Rock ohne Ring im Revier

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Schon seit einigen Tagen sahen Rockfans in der Eifel den Schein einer großen Turnhalle hinter der Nürburg auftauchen. Jetzt ist die Burg weg und die Arena auf Schalke da. Das „Grüne Hölle Rock“-Festival zieht ins Ruhrgebiet und heißt jetzt „Rock im Revier“. Grund sind die Streitigkeiten zwischen Konzertveranstalter DEAG und Ringbetreiber Capricorn. Der eine will alle Vorschüsse für die Bands bezahlt haben, der andere macht unzureichende Veranstaltungswerbung geltend.

Das Ruhrgebiet jubelt, die Netzgemeinde eher so gar nicht. Vor allem für internationale Gäste dürfte eine so kurzfristige Umbuchung von Flügen mächtig ins Geld gehen. Auch Hotel- und Pensionsbetreiber in der Eifel werden nicht amüsiert sein, dass nach der Formel 1 auch das nächste Mega-Event vom Ring abzieht. Es wird ruhig rund um die Nürburg. Manch Bonner Lärmmotzki hätte seine helle Freude.

Auch perspektivisch – denn Marek Lieberberg ist für mindestens fünf Jahre an Mendig gebunden, mit einer Option auf weitere fünf Jahre. Und dass DEAG und Capricorn sich noch einmal zusammenraufen, ist eher unwahrscheinlich. 29 Jahre hatte vieles gut funktioniert mit Ring und Musik – jetzt scheint das Ende der Fahnenstange erreicht.

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Wende im Namensstreit?

© Sebastian Derix

Im Streit um die Namensrechte des Festivals Rock am Ring scheint sich das Blatt erneut zu wenden. Wie verschiedene Medien berichten, habe das Oberlandesgericht in Koblenz angedeutet, dass Konzertveranstalter Marek Lieberberg den Namen möglicherweise doch ohne Zustimmung des neuen Ringbesitzers, der Firma Capricorn, verwenden darf. Eine einstweilige Verfügung dagegen könnte aufgehoben werden. Im Juni hatte das Landgericht in Koblenz entschieden, dass die Rechte bei beiden Parteien liegen. Deshalb sei es nicht erlaubt, dass Lieberberg ohne Capricorn-Zustimmung an anderer Stelle (Mönchengladbach) ein Festival mit diesem Namen veranstaltet.

Nachdem heute die Verhandlung am Oberlandesgericht gestartet ist, stellten die Richter in Aussicht, dass das Urteil am Freitag zugunsten Lieberbergs ausfallen könnte. Es habe neue Erkenntnisse und eidesstattliche Versicherungen gegeben, die bei der Entscheidung im Juni noch nicht vorgelegen hätten. Sowohl der ehemalige Geschäftsführer des Nürburgrings, Friedhelm Demandt, und Konzertveranstalter Matthias Hoffmann bestätigten Lieberbergs Aussagen, dass er „Erfinder“ von Rock am Ring sei, und dass es Absprachen gegeben habe, die Rechte dauerhaft bei der Veranstaltergruppe Mama Concerts zu belassen.

Sollte es Ende der Woche zu dieser Entscheidung kommen, werde man die Begründung genau prüfen, sagte ein Vertreter des Ringsanierers Capricorn der Nachrichtenagentur DPA. Ob es dann zu einer Klage komme, sei demnach noch völlig unklar.  Die Rechte für das Merchandising lägen ohnehin bei Capricorn, so der Sprecher. Es scheint also unwahrscheinlich, dass Lieberberg ein Festival ausrichtet, für das eine andere Firma T-Shirts und Tassen verkaufen darf.

Neuer Ärger am Ring?

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Der „Kleinkrieg“ zwischen Konzertveranstalter Marek Lieberberg und den neuen Besitzern des Nürburgrings um die Namensrecht am Festival „Rock am Ring“ beschäftigt Fans und Freunde des Festivals jetzt seit einigen Wochen. Ausgebrochen war der Streit, weil die Firma Capricorn, die den Ring gekauft hat, die Verträge mit Lieberberg gekündigt hatte und jetzt ein eigenes Festival veranstalten will. Wie die WirtschaftsWoche jetzt herausgefunden hat, könnte aber die ganze Geschichte eine neue Wendung nehmen. Es scheint fraglich, ob der Verkauf des Nürburgrings an den Autozulieferer Capricorn rechtens war.

Er könnte im Konflikt mit Europarecht stehen. Aus diesem Grund haben vier Mitbewerber Capricorns Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die sollte den Verkauf/Kauf genehmigen, hat das aber bislang immer verschoben. Vor allem eine US-Firma setzt nach WiWo-Angaben alle Hebel in Bewegung, um den Nürburgring selbst kaufen zu können. Aber auch der ADAC ist mit dem Ausgang des Verkaufs unzufrieden – verständlich, hatte er sich doch selbst um den Nürburgring bemüht.

Der Vorwurf lautet in erster Linie, dass die Vergabe nicht transparent und frei von Benachteiligungen abgelaufen sei. Die Kommission schweigt bislang dazu. Sie verlässt sich offenbar auf die Angaben der Insolvenzverwalter, schreibt die WiWo. Wie es mit der Genehmigung des Verkaufs weitergeht, steht aktuell wohl in den Sternen. Sollte Capricorn den Ring nicht rechtmäßig zugesprochen bekommen haben, stünde ein Rechtsstreit an, der sich über Jahre hinziehen könnte. Capricorn wäre laut WirtschaftsWoche dann höchstens Pächter des Rings.

Ob und wenn ja welche Auswirkungen das alles auf den Streit um Rock am Ring und auf die Organisation eines eigenen Festivals hat, vermag ich nicht zu beurteilen (Juristen vor!). Es scheint aber so zu sein, als kehre in der beschaulichen Eifel noch lange nicht Ruhe ein.

Urteil im Namensstreit

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Die neuen Ringherren haben (vorerst) gewonnen: Marek Lieberberg darf ohne ihre Zustimmung kein Festival unter dem Namen „Rock am Ring“ veranstalten. Mit dieser Entscheidung folgte das Landgericht Koblenz heute einer Tendenz, die es schon vor einer Woche angedeutet hatte. Die Begründung: Rock am Ring als Festival gibt es schon länger, als es als Marke beim Patentamt eingetragen und damit geschützt ist. Das „Werk“ Rock am Ring, also eine Festivalserie, ist also schon länger geschützt, als die Marke.

Kling kompliziert, ist es auch. Das Gericht bestreitet dabei nicht, dass die Idee zum Namen und auch zum Festival von Marek Lieberberg stammen. Das darf er auch weiter behaupten. Allerdings seien der Ring und er immer als gemeinsame Veranstalter aufgetreten und in der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen worden. Außerdem sei es irrelevant, dass sich Lieberberg und seine Agentur als Veranstalter um Planung und Booking gekümmert hätte.

Lieberberg legte in einer Erklärung noch einmal Wert darauf, dass die Urheberschaft mit diesem Urteil endgültig geklärt sei. Die Namensentscheidung sei aber für ihn nur eine vorläufige. Er wird also aller Voraussicht nach in Berufung gehen, sein Anwalt sagte, er werde die Urteilsbegründung genau prüfen. Ob sich Lieberberg und Ringverwalter finanziell einigen und Lieberberg den Namen dann doch weiter verwenden darf, wie es die Richterin angeregt hatte, ist fraglich. Viel wahrscheinlicher ist, dass, sollten auch alle weiteren Gerichte die heutige Entscheidung bestätigen, das Festival im kommenden Jahr Rock im JHQ oder Rock auf dem Airfield in Mendig heißen wird.

Rock am Ring oder nicht – noch keine Entscheidung

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Im Streit um die Namensrechte an der Marke „Rock am Ring“ standen sich heute die beiden Gegner vor dem Landgericht Koblenz gegenüber. Die neuen Ringherren, die Firma Capricorn, und der Insolvenzverwalter wollen Ex-Veranstalter Marek Lieberberg per einstweiliger Verfügung verbieten, den Namen Rock am Ring weiter zu nutzen. Lieberberg selbst sagt, er sei der alleinige Rechteinhaber und habe damit auch die Entscheidungsfreiheit, was er damit mache.

Das Gericht deutete in der Verhandlung heute an, es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass die Rechte alleine bei einer Person, also Lieberberg, liegen könnten, sagte Gerichtssprecher Ludger Griesar. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass die „Erfindung“ von Rock am Ring eine Gemeinschaftsproduktion der damaligen Veranstalter und der Verwalter des Nürburgringes gewesen sei. Dann aber kam Lieberberg und brachte neue „Beweismittel“ mit. Die Tendenz die Verfügung zuzulassen hatte sich vorerst erledigt.

„Das Gericht unter der Vorsitzenden Ingrid Metzger sah die Notwendigkeit, die Situation neu zu bewerten“, so Griesar. Eine Entscheidung soll jetzt am nächsten Montag fallen. Möglich sei aber auch, dass das Gericht dann noch immer nicht zu einem Urteil kommt. Gegen eine Entscheidung könnten dann natürlich immer noch Rechtsmittel eingelegt werden. Ob der Namensstreit bis zum Ortstermin von Lieberberg mit den Verantwortlichen in Mönchengladbach Mitte Juli beendet ist, darf getrost bezweifelt werden.

 

Auf in die nächste Runde

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Als Marek Lieberberg bei der Fragestunde in Mönchengladbach Anfang der Woche mehrmals von „Rock im JHQ“ sprach, mochte man noch meinen, er habe sich entweder vertan oder verplappert. Was den Namen angehe, sei er derzeit in einem Denkprozess, der noch nicht abgeschlossen sei, sagte er nach der Veranstaltung. Noch zwei Tage vorher – am Nürburgring – hatte er darauf gepocht, dass es auch im kommenden Jahr wieder ein Rock am Ring-Festival unter seiner Regie geben werde. Die Namensrechte lägen ganz allein bei ihm, der ehemalige Mitveranstalter, Marcel Avram, habe ihm per Mail zugesichert, dass er der Erfinder von Namen, Location und überhaupt gewesen sei.

Jetzt scheint klar, dass die neuen Ringherren das anders sehen. Sie wollen verhindern, dass Lieberberg den Namen „Rock am Ring“ weiter nutzt, sie beantragten eine einstweilige Verfügung. Die Schlammschlacht um Ring, Festival und Künstler ist längst in der nächsten Runde. Lieberberg kontert mit völligem Unverständnis. Vielmehr verdrehten capricorn und Co die Tatsachen, wenn sie meinten, an den Namensrechten habe auch der Ring Anteile.

Am 23. Juni wird man sich in Koblenz vor Gericht wiedersehen. Das zerschnittene Tischtuch wird also noch eine Weile für Aufregung sorgen. Und Lieberberg hat schon einen neuen Pfeil im Kampf gegen die Grüne Hölle aus dem Köcher gezogen: Sollte sein Plan, das Festival im kommenden Jahr in Mönchengladbach auf die Beine zu stellen, scheitern, hat er den alten Flughafen in Mendig als Veranstaltungsgelände ins Auge gefasst. Sollte es soweit kommen, wird wohl maximal eines der beiden Festivals das Jahr 2016 sehen. Mendig und der Ring – beide Lokalitäten sind nur rund 35 Kilometer voneinander entfernt. Zwei Großveranstaltungen würden um das selbe Publikum buhlen. Das kann nicht gut gehen.

Die Schlacht wird wohl noch einige Zeit für Spannung im Sommerloch sorgen. Ob am Ende eine Partei als Sieger daraus hervor geht, wird der Kartenvorverkauf zeigen. Die Veranstalter der Grünen Hölle wollen damit im September beginnen, auch erst dann das Line Up bekannt geben. Lieberberg versprach, die Headliner Mitte Juli beim nächsten Treffen in Mönchengladbach zu präsentieren. Wenn dann Planungssicherheit besteht, kann er zeitnah mit dem Verkauf der Tickets beginnen.

Das Ende einer Ära

© Sebastian Derix

Es begann mit einer kurzen DPA-Meldung am Mittag: Rock am Ring findet in diesem Jahr zum letzten Mal am Nürburgring statt. Das hatte gesessen. Das erste Festival meiner Jugend, bei dem ich seit einigen Jahren auch wieder regelmäßiger (Arbeits-)Gast war, wird seinen 30. Geburtstag im kommenden Jahr nicht erleben. 21 Jahre nach meinem ersten Besuch sollte der letzte in der kommenden Woche anstehen.

Wie das immer so ist mit Eilmeldungen, entwickelte sich daraus natürlich deutlich mehr. Pressemitteilung folgte auf Pressemitteilung. Gescheitert ist das Festival am lieben Geld, woran auch sonst. Darin immerhin sind sich Veranstalter Marek Lieberberg und die neuen Nürburgring Betreiber einig. Autozulieferer Capricorn wollte mehr Geld, von noch einmal 25% mehr vom Gewinn spricht Lieberberg. Das sei wirtschaftlich nicht machbar, so der Veranstalter, zumal der Ring schon jetzt der teuerste Veranstaltungsort in Deutschland sei.

Bedeutet das also das Aus für das Festival? Wohl nicht. Sechs Optionen habe man, so Lieberberg. Das Festival werde auch im kommenden Jahr stattfinden. Wo sei aber noch unklar. Eine Entscheidung soll zügig nach der diesjährigen Veranstaltung fallen. Spekuliert wird über der Lausitzring, der Hockenheimring, an dem Lieberberg schon das Rock´n´heim Festival organisiert, soll zumindest nicht erste Wahl sein.

Der Autozulieferer meldete dann im Laufe des Tages, dass man künftig ein eigenes Rockfestival am Ring veranstalten werde. Für die Zuschauer solle es keinen Unterschied geben, vom Namen einmal abgesehen. Man gehe davon aus, dass weiterhin internationale Stars ihren Weg in die Eifel fänden. Schon am kommenden Dienstag will man dazu einen neuen Veranstalter präsentieren, noch vor dem diesjährigen Festival. Das passt so gar nicht zu Lieberbergs Darstellung, dass die Entscheidung erst heute morgen gefallen sei. Dem widerspricht Capricorn deutlich. Man habe den Vertrag mit den Veranstaltern schon im Januar gekündigt.

Warum kommt das Ende des Festivals in seiner aktuellen Form also gerade heute an die Öffentlichkeit? Bei Capricorn zeigte man sich überrascht. Es wäre nicht abgesprochen gewesen, das Aus heute zu veröffentlichen. Lieberberg war es wohl, der sich an die DPA wandte und für Öffentlichkeit sorgte. Aus seiner Sicht verständlich: Rock am Ring 2014 startet in sechs Tage und ist noch nicht ausverkauft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zudem ist ihm jetzt die Aufmerksamkeit sicher.

Im kommenden Jahr steigt am Nürburgring also ein neues Festival. Davon sind zumindest die neuen Herren am Ring überzeugt. Da aber Zulieferfirmen der Automobilbranche nicht generell als große Konzertveranstalter bekannt sind, darf man zumindest daran zweifeln, ob die Veranstaltung die gleiche Strahlkraft hat, wie sie sich Rock am Ring in fast 30 Jahren erarbeitet hat. Marek und Andre Lieberberg sind seit Jahrzehnten im Geschäft. Sie verstehen ihr Handwerk als Konzertveranstalter. Viele ähnlich große Namen gibt es in Deutschland nicht.