Kein Ende der Misere in Sicht

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Drei Viertel gewonnen und am Ende stehen sie doch mit leeren Händen da: Die Telekom Baskets gaben auch das zehnte Spiel in Folge aus der Hand. Zehn verpennte Minuten nach der Halbzeit haben die mögliche Kehrtwende verhindert. Zumindest einen Schritt in die richtige Richtung haben die Bonner gemacht: An Einsatz mangelte es lange Zeit nicht. Das nötige Fortune fehlte aber am Ende.

Vor allem auch mal wieder aus der Distanz. Vier von zwanzig Dreiern fanden ihr Ziel. Nur. Auch von der Freiwurflinie blieben einmal mehr zu viele Punkte liegen. Beides monierte auch der Coach nach dem Spiel. Plus: Fehlende Intensität nach der Pause. Einmal mehr haben es die Baskets nicht geschafft, über vierzig Minuten lang Vollgas zu geben. Und das, obwohl genau darauf spätestens seit Freitag der extreme Fokus in der Vorbereitung lag.

Das Ende der Misere ist weiter nicht in Sicht. Es muss ein Sieg her – wie auch immer. Trento am Mittwoch auswärts, dann Ludwigsburg am Wochenende ebenfalls in fremder Halle und in der kommenden Woche Nanterre in heimischen Dome. Kein Fallobst, das in den nächsten Tagen auf dem Programm steht.

Die Baskets müssen nicht nur Sicherheit gewinnen, sondern vor allem auch eines der nächsten Spiele. Im Eurocup könnten sie theoretisch befreit aufspielen. Ob das genug Selbstvertrauen freisetzt, um wieder vierzig Minuten gehen zu können, kann man nur hoffen.

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Gesprächsbedarf

© Sebastian Derix

Der Dome hatte sich schon merklich geleert. Johannes Voigtmann gab strahlend dem Fernsehen das übliche Siegerinterview. Jimmy McKinney und Andrej Mangold hingegen hatten noch anderweitig Gesprächsbedarf. Angeregt diskutierten der Verteidigungsminister und der Distanzspezialist über die vergangenen vierzig Minuten. Und sie sahen dabei nicht glücklich aus. Verständlich, hatten sich die Telekom Baskets doch fast ein komplettes Spiel lang vorführen lassen.

Als vor der Mannschaftspräsentation die Pyramide des Danceteams zusammenbrach, hatte sich schon angedeutet, dass es ein Spiel zum Vergessen werden würde. Dass die Baskets dann fast fünfeinhalb Minuten brauchten, um per Freiwurf den ersten Punkt zu markieren, machte den Tag endgültig zu einem gebrauchten. Der Frankfurter Zug rollte längst auf Hochtouren. Bonn kam nicht mehr hinterher. Von einer Sequenz nach der Halbzeit abgesehen, als Mangold zum Angriff blies. Leider zog kaum einer seiner Mitspieler am gleichen Strang, was den Funken der Bonner Hoffnung gleich wieder erlöschen lies.

Viel Hoffnung auf Besserung machte an diesem Abend wenig. Geno Lawrence zum Beispiel. Neun Assists, acht Rebounds und sieben Punkte sind verdächtig nahe an einem Triple-Double. Man mag sich gar nicht vorstellen, wo die Baskets ohne ihren Spielmacher stehen würden. Auch Tadas Klimavicius mit 16 Punkten und fünf Rebounds brachte eine ordentliche Leistung. Und Aaron White schultert die ihm nach der Verletzung Philmores übertragene Verantwortung in Anbetracht seines jungen Alters bravourös (12 Punkte, sechs Rebounds). Andrej Mangold war der Initiator der kurzen Aufholjagd nach der Pause und Michael Chylinski kommt ganz wirklich sehr langsam ins Rollen.

Ansonsten war da viel Schatten. Und Ratlosigkeit. Auch beim Trainer. „Bei uns muss sich grundsätzlich etwas ändern. Wir haben zu viele Baustellen, von denen ich nach dem Eurocup-Spiel in Oldenburg dachte, dass wir einen Schritt nach vorn gemacht hätten. Wir haben gut trainiert, deshalb verstehe ich nicht, warum wir uns heute 35 Minuten haben vorführen lassen“, meinte Coach Mathias Fischer. Wenn sie Glück hat, kommt die Mannschaft sogar um eine Videoanalyse des Spiels herum: „Aus diesem Spiel möchte ich am liebsten gar nichts mitnehmen, ich bin nicht mal sicher, ob ich den Spielern noch einmal die Clips zeigen werde.“

Ob das des Pudels Lösung ist, mag trefflich diskutiert werden. Natürlich müssen die heutigen Fehler angesprochen werden. Andererseits scheint die Mannschaft so verunsichert, dass ein großer Batzen Watte vielleicht den besseren Effekt verspricht. In vielen Gesprächen will der Trainer versuchen, seine Mannschaft wieder aufzubauen. Olli Kahn forderte einst in einer Krisensituation Eier von seinen Mannschaftskameraden. Dass er backen wollte, darf bezweifelt werden. Auch die Baskets sollten die Weihnachtsplätzchen noch auf die lange Bank schieben. Die Produkte vom Federvieh würden aber dennoch sicher nicht schaden.

Ein halb-offenes Spiel gegen den MBC

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Nach der Auftaktniederlage in Crailsheim hingen bei einigen Anhängern der Telekom Baskets schon wieder die Haussegen schief. Ein paar davon konnten mit dem Sieg im ersten Heimspiel der Saison gegen den Mitteldeutschen BC wieder gerade gerückt werden. Gegen einen phasenweise doch recht schwachen Gegner wurde aber auch klar, dass sowohl die Haussegen als auch das Defensivgerüst auf dem Bonner Hardtberg noch einiger Stellschrauben bedarf.

Offensiv gingen die Baskets schon sehr beherzt ans Werk. Im ersten Viertel ließen sie bei den Gästen erst gar keinen Zweifel daran aufkommen, wer im Telekom Dome der Hausherr ist. Auch Viertel zwei zeigte zunächst ein Bonner Team im sportlichen Vorwärtsgang. Vor allem Isaiah Philmore wusste zu gefallen. Der Deutsch-Amerikaner brachte es bis Spielende auf 14 Punkte und sechs Rebounds. Mitte des zweiten Viertels bröckelte der Vorsprung dann auf einmal. Bonn traf falsche Entscheidungen und der MBC auf einmal den Korb. Es schien, als wäre der schöne 23-Punkte-Vorsprung (42:19) ernsthaft in Gefahr. Glücklicherweise fing sich das Team aber noch vor der Halbzeit wieder, sodass es mit immerhin sechs Punkten Vorsprung an den Pausentee gehen konnte.

In Hälfte zwei kontrollierten die Baskets das Spiel dann. „Meine Mannschaft hat gut gekämpft, wodurch die Partie an einem gewissen Punkt zumindest halb-offen war“, meinte Gäste-Coach Silvano Poropat, „Uns haben aber die kleinen Dinge weh getan, die passieren, wenn einige Spieler noch nie auf diesem Level und in solch einer Atmosphäre gespielt haben.“ Sein Kollege Mathias Fischer schlug in die gleiche Kerbe: „Mit einigen Abstrichen war es eine insgesamt gute Partie von uns. Jeder Spieler hat Verantwortung übernehmen wollen und dies auch auf dem Feld gezeigt. Der Einsatz beim Rebound war wichtig und hat dazu geführt, dass wir den Vorsprung nie aus der Hand gegeben haben.“ Hier hatten sich neben Philmore vor allem auch Aaron White (6 Offensivrebounds) und Andrej Mangold (5 Rebounds) hervor getan. Insgesamt dominierten die Bonner die Bretter (43:28 Rbds).

In der Defensive gibt es dagegen noch einiges zu tun. Die Baskets gestatteten zu häufig offene Würfe und einfache Punkte. Vor allem mit der Verteidigung der Distanzwürfe war Coach Fischer noch unzufrieden: „Wir haben dem MBC zu viele offene Dreier gestattet – das muss zukünftig besser werden.“ Aufgrund der holprigen Vorbereitung muss man dem Team noch Zeit geben. Dass es das Potential hat, offensiv für Furore zu sorgen, zeichnete sich allerdings schon ab. Die Defensive muss jetzt erarbeitet werden. Sonst bekommen die Baskets schon in München arge Probleme, weiß auch Andrej Mangold: „Wir konnten in bislang zwei gespielten Partien jedes Mal das Rebound-Duell gewinnen, diese physische Gangart müssen wir am Sonntag in München unbedingt wieder aufs Feld bringen.“

 

Erste Niederlage in Crailsheim

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Es gab positive Ansätze beim ersten Saisonspiel der Telekom Baskets. Tadas Klimavicius zeigte, dass er das Basketballspielen nicht verlernt hat. 21 Punkte mache der Litauer. Zudem holte er sechs Rebounds. Auch Geno Lawrence zeigte, dass die Saison losgehen kann. Und selbst wenn ihm in der Offensive einiges missglückte, so war auch Florian Koch bei seinem Starting Five Einsatz ein Lichtblick bei den Bonnern. Vor allem sein Dreier wenige Sekunden vor Schluss, der die Baskets im Spiel hielt, zeigte, dass das Standing des Eigengewächses sich deutlich verbessert hat. Aaron White ließ auch immer wieder sein Talent aufblitzen. Vor allem mit seiner Schnelligkeit wird er noch die ein oder andere Abwehrreihe vor Probleme stellen.

Dass es am Ende dennoch nicht für einen Sieg in Crailsheim gereicht hat, lag unter anderem auch daran, dass defensiv noch einiges im Argen war. Zwar zeigten die Bonner über weite Strecken viel Einsatz, an mannschaftlicher Geschlossenheit schien es aber phasenweise noch zu mangeln. Wirklich verwundern dürfte das nicht, schließlich war die Saisonvorbereitung mit Vaterschaftsfreuden und Verletzungsmiseren doch eher holprig. Im Interview mit dem General Anzeiger bat Coach Mathias Fischer um Geduld. Das Team werde Zeit brauchen, sich zu finden. Das wurde im ersten Saisonspiel noch einmal deutlich. Vor allem bei Xavier Silas. Die letzte reguläre Spielerverpflichtung der aktuellen Saison durfte gerade einmal sieben Minuten mitspielen und brachte es auf null Punkte.

Am Mittwoch steht jetzt das erste Heimspiel der Saison an. Um 20 Uhr empfangen die Baskets den Mitteldeutschen BC im Telekom Dome. Allzu groß ist der Druck noch nicht. Dennoch sollte das Spiel gewonnen werden, um nicht zu früh Unruhe aufkommen zu lassen. Offensiv scheint es bei den Bonnern schon zu funktionieren, auch wenn die Dreier mal nicht fallen (5/24). Trotz gewonnenen Rebound-Duells ist aber gerade in diesem Bereich noch das ein oder andere zu verbessern.

Baskets holen McKinney

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Es steht im Augenblick nicht allzu gut um die Adduktoren von Michal Chylinski. Der neue Guard der Telekom Baskets hat deshalb schon die Europameisterschaft verpasst. Jetzt ist klar, dass er auch beim Saisonstart in die BekoBBL fehlen wird. Die Bonner haben deshalb reagiert und einen Routinier an den Rhein geholt. Jimmy McKinney erhält bei den Baskets einen Vertrag bis Anfang November. Er wird am Montag in Bonn erwartet.

Bei der offiziellen Mannschaftspräsentation am späten Nachmittag war der Amerikaner also noch nicht dabei. Dennoch gab es Vorschusslorbeeren von Coach Mathias Fischer: „Jimmy bringt ein hohes Maß an Erfahrung mit und ist genau der Spielertyp, den wir gesucht haben.“ Zuletzt hatte es geheißen, man müsse bei Chylinski von Tag zu Tag schauen, wie sich die Verletzung entwickelt. Verschlimmern könne sie sich allerdings nicht.

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Da es bis zur vollständigen Genesung aber noch dauert, mussten die Baskets jetzt reagieren, so Fischer: „Nach umfangreichen Medizin- und Athletiktests haben wir einen konkreten Zeitplan bezüglich der Rehabilitationsdauer. Für genau diese Dauer haben wir jemanden gesucht, der uns vom Fleck weg helfen kann und personelle Stabilität gibt.“ Und da kam der 32-jährige BBL-Veteran ins Spiel. Sechs Jahre Frankfurt, zwei Würzburg und eines in Tübingen hat der Shooting Guard auf dem Buckel.

Gute Nachrichten gibt es bei der Verletzung von Isiah Philmore. Er soll am Wochenende beim Baskets-Cup wieder auf dem Parkett stehen können. Frohe Kunde kommt auch aus Brooklyn: Geno Lawrence ist zum zweiten Mal Vater geworden. Sei Stammhalter trägt den Namen Eugene. Der glückliche Vater soll ebenfalls pünktlich zum Baskets-Cup wieder in Bonn sein. 

 

Aus der Euroleague an den Rhein

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Die Telekom Baskets arbeiten weiter am Team für die kommende Saison. Aus Polen kommt jetzt Michal Chylinski an den Rhein. Der Pole spielte zuletzt sechs Jahre bei PGE Turow Zgorzelec – unter anderem im Eurocup und in der Euroleague. Er komplettiert die Rotation der Bonner auf den Guard Positionen und soll für die Treffer aus der Distanz sorgen.

Das Bonner Publikum konnte sich schon vor der vergangenen Saison von den Qualitäten des 29-Jährigen überzeugen. Während des Kameha-Cups im Telekom Dome schenkte der Guard den Bonnern 19 Punkte ein. Jetzt soll er der Nachfolger von Benas Veikalas werden. Baskets-Coach Mathias Fischer: „Michal bringt internationale Erfahrung mit und verleiht uns durch seinen starken Wurf viel Feuerkraft von außen. Dank seiner Größe kann er auch zeitweise auf die Position des Small Forwards rücken, was uns noch mehr taktische Variabilität ermöglicht. “

Nach dem Start seiner Karriere in seinem Heimatland, spielte Chylinski drei Jahre in Spanien. Danach kehrte er in die polnische Liga zurück und wurde 2014 Meister – im vergangenen Jahr spielte er mit Turow dann sogar in der Euroleague. Coach Fische: „Er hat bereits im europäischen Ausland gespielt und möchte nach erfolgreichen Jahren in seiner Heimat den nächsten Schritt machen.“

Bevor Michal Chylinski nach Bonn kommt, steht allerdings noch die Europameisterschaft auf dem Programm. Zur Zeit bereitet er sich mit der Nationalmannschaft auf das Turnier im September vor. Direkt danach wird er zur Saisonvorbereitung am Rhein erwartet.

 

Gelungene erste Spielzeit

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So viel Basketball war noch nie – als die Telekom und BekoBBL-Chef Jan Pommer vor etwas mehr als einem Jahr verkündeten, dass der Bonner Telekommunikationsriese fortan alles Spiele der ersten deutschen Basketballliga übertragen werde, brach ein Teil des Landes in Jubel aus. Kunden der Telekom kamen kostenlos in den Genuss, alle Spiele in HD sehen zu können, alle anderen zahlten zwischen 10 und 15 Euro für den Basketballmonat – für alle Spiele, live und on demand.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten kam das neue Übertragungsschiff in Fahrt. Mit deutlich mehr Aufwand als bisherige Übertragungen wurde Telekom Basketball zu einem Erfolgsprodukt. Mit 70.000 Abonnenten habe man die Erwartungen an das erste Jahr mehr als erfüllt, lässt die Telekom wissen. Man arbeite jetzt daran, dem Produkt noch mehr Relevanz zu verschaffen, sprich weitere Zuschauergruppen an den Sport mit dem orangenen Leder heran zu führen.

Das geht sicher auch über mögliche Free-TV-Partner. Ein Jahr lang hat Sport1 noch die entsprechenden Übertragungsrechte. Die Telekom muss sich überlegen, ob sie weiter mit den Münchenern arbeiten will, oder ob der Schritt ins öffentlich-rechtliche Fernsehen möglich ist. Zuletzt war der Basketball in der ersten Fernsehetage allerdings regelmäßig durchgefallen.