Horton, Gamble, Mayo und Mutti

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Wenn Mutti zu Besuch ist, ist immer was los. So auch dieses Mal. Die dreiunddrölfzigste Auflage der Mutter aller Spiele – dem ewigen Duell zwischen den Telekom Baskets und ALBA Berlin – geriet einmal mehr zu einem wahren Spektakel. Das ging schon mit dem ersten Angriff los, als Yorman Polas-Bartolo mit einem Putback-Dunk zeigte, wo es an diesem Nachmittag lang gehen sollte. Wäre auf dem Hardtberg in diesen Minuten ein Feuer ausgebrochen, es hätte verheerende Folgen gehabt. Die Feuerwehr war im Telekom Dome zu Gast und überrannte die Gäste aus der Hauptstadt förmlich.

Oberbrandmeister war an diesem Sonntag Ken Horton. 31 Punkte legte der Amerikaner auf. Mutti wäre vor Stolz geplatzt, hätte sie nicht noch ausreichend andere Kinder zu loben. Josh Mayo und Julian Gamble lieferten jeweils ein Double-Double ab. Ojars Silins war genau dann da, als er gebraucht wurde. Und Yorman Polas-Bartolo biss einmal mehr in der Verteidigung jedem in die Waden, der Mutti zu Nahe kommen wollte.

ALBA fand einfach kein Mittel. Zu sehr hatte man sich darauf konzentriert, Topscorer Ryan Thompson aus dem Spiel zu nehmen, bestätigte auch Bonn-Rückkehrer Tony Gaffney nach dem Spiel. Für ihn war es ein eher durchwachsenes Spiel. Genau wie für Bonns Neuzugang Jamarr Sanders. Ihm merkte man an, dass er seit Monaten keine Wettkampfpraxis mehr sammeln durfte. Er mühte sich redlich. Zumindest war er kein Fremdkörper. Die Hoffnung, dass er sich zeitnah in die Familie eingliedern kann, ist da.

Am Ende stand ein überragender 95:72-Sieg für Mutti und die Jungs vom Hardtberg. Das Ergebnis reicht für die direkten Vergleiche in den kommenden drei Spielzeiten. Auf dem Weg in die Playoffs war das ein Meilenstein. Mit Muttis Hilfe könnte es sogar wieder zu einer Platzierung reichen, die nicht gleich Bamberg, Bayern und Ulm auf den Spielplan setzen würde. Bis das aber Realität wird, gibt es noch einiges zu tun. Mit einer Leistung wie im ALBA-Spiel stehen die Chancen aber nicht ganz schlecht.

Wie weiter?

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Gleich fünf Bonner haben die Schiedsrichter am Wochenende beim Spiel der Telekom Baskets gegen ALBA Berlin vorzeitig unter die Dusche geschickt. Sean Marshall hatte sich zu einer Rangelei mit Kresimir Loncar hinreißen lassen und kassierte dafür ein disqualifizierendes Foul. Geno Lawrence, Tadas Klimavicius, Rotnei Clarke und Florian Koch hatten lediglich das Spielfeld betreten, um die keilende Meute auseinander zu treiben. Weil das aber genauso strengstens untersagt ist, wie sich gegenseitig in der Landschaft rum zu schubsen, wurden sie ebenfalls für das Spiel disqualifiziert.

Bei den vier Letztgenannten dürfte die Angelegenheit damit weitgehend erledigt sein. Möglicherweise bekommen sie noch eine Geldstrafe, aller Voraussicht nach dürfen sie aber am Sonntag gegen Bayreuth auflaufen. Entscheiden muss das der Spielleiter der BekoBBL auf Basis der Berichte der Schiedsrichter und einer Stellungnahme der Vereine. „Wenn die Anfrage der BBL kommt, hat der Verein in der Regel 48 Stunden Zeit sie zu beantworten“, heißt es von den Telekom Baskets. „Wir bereiten unsere Stellungnahme schon jetzt vor, damit die Entscheidung so schnell wie möglich fallen kann.“ Der Verein hofft, dass das bis spätestens Donnerstag der Fall ist.

Bei Sean Marshall könnte etwas mehr Ungemach drohen. Wegen des Verfahrens, des schwebenden, wollen die Baskets in dem Fall natürlich keine Prognose abgeben. Das Strafmaß hängt auch hier von der Einstufung des Vergehens ab. Mit sehr viel Glück könnte es bei Marshall bei einer Geldstrafe bleiben. Wahrscheinlicher ist aber, dass er das ein oder andere Spiel aussetzen muss.

Derweil entschuldigte sich der Delinquent heute via Facebook – sowohl beim Verein, bei der Liga und auch bei den Bonner Anhängern. Niemals in seiner Karriere sei ihm ein solcher Fehler bisher unterlaufen, und das werde auch in seiner restlichen Laufbahn nicht wieder vorkommen. Die Reaktionen der Fans zeigen: Wirklich übel nimmt ihm den Zwischenfall kaum jemand.

Berlins Verteidigung zu stark

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Nach der Niederlage gegen extrem defensive Italiener im Europapokal, haben die Telekom Baskets am Sonntagnachmittag auch in der Liga ihren Meister gefunden. Nach fünf Siegen in Folge verdarb Tabellenführer ALBA Berlin den Hausherren die makellose Heimbilanz und ging verdient als Sieger vom Platz. Wie schon Trento nahmen auch die Hauptstädter den Baskets durch ihre bissige Verteidigung den Spaß am Spiel. Von den wenigen freien Würfen, die die Bonner bekamen, ging dann noch ein Großteil daneben. Es war kein guter Tag für das Team von Headcoach Mathias Fischer.

Der verletzte Isaiah Philmore fehlte an allen Ecken und Enden, vor allem aber unter den Körben. Es mangelte am Sonntagnachmittag an Bonner Präsenz. Fast folgerichtig gaben die Baskets das Reboundduell ab – kein gutes Zeichen und das erste, das Coach Fischer nach jedem Spiel auf dem Scouting in Augenschein nimmt. Bonn fand nie wirklich ein Mittel gegen Berlin, monierte auch Rotnei Clark: „Wir haben heute zu selten richtig in unsere Sets gefunden und dazu noch die viele hart erarbeitete Würfe daneben geworfen. Berlin ist nicht umsonst in der Liga ungeschlagen. Der Grund dafür ist sicherlich die hohe Physis, mit der sie agieren.“

Wieder nicht im Kader stand Xavier Silas. Auch wenn er nicht den Eindruck eines frustrierten Außenseiters macht, so scheinen seine Tage in Bonn dennoch gezählt. Nachdem Silas auch am vergangenen Mittwoch im Europapokal nicht zum Zuge kam, deutet alles auf eine Trennung hin – wenn sich denn ein Interessent für den NBA-Borderliner findet.

Berlin defensiv zu stark

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Bonn gegen Berlin, alte gegen neue Hauptstadt, die Mutter aller Spiele, das ewige Duell – man könnte noch Stunden so weiter machen, hätte das Spiel nicht auch noch sportlich einiges geboten. Beide Teams schenkten sich von Beginn an nichts. Die Defense stand ganz  groß auf den Gameplans der beiden Coaches. Und so schaffte es auch zunächst keine der beiden Mannschaften sich entscheidend abzusetzen. Von Europapokalmüdigkeit war bei den Hausherren nichts zu sehen. Und auch die Baskets waren schon kurz nach Beginn hellwach.

Zum Ende des ersten Viertels legte ALBA dann einige Punkte zwischen sich und die Gäste. Die konterten aber im zweiten Abschnitt postwendend. Viertel zwei gehörte den Baskets. Sie bissen, sie trafen, vor allem aus der Distanz und sie holten sich die Führung in fremder Halle. Als Sahnehäubchen gab es dann einen mächtigen Schlag gegen den Buzzer von Mickey McConnell, der in der Schlusssekunde mit feindlicher Hand im Gesicht den Korb fand.

Das wollte sich ALBA nicht gefallen lassen. Nach der Pause legten sie defensiv einen weiteren Gang zu. Die Baskets hatten Mühe dagegen zu halten und gaben immer wieder den Ball her. Folgerichtig holten sich die Berliner ihre Führung zurück. Bis auf zwölf Punkte bauten sie die aus, ehe das Viertelende und ein Leger von Tadas Klimavicius die Bonner für einen Moment erlösten.

Aber nicht lange – im Schlussviertel wurde es hektisch in der O2-World. Ein vermeintlicher Schlag von Benas Veikalas gegen Reggie Redding brachte die Halle zum kochen. Bonn ließ sich von der entstandenen Hektik anstecken. Die Probleme mit den Berlinern wurden größer. ALBA dagegen wurde immer sicherer. Von Müdigkeit noch immer nichts zu spüren. Berlin holte die Rebounds, Berlin traf von der Linie, Bonn schaffte all das nicht ausreichend. Am Ende war die Niederlage verdient (90:78).

Das hatte auch Coach Mathias Fischer gemerkt: „Berlin ist der verdiente Sieger dieses Spiels. Wir haben eine Halbzeit sehr gut mitgehalten und so gespielt, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber eine Halbzeit reicht nicht aus, um hier in Berlin zu gewinnen. Wir sind im dritten Viertel eingebrochen, konnten unsere System nicht mehr richtig durchlaufen und haben viele Turnover begangen, die zu einfachen Punkten geführt haben.“

 

 

Am Ende haben immer die anderen den Ball

Müsste man als Fan einer Sportmannschaft eine denkbar beschissene Sportwoche beschreiben, kämen darin sicher die ein oder andere (knappe) Niederlage vor, zudem vielleicht noch eine Verletzung von Schlüsselspielern und das Ausscheiden aus einem Pokalwettbewerb. Betrachtet man es so, ist die Woche für die Telekom Baskets noch recht gut verlaufen. Die Verletzungen von Kurt Looby und Steve Wachalski stellten sich als nicht so gravierend heraus, beide konnten beim Pokalspiel in Berlin auflaufen – auch wenn Geburtstagskind Wachalski nur rund zwei Minuten geschenkt bekam.

Bittere Nackenschläge waren aber die beiden denkbar knappen Niederlagen. Zwei Punkte fehlten am Ende gegen Ulm zur erneuten Verlängerung. Gegen Berlin hätten zwei Punkte mehr sogar zum Sieg – und damit zum Weiterkommen im Pokal – gereicht. Aber wie auch schon am Wochenende fehlte am Ende ein Rebound, eine Schwäche, die die Baskets schon die komplette Spielzeit „auszeichnet“. Umso ärgerlicher, dass trotz aller Bekundungen, man wolle das abstellen, am Ende immer die anderen den Ball bekommen. Und damit auch den Sieg.

Lichtblicke gab es in Berlin aber dennoch. Zum Beispiel Tony Gaffney. Der Amerikaner lieferte sein bestes Spiel seit seiner Rückkehr nach Bonn ab. 28 Punkte markierte er. Auch Ryan Brooks war stark. Und Jared Jordan hatte mit elf Assists und acht Punkten die Zügel in der Hand. Gereicht hat es am Ende knapp nicht.

Jetzt kommt das, was immer kommt: zum Glück bleibt nicht viel Zeit, sich über das Ergebnis zu ärgern und darüber nachzudenken. Schon am Sonntag geht es in der Liga weiter. Auf die können und müssen sich die Baskets jetzt konzentrieren. Gegen Ludwigsburg muss wieder ein Sieg her, um die hervorragende Ausgangsposition der Bonner nach der Hinrunde nicht vollends zu verspielen. Go for it.

Noch einen Koffer in Berlin

Im Rahmen des AllStar Days im Bonner Telekom Dome wurden am Samstag auch die Qualifikationsspiele für das FinalFour Turnier um den BBL-Pokal ausgelost. Die Fans der Baskets hofften auf eine lösbare Aufgabe oder zumindest ein Heimspiel. Am Ende wurde es ein Auswärtsspiel gegen einen wirklich starken Gegner: die Baskets müssen nach Berlin.

Als letztes Team wurden die Baskets aus dem Lostopf gezogen, da war schon klar, dass Berlin der Gegner und der Austragungsort des Duells sein würde. Nicht gerade ein Wunschlos und doch eine nicht unlösbare Aufgabe. Berlin kennen die Baskets inzwischen ganz gut – und das nicht nur, weil mit Alex King und Jonas Wohlfarth-Bottermann gleich zwei ehemalige Bonner inzwischen in der Hauptstadt ihr Geld verdienen.

Es wird in Liga und Pokal die vierte Partie der alten gegen die neue Hauptstadt in dieser Saison. Geheimnisse gibt´s da keine mehr. Und doch konnten die Baskets von allen Spielen der Spielzeit nur eins gewinnen – das Heimspiel im EuroCup. Mit einer leichten Aufgabe konnten die Baskets allerdings auch nicht rechnen. Mit Oldenburg, den Artland Dragons, Bamberg und dem FC Bayern hätten noch einige Hochkaräter gewartet, denen die Baskets jetzt frühestens im Finalturnier begegnen werden.  Das Quali-Spiel findet voraussichtlich am 5. Februar statt.

Revanche gegen ALBA geglückt

Als der Kollege von bonnFM mir zur Halbzeit des Spiels der Telekom Baskets gegen ALBA Berlin bei einer zehn-Punkte-Führung erzählte, dass die Baskets bei seiner Anwesenheit in der Halle noch nie gegen die Gäste aus der Hauptstadt hatten gewinnen können, da ahnten weder er, noch ich, dass ich ihn rund vierzig Minuten später aus der Halle schicken würde. Und hätten wir es geahnt, hätten wir es nicht für nötig gehalten. Denn die Baskets spielten eine bärenstarke erste Hälfte und machten alles richtig, was sie noch beim Europapokalspiel vor drei Wochen verbockt hatten. Die beste Defensivleistung der Saison hatte dazu geführt, dass ALBA nie wirklich Land sah und immer einem Rückstand hinterher laufen musste.

Und so lief es auch bis weit ins Schlussviertel. Doch plötzlich schien Berlin aufzuwachen. Punkt um Punkt kämpften sie sich heran. Gut 30 Sekunden vor Spielende versenkten sie den Dreier zum Ausgleich, bevor  Superstar David Logan im nächsten Angriff sogar die Führung erzielem konnte. Spätestens jetzt wurde es Zeit, den Kollegen der Halle zu verweisen. Glücklicherweise übernahm er das selbst und machte sich aus dem Staub, um die Schlussphase vor dem Fernseher im Presseraum zu verbringen. Benas Veikalas merkte das und schnappte sich den Ball. 2,7 Sekunden vor dem Ende verlud er den Ex-Bonner Alex King, netzte zum Ausgleich ein und wurde beim Wurf noch gefoult – die Chance per Extra-Freiwurf den sechsten Sieg in Serie zu besiegeln. Eiskalt versenkte der Litauer zum 60:59. Der letzte Wurf der Gäste fand nicht mehr den Weg in den Korb. Den Weg zurück in die Halle fand dann zum Glück der Kollege. Die überragende Stimmung nach dem Sieg wollte ich ihm nicht vemiest haben.