„Es fühlt sich einfach falsch an.“

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Michael Wichterich war sichtlich geknickt. Den Sportmanager der Telekom Baskets beschäftigte das Ausscheiden seiner Mannschaft im Viertelfinale der diesjährigen Playoffs doch deutlich. Man merkte ihm die Enttäuschung an. Das Team habe mehr verdient gehabt, als nach drei Niederlagen in Folge auszuscheiden: „Das fühlt sich einfach falsch an. Falsch für die Spieler, falsch für das Team, und es fühlt sich auch falsch an für Bonn“, so der Manager. Man sei mit der festen Überzeugung in die Serie gegangen, am Ende auch gewinnen zu können.

Dass das am Ende nicht funktionierte lag in allen drei Spielen an Kleinigkeiten. „Wir haben es manchmal verpasst, zu zu greifen“, konstatierte Wichterich, „aber wir haben besser gespielt, als es das Ergebnis am Ende aussagt.“ Dennoch oder gerade deswegen zeigte sich der Manager stolz auf die Leistung seiner Mannschaft. Das Team habe die gesamte Saison hart für den Erfolg gearbeitet. Ganz ähnlich sah das auch Co-Trainer Chris O´Shea: „Jeder will das letzte Spiel einer Saison gewinnen. Wenn das nicht funktioniert und man, wie unser Team, viel Arbeit und Herzblut investiert hat, dann tut das natürlich weh.“

Das wiederum war natürlich auch den Spielern anzumerken. Es war erstaunlich ruhig rund um den Mannschaftsbus. Das Team wartete auf Kapitän Josh Mayo, den die Dopingprobe vor größere Probleme zu stellen schien. In Grüppchen saßen und standen seine Teamkollegen zusammen – mal mit Fans, mal untereinander. Konsti Klein war in einer Zweiergruppe mit seinem Telefon unterwegs. Er machte nicht den Eindruck, als habe er derzeit mehr Gesellschaft nötig.

Als der Capitano dann seine Tortur hinter sich gebracht und den Weg zum Bus gefunden hatte, brach die Mannschaft zügig auf in Richtung Heimat. Hier wartet am kommenden Dienstag noch die Verabschiedung, traditionell im Foyer des Telekom Domes. Los geht´s um 18 Uhr. Auf dem Programm stehen Autogrammstunde, Fotos und Interviews. Und vielleicht schon die ein oder andere Verkündung in Sachen Verträge für die kommende Saison? „Im Moment gibt es da nichts zu erzählen“, kommentierte der Sportmanager.

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Playoffs gegen Bamberg

© Sebastian Derix

Wieder Bamberg also. Zum neunten Mal bei 19 Playoff-Teilnahmen treffen die Telekom Baskets Bonn auf Brose Bamberg. Schuld war eine Niederlage gegen den Tabellenersten der aktuellen Saison: Bayern München Basketball. Bamberg gab sich zwar in Weißenfels alle Mühe, dem Duell aus dem Weg zu gehen. Schlussendlich konnten sie den Sieg gegen den MBC aber nicht vermeiden. Die Folge: Bamberg Platz vier und Heimrecht, Bonn Platz fünf und mal wieder kein Heimrecht.

Dabei war es ein erbitterter Kampf, den sowohl die Baskets, als auch Brose an diesem Spieltag führten. Bamberg fürchtete buchstäblich bis zur letzten Sekunde um den Sieg beim MBC. Bonn hingegen machte es dem souveränen Tabellenführer aus München sehr lange sehr schwer. Am Ende waren es einige kleine Fehler der Baskets, die München einen doch klaren Sieg bescherten. Durch die gleichzeitigen Niederlagen von Oldenburg und Bayreuth ergab sich also die schon beschriebene Konstellation.

Los geht es für Bonn mit einem Auswärtsspiel in Bamberg am kommenden Sonntag. Am Mittwoch darauf ist dann Brose zu Gast im Telekom Dome, bevor am folgenden Samstag wieder Bamberg der Gastgeber ist. Sollten Spiel vier und fünf nötig sein, würden die am Dienstag und Donnerstag der Folgewoche stattfinden.

Platz vier vor Augen

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Es war ein erfolgreiches Wochenende für die Telekom Baskets. Nach dem deutlichen Heimsieg gegen Braunschweig folgte am Sonntag ein weiterer ungefährdeter Sieg in Erfurt. Durch die Niederlage von Bayreuth gegen Ludwigsburg kletterten die Bonner sogar wieder auf den vierten Tabellenplatz. Der würde in der ersten Playoffrunde das Heimrecht bedeuten. Mit einem Sieg am Dienstag gegen Hauptrundensieger Bayern München wären die Baskets mindestens Fünfter.

Die Entscheidung fällt also mit dem letzten Saisonspiel. Ganz ähnlich lief es im vergangenen Jahr. Da fielen die Baskets am letzten Spieltag noch auf Platz sieben zurück. Wenn es ganz blöd läuft, kann das auch in dieser Saison passieren. Dafür müssten aber Bayreuth, Bamberg und Oldenburg gewinnen, während die Baskets ihr Heimspiel verlieren. Im bittersten Fall würde ALBA Berlin warten, erreichen die Baskets Platz sechs, müssen sie zuerst in Ludwigsburg antreten und würden da auf die alten Bekannten Flo Koch und Dave McCray treffen.

Platz vier verteidigt

© Sebastian Derix

Würde man im Duden den Begriff „richtig harte Arbeit“ suchen, bekäme man vermutlich als Antwort eine Beschreibung des Spiels der Telekom Baskets gegen die BG Göttingen. Der Tabellenvierte zeigte sich lange beeindruckt von der Aggressivität des Fünfzehnten in der Rangliste. Erst weit in der zweiten Halbzeit setzte sich die Qualität der Baskets dann doch durch. Göttingen ging im Schlussviertel die Puste aus.

Das lag auch daran, dass die Gäste von Beginn an enorm viel Druck gemacht hatten. Die Baskets hatten sichtlich Schwierigkeiten, damit umzugehen. Viele Fehler in der Offensive, auch defensiv klappte nicht viel. Ein 16:0-Lauf der BG war die Folge. Es deutete sich an, dass die Bonner einmal mehr eine gute Aussichtslage nicht würden nutzen können. Erst im letzten Abschnitt wendete sich das Blatt.

Der König himself nahm das Spiel in die Hand. Ihm zur Seite der Capitano, der Rookie und ihre Mannen. Die Baskts zogen jetzt ihrerseits am Gashebel und kämpften sich über die Defensive ins Spiel. Schlussendlich wurde es doch noch ein klarer 82:70-Sieg, der auf dem Papier aber deutlich deutlicher aussieht, als er sich in der Halle anfühlte. Die Baskets brauchten enorm viel Kraft und Willen, um Göttingen ohne Punkte nach Hause zu schicken.

Durch den Sieg haben die Bonner Platz vier verteidigt. Soll es der am Saisonende auch sein, müssen jetzt noch vier Spiele mit ähnlicher Willensleistung folgen. Erste Chance: Schon am Sonntag geht es gegen Würzburg. Das Team von Dirk Bauermann lauert noch auf einen Playoff-Platz. Das wird also auch wieder ein hartes Stück Arbeit für die Mannen von Cheftrainer Predrag Krunic. Gewinnen die Bonner da, ist ihnen die 19. Playoff-Teilnahme in der 22. Saison der Ligazugehörigkeit nicht mehr zu nehmen. Das erste Saisonziel wäre erreicht.

Baskets springen auf Platz vier

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Es war ein wirklich wichtiger Sieg, den die Telekom Baskets am Samstagabend in Gießen eingefahren haben. Und es war ein hartes Stück Arbeit. Nicht nur unter den Körben, wo mit John Bryant eine wahre Maschine ihr Unwesen treibt. Auch über das ganze Feld hatten die Bonner alle Hände voll zu tun. Gießen zeigte, dass es noch an seine Playoff-Chance glaubt. Erst in der zweiten Halbzeit konnten die Baskets dem eine adäquate Verteidigung entgegenstellen.

Es war eine Kampfes- und Willensleistung der ganzen Mannschaft. Allen voran TJ DiLeo und Konstantin Klein. Der Deutsch-Amerikaner war nicht zu stoppen. Und Konsti, als ehemaliger Frankfurter ohnehin nicht gerade beliebt in Gießen, schaffte sich durch seine bissige Verteidigung sicher keinen neuen Freunde in der Sporthalle Gießen-Ost. Wenn doch, dann standen die im gut gefüllten und bestens gelaunten Gästeblock.

Aber auch der Rookie, Malcolm Hill, machte ein gutes Spiel. Zeitweise standen ihm die Verteidiger arg auf den Füßen, aber Hill biss sich durch. Er zeigte, dass er in der Lage ist, sich auch in diesen Situationen durchzubeißen. Unter den Körben waren alle Bonner mit einer Länge von über zwei Metern gemeinsam damit beschäftigt, den vermutlich zukünftigen MVP der Liga zu beackern. Zwar gelang es der langen Garde nicht, ihn auszuschalten. Der verbissene Widerstand sorgte aber dafür, dass es keine komplette One-Man-Show wurde.

Am Ende des Spiels standen glückliche Bonner Sieger. Sie hatten damit einen Konkurrenten im Playoff-Rennen geschlagen. Wohl noch auf der Heimfahrt erfuhren die Baskets dann, dass Oldenburg zuhause die Punkte an Würzburg abgegeben hatte. Dadurch kletterten die Bonner in der Tabelle vorübergehend auf Platz vier. Eine Tatsache, die Coach Predrag Krunic nicht interessiert. „Ich gucke weiter nur von Spiel zu Spiel“, sagte er gut gelaunt vor der Heimreise. „Am 1. Mai sehen wir dann weiter.“

Mutti wäre stolz

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Es hat nicht sollen sein. Aufopferungsvoll warfen sich die Telekom Baskets in die Schlacht der Schlachten, die Mutter aller Spiele. Mit einer unglaublich intensiven Verteidigung versuchten sie, den Tabellenzweiten, ALBA Berlin, den Schneid abzukaufen. Und sie schlugen sich hervorragend. Bis weit ins Schlussviertel hatten sie immer die Chance, die Punkte auf dem Hardtberg zu halten. Dann aber setzte sich die Berliner Qualität durch. Die Baskets gaben unter den Körben zu viele Bälle ab. Das nutzte ALBA aus und sicherte sich am Ende den Sieg.

Es war aber eine Partie, auf die Mutti stolz gewesen wäre. Der ausverkaufte Telekom Dome bekam #BasketsSpirit in seiner reinsten Form zu sehen. Der deutsch-kubanische Wirbelsturm, Yorman Polas Bartolo, wehte mit einer Kraft durch die Halle, dass einem Hören und Sehen vergehen konnte. Tomislav Zubcic lieferte 20 Punkte ab. Aber auch alle anderen Bonner Basketballer warfen sich in den Kampf. Es war keiner gekommen, um Gefangene zu machen. Dass es am Ende nicht reichte, ist schade. Vor allem, weil einmal mehr Platz vier gelockt hätte.

Die Fans im Dome hatten allerdings gesehen, dass das Team gebissen hatte. Und so war die Stimmung nach der Schlusssiren, trotz der Niederlage, nicht schlecht. Es gab anerkennenden Applaus. Und auch wenn einige Köpfe hingen wie Krokusse, die zu lange kein Wasser gesehen haben: Dieses Team hat einmal mehr gezeigt, dass es bereit ist, den Kampf anzunehmen. Dass die Bonner die Playoffs erreichen werden, dessen darf man sich inzwischen fast sicher sein. Wie weit es dann geht, das hängt sicher auch davon ab, wie sich die Männer von Predrag Krunic in den kommenden Wochen noch motivieren können. In der Tabelle ist nach oben und nach unten noch vieles möglich.

Extraschicht am Ostersonntag

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Die Telekom Baskets haben es am Ostersonntag spannend gemacht. Nach einem überragenden Start in Ulm mussten die Bonner doch bis zum Ende kämpfen – und sogar darüber hinaus. Erst nach Verlängerung war der so wichtige Auswärtssieg eingefahren. 94:87 hieß es am Ende aus Bonner Sicht.

Nicht zu stoppen war dabei Bonns König: Julian Gamble sorgte für 28 Punkte, schnappte sich neun Rebounds und schickte gleich vier Bälle zurück an den Absender. Ein verdientes Lob durften sich aber auch Josh Mayo (15 Punkte, sechs Assists), Yorman Polas Bartolo (16 Punkte, acht Rebounds) und TJ DiLeo (11 Assists, acht Punkte) abholen.

Dass es dennoch der Overtime bedurfte, um den Sieg in Ulm zu holen, war einigen schwachen Bonner und starken Phasen der Hausherren geschuldet. Trotz oft schwankender Leistungen zählt das Team der Ulmer noch immer vom Potential her zu den besten in der easyCreditBBL. Diese Mannschaft über vierzig Minuten im Griff zu haben, gelang den Bonnern nicht.

Dennoch war Baskets-Trainer Predrag Krunic nach Spielende zufrieden: „Es war ein sehr gutes Spiel und sicherlich eine sehr interessante Partie für die Zuschauer. Es war nicht einfach heute hier zu gewinnen, aber mein Team hat sehr hart gekämpft, mit Emotionen gespielt und eine gute Verteidigung gezeigt. Dazu haben wir im Angriff gute Entscheidungen getroffen. Dass es zur Verlängerung kommt, ist unser Fehler. Dennoch haben wir in der Verlängerung Charakter gezeigt und letztendlich gewonnen. Das war ein wichtiger Sieg für uns.“

Die Baskets kletterten durch den Sieg wieder auf Platz fünf, der vierte Platz bleibt in Sichtweite. Hier thronen derzeit die Oldenburger. Bayreuth liegt mit einem Spiel weniger knapp hinter den Bonnern. Dennoch haben die Baskets in Ulm einen großen Schritt in Richtung Playoffs gemacht. Sie haben jetzt drei Siege Vorsprung auf einen Nicht-Playoff-Platz.