Das Ende eines Missverständnisses

Zwei Tage vor Ende der Transferphase in der Fußball-Bundesliga hat die Gladbacher Borussia ein teures Missverständnis (vorerst) beendet. Luuk de Jong wechselt auf die Insel zu Newcastle United – zunächst auf Leihbasis. Die Briten sicherten sich allerdings eine Kaufoption für den Sommer. Damit wechselt Mönchengladbachs teuerster Einkauf der Bundesligageschichte, ohne jemals die Chance gehabt zu haben, sein Können zu zeigen.

Der Königstransfer von Max Eberl scheint damit ein Reinfall gewesen zu sein. Und doch ist es nicht ganz so einfach. Zwar wollte Eberl den Spieler unbedingt, war von dessen Qualitäten überzeugt, aber auch Trainer Lucien Favre war mit der Verpflichtung des Niederländers einverstanden. Eine echte Chance hatte de Jong aber nicht. Viel zu selten stand er auf dem Platz, meist nur als zweiter oder dritter Einwechselspieler kurz vor Ende des Spiels. Nach der Verpflichtung von Raffael und Max Kruse vor der Saison, sanken seine Chancen auf einen Stammplatz ins Bodenlose.

Aber wer ist Schuld, dass de Jong in Mönchengladbach (vorerst) gescheitert ist? Ist es der Spieler, der sich nicht in das System des Trainers integrieren konnte? Hat der Sportdirektor zu lange um einen Mann gekämpft, der nicht wirklich in das System des Trainers passen konnte? War der Trainer nicht in der Lage oder Willens, einen Spieler in sein System zu integrieren, weil er nicht so recht passte?

Vermutlich ist es ein Stück von allem. Den Spieler trifft allerdings wohl die geringste Schuld. Immer wieder bekannten Trainerteam und sportliche Leitung, dass de Jong professionell arbeite, sich nicht hängen lasse und niemals schlechte Stimmung ins Team gebracht habe. Das ist vorbildlich. Das ist professionell. Und das ist längst nicht mehr alltäglich bei den Profis „von heute“.

Jetzt bekommt er also die Chance, sich auf der Insel zu zeigen. Er kann Spielpraxis sammeln – oder es zumindest versuchen. Und wenn er in England zeigt, was er kann, steht einem endgültigen Wechsel nichts im Wege. Damit dürfte sich dann der finanzielle Verlust der Borussia auch in Grenzen halten. Schafft er den Durchbruch nicht, kommt de Jong im Sommer zurück nach Mönchengladbach. Dann wird man sehen müssen, wie und wo es für ihn weitergeht.

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