmöglichen Ecken immer wieder auf. Endlich gab es dann aber doch die Einigung der verhandelnden Personen, die anberaumte Mitgliederversammlung stimmte den Fusionsplänen weitgehend zu. Auch die Landesanstalt gab ihr OK, die Lizenz für den neuen Sender wurde erteilt.

Am kommenden Freitag kann nun bonnFM an den Start gehen. Die Führungsriege wird eine neue sein. Die Veteranen der Bonner Campusradioszene ziehen sich langsam zurück oder haben es längst getan. Viele von ihnen haben sich inzwischen in den verschiedenen Medien durchgesetzt. 1LIVE und der WDR, Radio Bonn/Rhein-Sieg, bis hin in das SWR3-Land oder den hohen Norden reichen die Spuren der Bonner Hochschul-Radiogruppen. Die gute Basisarbeit scheint sich also auszuzahlen. bonnFM wird an dieser guten Bilanz weiter arbeiten. Der neue Sender wird auch zukünftig jungen Medientalenten die Chance zur Entwicklung geben.

Ich bin froh, an diesem Projekt mitgearbeitet zu haben. Das Radioprojekt der Bonner Uni hat viele Jahre lang mein Leben bestimmt. Auch wenn die letzten Monate extrem hart und stressig waren, wird das Positive aus den vergangenen sechs Jahren im Gedächtnis bleiben. Tolle Menschen, fachliche Kompetenz und der ein oder anderen spektakulären Sendeausfall, der dann doch gelöst werden konnte. Ich habe dem Bonner Uniradio viel zu verdanken, deshalb werde ich auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen – vielleicht auch immer mal wieder am Mikrofon. Das neue Bonner Campusradio ist flügge geworden – unterstützen wir es beim fliegen.

(Kein) Hexenwerk

Hausarbeiten. Eines der Übel des Studentenlebens. Und doch das kleinere, bedenkt man, wie unangenehm es ist, für (mündliche) Prüfungen und Klausuren zu lernen. Dachte ich. Bis ich an den Punkt kam und tatsächlich die Aufgabe hatte, mich zu gleich drei verschiedenen Themen auszulassen.

Drei Hausarbeiten in knapp zwei Monaten. Locker zu schaffen. Dachte ich. Bis es nur noch ein Monat war und die virtuellen Blätter im Word-Dokument noch immer leer waren. Ich hatte mich eingelesen. Zum Teil sogar recht gründlich. Allerdings völlig ohne Methode. Die letzte Hausarbeit schrieb ich vor mehr als zehn Semestern. Eine Idee, wie ich das damals vollbracht hatte, habe ich heute nicht mehr. Und genau das ist das Problem. Ich bin völlig aus der Übung, weiß nicht, wo ich anfangen soll. Zweites Problem: bei ähnlichen Problemen habe ich in den vergangenen Semestern immer gekniffen – das sitzt jetzt drin. Wie ein fetter Hund. Ein fetter Schweinehund.

Und mit Schweinehunden kann ich gut. Wir verstehen uns blendend. Und lassen uns weitestgehend in Ruhe.

Blöderweise hilft mir das nicht weiter. Und ich brauche etwas, das mich ganz schnell weiter bringt. Ein Plan wäre gut. Oder ein Ghostwriter. Ich will ja schließlich kein Minister oder Professor werden. Nur fertig. Zügig. Das kann doch eigentlich kein Hexenwerk sein. So viele Menschen vor mir haben es geschafft, ihren Abschluss mehr oder minder gut in mehr oder minder angemessener Zeit zu machen. Und ich mag zwar nicht die hellste Kerze am Weihnachtsbaum sein, ganz ausgebrannt bin ich aber auch nicht. Es muss also einen Weg geben. Nur, wo führt er lang?

Morgen führt er erst mal nach Paderborn. Super Idee, dass ein Freund ausgerechnet in der heißen Phase meines Versagens seine Hochzeit feiert. Nicht, dass ich das dringende Bedürfnis hätte, auch morgen den ganzen Tag ratlos vor dem Rechner zu sitzen. Nötig wäre es allerdings. Vielleicht ohne ratlos.

Am Ende hilft alles lamentieren nicht. Irgendwie muss es klappen. Ich habe nur aktuell überhaupt keine Ahnung, wie das gehen soll. Selten war ich in den letzten Jahren so durcheinander. Das macht keinen Spaß.

So, genug gejammert. Ans Werk.

Alles wie immer

Jetzt ist es also soweit. Das neue Semester steht vor der Haustür, es geht wieder los. Und – es scheint, als würde sogar der Stundenplan weitgehend feststehen. Es war ein weiter Weg bis hierher. Denn hier ist woanders als noch zuletzt. Hier ist wieder zuhause. Ich bin zurück.

Alles fing damit an, dass die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn beschloss, dass sie in Zukunft keine Lehrer mehr ausbilden möchte. Ich jedoch befand mich noch in einem Studiengang, der mich zu einem solchen machen sollte. Um mein Studium zu beenden, musste ich mir eine neue Hochschule suchen. Das nahe liegende Übel war die Uni Köln.

Mehrere Semester schleppte ich mich in die ungeliebte Stadt, das Herz blieb immer in Bonn. Nie wirklich in Köln angekommen, nie wirklich ambitioniert geforscht, reifte der Entschluss, die Rückkehr in die studentische Heimat an zu treten. Zwar hatte die Bonner Uni inzwischen gemerkt, dass ihr mit den Lehramtsstudenten auch unglaublich viel Kohle durch die Lappen gegangen war und das Studium wieder eingeführt, ich jedoch entschied mich, den pädagogischen Forschungsstrang aus meinem Studienbuch heraus zu operieren und fürderhin darauf zu verzichten.

Doch so einfach sollte der Wechsel in einen Bachelorstudiengang nicht werden. Da ich nicht alle bisher erbrachten Leistungen zu Teufel jagen wollte, bemühte ich mich, möglichst viele Scheine (ja, so hieß das früher – und es war sogar aus Papier) anerkennen zu lassen. Ein Drama ab und an. Überfordert war nicht nur ich, es war auch das Prüfungsamt, das Studierendensekretariat und der ein oder andere Kustos gewisser Fachrichtungen.

Endlich glückte mit einem Trick dann doch noch die zulassungsfreie Einschreibung in den Studiengang meiner Wahl – theoretisch könnte das Studium in zwei Semester beendet sein. Blöd nur, dass heute ja alles modern ist. Ging man früher zum Dozenten, um um die Teilnahme am Seminar zu betteln, geht das alles heute elektronisch. Und es geht, wie an allen anderen Unis, auch in Bonn nur bedingt. Nach einigem hin und her steht jetzt fest: einzelne Veranstaltungen sind relativ sicher, andere in der Schwebe. Nach einigen Emails und vergeblichen Versuchen der Kontaktaufnahme, steht also ab sofort wieder die schon altbekannte Rennerei an. Seminare abklappern, Dozenten verbal beknien und am Ende hoffen, dass es was wird mit den benötigten Veranstaltungen.

Es bleibt spannend. Warum sollte auch mal was glatt laufen?