Baskets stolpern auch gegen Göttingen

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Hätte man sich vor dem Spiel der Telekom Baskets am Sonntagnachmittag einen Spieltag malen dürfen, er hätte vermutlich ziemlich so ausgesehen, wie er es tatsächlich tat. Alle, aber auch wirklich alle direkten Konkurrenten um die Playoff-Plätze, unter anderem auch um den begehrten Platz fünf, waren gestrauchelt und hatten ihre Spiele verloren. Es war eine Art Elfmeter ohne Torwart, den die Baskets nur noch verwandeln mussten. Das ging schief. Hätte der Telekom Dome kein Dach, der Ball wäre vermutlich irgendwo in der Innenstadt runter gekommen, so dermaßen hatten sie das Tor verfehlt.

Es lief von Anfang an nicht viel zusammen bei den Bonnern. Sie wirkten gehemmt. Es schien, als kämen sie mit dem Druck, Platz fünf unbedingt erreichen zu wollen, nicht klar. Es mangelte an Konzentration und Genauigkeit in vielen Aktionen. Der Einsatz war bei den meisten Spielern da, er lief nur viel zu häufig ins Leere. Das Teamspiel, dass die Mannschaft vor allem in engen Phasen in dieser Saison ausgezeichnet hatte, scheint irgendwann in der Schlussphase des verlorenen Europe Cup-Halbfinales abhanden gekommen zu sein. Zu viele Einzelaktionen prägten die Crunchtime. Die meisten waren nicht erfolgreich. Bonn stolperte einmal mehr.

Dass die Baskets mal wieder an der ein oder anderen Linie schwächelten, kam zum ohnehin anwesenden Übel dazu. Aus dem Dreipunktland fiel gerade einmal ein Viertel der Würfe auch in den Korb. Und auch die 69 Prozent Freiwurfquote trugen nicht gerade zur Sicherheit der Schützen bei. Und so wurde die Entscheidung über den Einzug ins Viertelfinale vertagt. Die schon vorher angepriesenen Playoff-Shirts mussten in den Kartons bleiben. Das große Zittern droht. In Gießen am Freitagabend und am kommenden Montag gegen Oldenburg stehen echte Endspiele an.

Es wird Zeit, dass das Team sich wieder findet. Sich und die Ruhe, die es schon mehrfach in wichtigen Spielen ausgezeichnet hat. Die fünf muss aus dem Kopf. Wichtig ist, den Einzug in die Playoffs zu sichern. Dass dabei, im Idealfall, ebenjener fünfte Platz herausspringt, wäre ein Zubrot. Er sollte allerdings vorerst aus den Köpfen der Spieler verbannt werden. Julian Gamble sagte nach dem Spiel, das Team sei bereit. Den Nachweis können er und seine Mitspieler am Freitag erbringen.

Das war nix

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Ostern. Das dickste Ei selbst ins Nest gelegt. Vergeblich nach der Defense gesucht. All das spare ich mir an dieser Stelle. Ein einfaches: „Das war nix“ soll es auch tun. Die Telekom Baskets haben auch das Rückspiel gegen Braunschweig verloren. Im Kampf um Platz fünf ein herber Rückschlag, auch wenn die Bonner es noch immer selbst in der Hand haben, die Platzierung zu halten. Mit drei Siegen aus den noch anstehenden drei Spielen wäre das der Fall. In der Form von Ostermontag eine Herkulesaufgabe. Die scheint es auch zu sein, Ryan Thompson seine Beckenprellung auszutreiben. Einmal mehr musste der Amerikaner aussetzen. Für ihn stand Jamarr Sanders im Kader.

Das Spiel selbst begann kurios. Braunschweig warf und traf nur von außen, Bonn nur von innen. In abgeschwächtem Ausmaß blieb das auch für den Rest der Spiels der Fall. Auf Seiten der Baskets fielen zu wenige Distanzwürfe – und Distanz meint in dem Fall auch die Freiwurflinie (30%/64%). Die Hausherren hingegen gingen mit der 60%-Quote aus dem Dreipunktland und einer 77-prozentigen solchen von der Linie aus der Partie.

Bonn rannte folgerichtig fast das ganze Spiel einem Rückstand hinterher. Irgendwann setzte sich der Frust durch. Und die Erkenntnis, dass mit einer solch schwachen Leistung nichts zu holen sein würde. Allein, ein möglicher Leistungsschub schien nicht in Frage zu kommen. Der BasketsSpirit, der gerade dieses Team fast die komplette Saison ausgezeichnet hatte, war irgendwo auf der A2 im Stau stecken geblieben. Was blieb waren Durchhalteparolen. „Die nächsten drei Spiele müssen gewonnen werden.“ Richtig.

Achtbar gekämpft

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Dass es für die Telekom Baskets beim Auswärtsspiel in München schwierig werden würde, einen Sieg einzufahren, war schon lange vor der Partie klar. Als dann kurzfristig auch noch Kapitän Josh Mayo wegen eines Trauerfalls in der Familie ausfiel, verschwanden die Chancen auf der Rückseite des Papiers. Dennoch zeigten die verbliebenen Mannen von Coach Predrag Krunic, dass sie die Reise nach München nicht nur des Sightseeings wegen angetreten hatten. In der Anfangsphase fanden sie immer wieder Julian Gamble in Korbnähe. Dieser bereitete den Hausherren gehöriges Kopfzerbrechen.

Im Laufe der Partie übernahmen die Bayern allerdings das Heft des Handelns – und das des Punktens  gleich mit. Bis zu 21 Punkte betrug der Bonner Rückstand Mitte des dritten Viertels. Dann aber zeigten die Baskets einmal mehr, dass sie eine gehörige Portion Kampfes- und Siegeswillen ihr Eigen nennen. Kleinere Schwächephasen der Hausherren nutzten sie gnadenlos aus. Der Rückstand der Bonner schmolz – bis auf vier Punkte kamen sie wieder heran.

Am Ende setzte sich aber die Qualität der Bayern und die Tiefe ihrer Bank durch. Die Aufholjagd der Baskets hatte zuviel Kraft gekostet, dass sie noch in der Lage gewesen wären, den entscheidenden Schritt zu machen. Mit 84:72 gewannen die Münchener schlussendlich. Auf dem Papier ein erwartbares Ergebnis, aber eines, bei dem sich die Baskets sehr ordentlich verkauft hatten.

Schon am Ostermontag geht der Kampf um Platz fünf weiter. Dann müssen die Bonner in Braunschweig antreten. Josh Mayo wird dann wieder dabei sein. Die Baskets können also mit ihrem Spielmacher versuchen, die Pleite aus dem Hinspiel wett zu machen. Hochball ist um 18 Uhr.

Wichtiger Sieg trotz unschönem Spiel

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Aller Anfang ist schwer. Der des Spiels der Telekom Baskets gegen Science City Jena ganz besonders. Zwar stand Ryan Thompson erstmals nach seiner Verletzung wieder im Kader. Zum Gelingen der Anfangsphase konnte er aber in keinster Weise beitragen. Seine Mannschaftskameraden ebenso wenig. Es schien, als habe die Niederlage im Europapokal doch tiefere Gräben in den Gemütern der Baskets hinterlassen. Es lief nicht viel zusammen in den ersten zehn, zwölf Minuten.

Dann ging aber ein Ruck durch die Mannschaft. Offenbar hatten die Männer von Predrag Krunic gemerkt, dass es noch die ein oder andere Aufgabe zu erledigen gab. Mit einem 20:0-Lauf brachten sie die (spärlich besetzte) Halle hinter sich, das Momentum auf ihre Seite und die Führung auch. Was folgte, war kein schönes Spiel. Aber eines, an dessen Ende die Baskets mit 72:61 einen wichtigen Sieg einfuhren.

Angeführt wurden sie einmal mehr von Josh Mayo, der 20 Punkte auflegte und acht Assists gab. Julian Gamble mit 12 Punkten und acht Rebounds und Ken Horton mit neun Zählern und elf Rebounds schrammten nur knapp an einem Double-Double vorbei.

„Jena hat uns in der Anfangsphase mit starker Verteidigung wirklich das Leben schwer gemacht“, bilanzierte Coach Krunic nach dem Spiel. „Im zweiten Viertel konnten wir dann genau die Energie aufs Feld bringen, die es braucht, um solch ein Spiel zu drehen. Vielen Dank an unsere Fans, die heute viel Geduld bewiesen und uns dennoch lautstark unterstützt haben. Die vielen Ballverluste waren ein Stück weit unserem körperlich sehr anspruchsvollen Programm der letzten Wochen mit Spielen gegen Ludwigsburg, Frankfurt und zweimal Nanterre geschuldet.“

Ist es da ein Vorteil, dass die Baskets schon am Donnerstag wieder spielen müssen? Oder ein Nachteil? Florian Koch sieht es pragmatisch: „Wir bleiben ja fast in unserem Rhythmus aus den vergangenen Wochen. Insofern war es gut, dass wir lange europäisch dabei waren. Wir brauchen unsere Routinen für die nächsten beiden Spiele kaum umzubauen.“

 

Baskets klettern auf Platz fünf

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So krümelt der Keks nun mal. Und damit genug der Cookieestik in diesem Text. Denn eigentlich ging es in Frankfurt heute doch um Basketball. Und das so erfolgreich, dass sich ein Blick auf das Spiel lohnt. Und auch darüber hinaus. Denn nach dem denkbar knappen 74:73-Sieg der Telekom Baskets bei den Fraport Skyliners haben sich die Bonner Platz fünf in der Tabelle geschnappt. Das war nur möglich, weil die Oldenburger Baskets sich zuhause gegen ALBA Berlin durchsetzten. Mit einem Spiel und einer Niederlage weniger schoben sich die Bonner also vorerst an den Hauptstädtern vorbei.

Dafür war allerdings ein hartes Stück Arbeit notwendig. Die Baskets kamen nicht besonders gut ins Spiel. Vielmehr stellte die aggressive Defense der Skyliners sie vor einige Probleme. Einzig Julian Gamble konnte schon von Beginn an für etwas offensive Entlastung sorgen. Gegen ihn war auch unter den Frankfurter Körben kein echtes Kraut gewachsen. Die Folge war ein Double-Double aus 20 Punkten und zehn Rebounds.

Gamble zur Seite sprang, wenn auch mit etwas Verspätung, einmal mehr der Mannschaftskapitän. Josh Mayo wurde mit 24 Punkten sogar Topscorer des Spiels. Auch Yorman Polas Bartolo bestätigte erneut seine gute Form. Mit 16 Punkten und vier Rebounds trug auch er entscheidend zum Sieg der Baskets bei.

Bis es soweit war, musste sich das Team aber ein ums andere Mal selbst finden. Zuerst hakte es in der Offensive, dann in der Ballsicherheit, hin und wieder auch beim Glück. Dass die Baskets in dieser Saison aber in der Lage sind, sich durch solche Situationen durch zu beißen, haben sie inzwischen des Öfteren bewiesen. Und so war es auch an diesem Sonntagnachmittag in Frankfurt. Als die Skyliners ihren Anführer Tez Robertson verloren, waren die Bonner da und schlugen zu. Sie nutzten die kurze Phase fehlender Konzentration, um das Momentum in Richtung Rhein zu schicken.

Ab sofort gilt die Konzentration und der ganze Fokus wieder dem Europe Cup. Nach der Sieg im Hinspiel am vergangenen Mittwoch, soll auch am kommenden Mittwoch in heimischer Halle keine Niederlage passieren. Bis dahin steht vor allem Regeneration auf dem Plan. Da schadet es sicher nicht, dass die Heimfahrt aus Frankfurt schon am frühen Sonntagabend abgeschlossen war. Hochball gegen Nanterre ist am Mittwoch um 19.30 Uhr. Es gibt noch ein paar wenige Tickets im Vorverkauf.

Baskets halten Ludwigsburg auf Distanz

© Sebastian Derix

Bestes Frühlingswetter am Sonntagnachmittag, strahlender Sonnenschein über Bonn, Zeit für Hallensport also. Die Telekom Baskets wollten sich gegen den direkten Verfolger aus Ludwigsburg ein leichtes Polster in Sachen Playoff-Qualifikation holen. Dass das schwer werden würde, war schon vor dem Hochball klar. Darauf, dass das Spiel aber bis zum Ende so eng bleiben würde, hätte manch ein Bonner Anhänger vermutlich verzichten können. Am Ende setzten die Baskets aber einmal mehr ein Zeichen im heimischen Telekom Dome (90:86). Als Ken Horton knapp zehn Sekunden vor Spielende seine Punkte 22, 23 und 24 durch die Reuse fliegen ließ, war das Spiel entschieden, die Ludwigsburger Gegenwehr gebrochen. Es wurde das perfekte Geschenk zum 25. Jahrestag der Geburt von Bonns Eigengewächs Flo Koch.

Ken Horton war es, der, zusammen mit Julian Gamble, das Spiel seiner Mannschaft an diesem Nachmittag am meisten prägte. Neben 24 Zählern machte er mit zehn Rebounds sein Double-Double perfekt. Dazu gab er vier Assists. Die hatte auch Gamble auf dem Zettel, dazu fünf Rebounds und starke 20 Punkte. Immer wieder hatte er sich unter dem Korb erfolgreich durch gekämpft und dafür gesorgt, dass sich die Ludwigsburger Verteidigung nicht allein auf die Bonner Distanzschützen konzentrieren konnte.

Einen ordentlichen Schrecken jagte Bonns AllStar Ryan Thompson dem gesamten Dome ein, als er sich zwei Minuten vor Spielende mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Parkett wälzte. Nachdem er einmal unsanft auf der Hüftke gelandet war, bekam er einen weiteren Schlag auf die gleiche Stelle. Mit einer Beckenknochenprellung mussten ihn Physio Bogdan Suciu und Mannschaftsarzt Michael Volkmer vom Parkett in die Kabine geleiten. Über Twitter gab der Amerikaner kurze Zeit später aber schon vorsichtig Entwarnung. Es werde schon nicht so schlimm sein, meinte er hoffnungsfroh.

Ob es aber für einen Einsatz am kommenden Mittwoch reicht, das wird sich zeigen. Dann spielen die Baskets in Nanterre das erste Halbfinalspiel im FIBA Europe Cup. Beim französischen ProA-Ligisten wollen die Bonner sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel eine Woche später im Telekom Dome erarbeiten. Möglicherweise kann dann auch Ojars Silins, der am Sonntag wegen leichter Probleme unter der Woche geschont wurde, wieder auf dem Parkett stehen.

Horton, Gamble, Mayo und Mutti

© Sebastian Derix

Wenn Mutti zu Besuch ist, ist immer was los. So auch dieses Mal. Die dreiunddrölfzigste Auflage der Mutter aller Spiele – dem ewigen Duell zwischen den Telekom Baskets und ALBA Berlin – geriet einmal mehr zu einem wahren Spektakel. Das ging schon mit dem ersten Angriff los, als Yorman Polas-Bartolo mit einem Putback-Dunk zeigte, wo es an diesem Nachmittag lang gehen sollte. Wäre auf dem Hardtberg in diesen Minuten ein Feuer ausgebrochen, es hätte verheerende Folgen gehabt. Die Feuerwehr war im Telekom Dome zu Gast und überrannte die Gäste aus der Hauptstadt förmlich.

Oberbrandmeister war an diesem Sonntag Ken Horton. 31 Punkte legte der Amerikaner auf. Mutti wäre vor Stolz geplatzt, hätte sie nicht noch ausreichend andere Kinder zu loben. Josh Mayo und Julian Gamble lieferten jeweils ein Double-Double ab. Ojars Silins war genau dann da, als er gebraucht wurde. Und Yorman Polas-Bartolo biss einmal mehr in der Verteidigung jedem in die Waden, der Mutti zu Nahe kommen wollte.

ALBA fand einfach kein Mittel. Zu sehr hatte man sich darauf konzentriert, Topscorer Ryan Thompson aus dem Spiel zu nehmen, bestätigte auch Bonn-Rückkehrer Tony Gaffney nach dem Spiel. Für ihn war es ein eher durchwachsenes Spiel. Genau wie für Bonns Neuzugang Jamarr Sanders. Ihm merkte man an, dass er seit Monaten keine Wettkampfpraxis mehr sammeln durfte. Er mühte sich redlich. Zumindest war er kein Fremdkörper. Die Hoffnung, dass er sich zeitnah in die Familie eingliedern kann, ist da.

Am Ende stand ein überragender 95:72-Sieg für Mutti und die Jungs vom Hardtberg. Das Ergebnis reicht für die direkten Vergleiche in den kommenden drei Spielzeiten. Auf dem Weg in die Playoffs war das ein Meilenstein. Mit Muttis Hilfe könnte es sogar wieder zu einer Platzierung reichen, die nicht gleich Bamberg, Bayern und Ulm auf den Spielplan setzen würde. Bis das aber Realität wird, gibt es noch einiges zu tun. Mit einer Leistung wie im ALBA-Spiel stehen die Chancen aber nicht ganz schlecht.