Kunst!Rasen 2017

Die neue Kunst!Rasen-Saison ist gestartet. Drei Konzert in drei Tagen: Passenger, Brings und die 257ers. Ich durfte einmal mehr ein paar Fotos schießen. Hier ist eine kleine Auswahl:

Rock ohne Ring und ohne Lieberberg

© Sebastian Derix

Ich habe in den vergangenen Jahren die Irrungen und Wirrungen um Deutschlands berühmtestes Rockfestival einigermaßen aufmerksam verfolgt. Nicht nur einmal saß ich dabei kopfschüttelnd vor dem Rechner und habe nicht verstanden, was Veranstalter-Urgestein Marek Lieberberg bei der ein oder anderen Entscheidung geritten hat. Am Ende war aber egal wer oder was geritten wurde, Rock am Ring war in jedem Jahr ein riesiger Erfolg.

Daran änderten auch der Abschied vom Nürburgring, die Kämpfe vor Gericht um Namens- und Merchandise-Rechte oder der Blitzeinschlag und das Camping-Chaos auf dem neuen Gelände in Mendig nichts. Man hatte den Eindruck, dass Rock am Ring und die Familie Lieberberg gemeinsam alles überstehen könnten. Und genau deshalb schien bislang auch jede Entscheidung einen gewissen Sinn zu ergeben – wenn auch manchmal erst nachträglich.

Jetzt aber habe ich mir vor lauter Kopfschütteln schon fast ein Schleudertrauma zugezogen. Marek Lieberberg verlässt seine eigene Firma, packt seinen Sohn unter den Arm und wechselt zum kommenden Jahr zum amerikanischen Veranstaltungskonzern Live Nation. Er wird CEO des neu gegründeten deutschen Ablegers der Amerikaner, Sohn Andre wird Präsident von Live Nation Germany. Der Wechsel von CTS Eventim (dem Konzern hinter der Marek Lieberberg Konzertagentur – MLK) zu Live Nation eröffnet ihm ganz neue Möglichkeiten, so Lieberberg in einer Erklärung: „Ein Teil von Live Nation zu sein, ist der Traum eines jeden Veranstalters“, wird der 69-Jährige in einer Presseerklärung zitiert.

Sein Baby aber, das Festival, das er aus der Taufe gehoben und mit dem er sogar den schmerzhaften Ortswechsel vollzogen hat, bleibt auf der Strecke. Rock am Ring (und auch Rock im Park) werden weiter von CTS Eventim bzw. MLK veranstaltet. Der Name Lieberberg steht weiter drauf, es steckt nur kein Lieberberg mehr drin.

Ein Veranstalterkollege erklärte gestern, er könne den Schritt verstehen. Um ihn zu erklären, wäre sicher mehr als eine Stunde Zeit nötig. Der Zugriff auf nahezu alle Künstler der Welt macht wohl für Marek Lieberberg den großen Reiz der neuen Aufgabe aus. Dass dabei „der Ring“ aufgegeben werden muss, scheint ein notwendiges Übel zu sein.

Es wird spannend werden, zu sehen, wie sich das Festival entwickelt. Wer bucht jetzt die Künstler? Wird die Lieberbergsche Philosophie fortgesetzt? Gibt es ohne Lieberberg vielleicht doch eine Rückkehr an den Nürburgring? Oder stirbt nach dem faktischen Tod des Grünehöllerockimpottwasauchimmerkonzertwochenendes auch der Gigant am deutschen Festivalhimmel? Können sich Eventim und Live Nation vielleicht sogar auf eine Zusammenarbeit einigen, die die Lieberbergs weiter an Rock am Ring bindet? Denk ich an den Ring, sehe ich zur Zeit nur Fragezeichen.