Geld zurück für Festivalbesucher

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Gute Nachrichten aus dem Hause Lieberberg: Besucher von Rock am Ring bekommen einen Teil ihres Eintrittsgeldes zurück. Weil das Programm vor dem letzten Festivaltag wegen der anhaltenden Unwettergefahr abgebrochen werden musste, erstattet der Veranstalter den Betroffenen 40 Prozent der Eintrittskarte, abzüglich der gezahlten Müllgebühr. Um in den Genuss der Rückzahlung zu kommen, müssen Ticketinhaber ihre Originalkarten per Post einschicken, nach spätestens 30 Tagen soll der Betrag dann beim Festivalbesucher angekommen sein.

Um die Erstattung zu vereinfachen, gibt es mehrere Tipps: Wer noch die Bestellbestätigung hat, möge sie bitte mit einreichen. Außerdem stellt der Veranstalter ein Online-Formular bereit, auf dem die Bankverbindungen eingetragen werden können. Alle weiteren Infos gibt es hier. Die Abwicklung übernimmt die Firma CTS EVENTIM. Anträge auf Erstattung sollen nach Möglichkeit bis spätestens 31. Juli eingereicht werden.

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Eine Woche danach

© Sebastian Derix

Vor genau einer Woche sitzen wir völlig durchnässt im Auto und fahren von Mendig aus wieder in Richtung Bonn. Nach einem kurzen Abstecher zu Rock am Ring, der mit einem Unwetter mit auf dem Festivalgelände einschlagenden Blitzen vorerst zu Ende gegangen war, ist uns noch nicht bewusst, wie viel Glück wir einmal mehr hatten. Nachdem ein ähnliches Unwetter auch im vergangenen Jahr den Freitag beendet und für mehr als 30 Verletzte gesorgt hatte, konnte man allerdings schon ahnen, dass auch in diesem Jahr nicht alle mit heiler Haut davon gekommen sein können.

Nach und nach trudelten die Zahlen ein. Offiziell sind es zunächst acht, später knapp 50, am Ende gar mehr als 70 Verletzte. Mehrere von ihnen mussten reanimiert werden. Ein Besucher liegt auch heute noch auf der Intensivstation, berichtet die Rhein Zeitung aus Koblenz. Sein Zustand sei weiter kritisch, sagte Veranstalter Marek Lieberberg der Zeitung.

Gleichzeitig erheben immer mehr Menschen zum Teil schwere Vorwürfe gegen Lieberberg. Er habe das Festival zu spät unter- und abgebrochen. Der Veranstalter wehrt sich: Sobald die Anweisung von den Behörden gekommen sei, das Konzert zu beenden, habe er dem Folge geleistet – auch wenn er es bis heute für die falsche Entscheidung hält.

Fakt ist: Ein Gewitter, noch dazu ein solches, kann niemand punktgenau vorhersagen, vor allem nicht Stunden im Voraus. Laut dem Meteorologen Jörg Kachelmann hatte sein Kollege vor Ort den Veranstalter um kurz nach halb acht vor dem aufziehenden Unwetter gewarnt. Das Konzert von Tenacious D sollte um 19.50 Uhr starten. Das tat es nicht, stattdessen kamen die Durchsagen, dass die Besucher das Gelände verlassen und sich in Sicherheit bringen sollen.

Dass der Weg zum Auto durch die Matschwüste zum Spießrutenlaufen würde, war kurz danach abzusehen, als das Gewitter los brach. Blitze und Donner gleichzeitig. Regen, der einen Weltenbrand hätte löschen können. Innerhalb einer Minute gab es keine trockene Stelle mehr an meinem Körper – und ich habe viel Körper. Ich persönlich glaube nicht, dass das Festival zu spät abgebrochen wurde. Vielmehr hätte man es vermutlich gar nicht erst starten sollen. Spätestens seit Mittwoch war klar, dass sich an der (Un-)Wetterlage bis zum Wochenende nicht viel ändern würde. Das Gelände versank im Schlamm, Autos blieben stecken.

Natürlich wären die Fans sauer gewesen, natürlich wäre der finanzielle Schaden immens gewesen. Aber es wären nicht über 70 Besucher verletzt worden. Es war das zweite Mal bei seiner zweiten Auflage in Mendig, dass Rock am Ring unter keinem guten Stern stand. Sicher, das waren beides Extremwetterlagen, die niemand vorhersehen kann. Aber vielleicht ist diese riesige ebene Fläche des Flugplatzes einfach doch nicht geeignet für ein Festival dieser Art und Größe. Vielleicht bietet sie zuviel Angriffsfläche für und zu wenig Schutz vor Wetter jeder Art. Marek Lieberberg wird sich seine Gedanken machen.

Rock ohne Ring und ohne Lieberberg

© Sebastian Derix

Ich habe in den vergangenen Jahren die Irrungen und Wirrungen um Deutschlands berühmtestes Rockfestival einigermaßen aufmerksam verfolgt. Nicht nur einmal saß ich dabei kopfschüttelnd vor dem Rechner und habe nicht verstanden, was Veranstalter-Urgestein Marek Lieberberg bei der ein oder anderen Entscheidung geritten hat. Am Ende war aber egal wer oder was geritten wurde, Rock am Ring war in jedem Jahr ein riesiger Erfolg.

Daran änderten auch der Abschied vom Nürburgring, die Kämpfe vor Gericht um Namens- und Merchandise-Rechte oder der Blitzeinschlag und das Camping-Chaos auf dem neuen Gelände in Mendig nichts. Man hatte den Eindruck, dass Rock am Ring und die Familie Lieberberg gemeinsam alles überstehen könnten. Und genau deshalb schien bislang auch jede Entscheidung einen gewissen Sinn zu ergeben – wenn auch manchmal erst nachträglich.

Jetzt aber habe ich mir vor lauter Kopfschütteln schon fast ein Schleudertrauma zugezogen. Marek Lieberberg verlässt seine eigene Firma, packt seinen Sohn unter den Arm und wechselt zum kommenden Jahr zum amerikanischen Veranstaltungskonzern Live Nation. Er wird CEO des neu gegründeten deutschen Ablegers der Amerikaner, Sohn Andre wird Präsident von Live Nation Germany. Der Wechsel von CTS Eventim (dem Konzern hinter der Marek Lieberberg Konzertagentur – MLK) zu Live Nation eröffnet ihm ganz neue Möglichkeiten, so Lieberberg in einer Erklärung: „Ein Teil von Live Nation zu sein, ist der Traum eines jeden Veranstalters“, wird der 69-Jährige in einer Presseerklärung zitiert.

Sein Baby aber, das Festival, das er aus der Taufe gehoben und mit dem er sogar den schmerzhaften Ortswechsel vollzogen hat, bleibt auf der Strecke. Rock am Ring (und auch Rock im Park) werden weiter von CTS Eventim bzw. MLK veranstaltet. Der Name Lieberberg steht weiter drauf, es steckt nur kein Lieberberg mehr drin.

Ein Veranstalterkollege erklärte gestern, er könne den Schritt verstehen. Um ihn zu erklären, wäre sicher mehr als eine Stunde Zeit nötig. Der Zugriff auf nahezu alle Künstler der Welt macht wohl für Marek Lieberberg den großen Reiz der neuen Aufgabe aus. Dass dabei „der Ring“ aufgegeben werden muss, scheint ein notwendiges Übel zu sein.

Es wird spannend werden, zu sehen, wie sich das Festival entwickelt. Wer bucht jetzt die Künstler? Wird die Lieberbergsche Philosophie fortgesetzt? Gibt es ohne Lieberberg vielleicht doch eine Rückkehr an den Nürburgring? Oder stirbt nach dem faktischen Tod des Grünehöllerockimpottwasauchimmerkonzertwochenendes auch der Gigant am deutschen Festivalhimmel? Können sich Eventim und Live Nation vielleicht sogar auf eine Zusammenarbeit einigen, die die Lieberbergs weiter an Rock am Ring bindet? Denk ich an den Ring, sehe ich zur Zeit nur Fragezeichen.

Feines neues Festival

© Sebastian Derix

Als im Jahr 2011 rund 160.000 Besucher in die Rheinaue strömten, um bei freiem Eintritt zahlreichen Bands zuzuhören, ahnten sie noch nicht, dass es die Rheinkultur im Jahr darauf nicht mehr geben würde. Ich erinnere mich, dass ich einigermaßen geschockt war, als das Aus auf einer Pressekonferenz im Parkrestaurant Rheinaue verkündet wurde. Drei Jahre später wurden in der gleichen Location die Planungen für ein neues Festival vorgestellt – die Rockaue war geboren.

Am vergangenen Wochenende stand endlich die erste Ausgabe an. Gut 40 Bands standen auf vier Bühnen. Highlight war unter anderem der DJ Felix Jaehn, bei dem den Veranstaltern ein Schnäppchen gelang, weil sie ihn vor seinem großen Durchbruch verpflichteten. Außerdem standen mit Schandmaul und Jennifer Rostock etablierte Bands als Headliner auf der Bühne, die die Rheinaue aus Rheinkultur-Zeiten schon kannten.

12 Stunden Musik, tolles Wetter, Bands aus verschiedenen Musikrichtungen – die erste Rockaue war gut aufgestellt. Rund 20.000 waren gekommen um zu feiern. Die Rheinaue zeigte einmal mehr, dass sie als Veranstaltungslocation geradezu optimal ist. Verbessert werden kann aber natürlich immer etwas. Die Schlangen am Einlass waren zu Hochzeiten zu lang. Auch an den Toilettenwagen wartete man bisweilen mehrere Songs – ein rechtzeitiges Vorausahnen des nächsten Bedürfnisses war notwendig.

Das alles ist allerdings Meckern auf einem recht hohen Niveau. Die erste Ausgabe eine Festivals kann nicht perfekt sein. Es muss Raum für Verbesserungen im kommenden Jahr sein. Denn, das steht fest, am 9. Juli 2016 geht die Rockaue in ihre zweite Ausgabe. „BONN! Feines neues Festival habt ihr da! Dankeschön“, postete die Band Jennifer Rostock nach ihrem Auftritt auf Facebook. Dem kann man sich nur anschließen.

Der erste Rock ohne Ring

© Sebastian Derix

Das hier sollte eine unsentimentale Abrechnung mit dem Umzug von Rock am Ring auf den Flugplatz in Mendig werden. Ich sage es gleich: Das wird nix! 29 Jahre Nürburgring hinterlassen einfach ihr Spuren. Eine Center Stage mit der Nürburg im Hintergrund hat vom Panorama eindeutig gewonnen gegen zwei Bühnen mit lange nichts und dann einem Hangar. Das Flair der Rennstrecke war einzigartig. Die unendlichen Weiten des Flugplatzes in Mendig müssen das erst lernen.

Das soll nicht heißen, dass das neue Rock am Ring schlecht ist. Im Gegenteil. Das Gelände scheint in seiner Größe nahezu ideal für 90.000 Menschen, die ein Wochenende lang verschiedenste Bands feiern wollen. Vor den Toren der Kleinstadt Mendig mit ihren noch nicht einmal 9.000 Einwohnern entstand eine Großstadt. Sieht man von einigen Problemen im Bereich des Campings ab, war das Festival hervorragend organisiert – und das bei seiner ersten Ausgabe. Das Team Lieberberg/Pauls hat mit Mendig zusammen eine starke Leistung abgeliefert.

Stark waren auch die Bands. Bei denen, die ich gesehen habe, gab es keine, die sich hat hängen lassen und nur ihr Standardprogramm abgeliefert hat. Das ging von den Mighty Oaks, über Clueso, natürlich die Hosen, die ganz eng mit Familie Lieberberg verbunden sind, bis hin zu Slash, den Beatsteaks oder The Prodigy usw. usf.. Es schien eine Aufbruchsstimmung auch unter den Künstlern zu herrschen. Alle wollten dem neuen Schauplatz einen gebührenden Empfang bereiten.

Nicht ins Bild des Festivals passte die Nacht zum Samstag, als mindestens zwei Blitze das Konzertgelände trafen. 33 Menschen wurden dabei verletzt. Sie alle sollen inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden sein. Zwei Gewitterfronten hatten das Gelände mit voller Wucht getroffen. Auf einer Freifläche von der Größe eines Flughafens eine eher unpraktische Geschichte. Große Schutzmöglichkeiten gab es nicht – von den Konzertzelten für rund 16.000 Zuschauer einmal abgesehen. Dass Fritz Kalkbrenner mit dem Abbruch seines Sets nicht wirklich glücklich war, konnte man eindeutig hören. Man hätte ihm vielleicht früher sein Mikro abdrehen sollen. Dass es richtig war, das Konzert spätestens zu diesem Zeitpunkt zu beenden, steht selbstverständlich außer Frage.

Ein Fazit zu ziehen ist nicht leicht. Das neue Gelände ist top, die Wege für die meisten Camper sind deutlich kürzer als am Nürburgring. Dafür muss die Organisation auf den Plätzen noch deutlich verbessert werden – ein Festivalgelände muss erst gelernt werden, sagt auch die Veranstaltercrew. Mendig hat eine ehrliche Chance verdient, es hat sie sich erarbeitet. Viele Menschen waren mit Herzblut dabei, Mendig bemüht sich, ein rheinland-pfälzisches Wacken zu werden. Ob das in den nächsten Jahren gelingt, wird sich zeigen. Der erste Schritt war ein  guter.

 

 

 

Kein Festival am Ring?

© Sebastian Derix

Der Nürburgring scheint im totalen Chaos zu versinken. Wurde erst kürzlich bestätigt, dass in diesem Jahr kein Formel 1-Rennen in der Eifel stattfinden wird, so wird offenbar immer klarer, dass auch das große Frühjahrsfestival demnächst an anderer Stelle stattfinden wird. Nach dem Verlust bzw. der Kündigung von Rock am Ring steht offenbar auch der Nachfolger Grüne Hölle Rock vor dem Aus, noch bevor er seine Premiere erlebt hat. In der vergangenen Woche hatte Ringbetreiber Capricorn bestätigt, dass der Vorverkauf für das Festival deutlich schleppender verlaufe, als ursprünglich gedacht und gehofft.

Außerdem sollen schon Verhandlungen über eine Auflösung des Fünf-Jahres-Vertrages zwischen Capricorn und Konzertveranstalter DEAG stattgefunden haben. Der Streit der beiden dreht sich offenbar um die Finanzierung der Vorauszahlungen des Festivals. Die DEAG besteht demnach auf eine Teilung der Zahlungen, bei Capricorn geht man davon aus, dass der Veranstalter die Vorauszahlungen an die Bands leisten muss. Nach Medieninformationen steht das Festival sogar komplett auf der Kippe.

Am Montag berichtete dann die Koblenzer Rhein-Zeitung, dass das Festival möglicherweise in den Ruhrpott ziehen könnte. Eine Verlegung in die Arena Auf Schalke sei demnach im Gespräch, Verhandlungen hätten schon stattgefunden. Weder DEAG, noch Ringebetreiber und Arena-Management wollten das bislang bestätigen. Dementiert hat es allerdings auch niemand. Der FC Schalke hat seine Saison zum betreffenden Wochenende jedenfalls schon beendet. Erfahrungen mit Konzerten hat man in der Arena ebenfalls. Mehrtägige Zeltevents wären allerdings neu für die Veranstalter im Ruhrgbiet.

Der Umzug würde vermutlich das Ende der Festivals am Nürburgring bedeuten. Rock Am Ring Veranstalter Marek Lieberberg ist nach dem Zerwürfnis mit Capricorn inzwischen mit seinem Konzert an den Flugplatz in Mendig gebunden. Sollte die DEAG mit ihren Künstlern ins Ruhrgebiet ziehen, wäre auch dieser Veranstalter für den Ring verbrannt. Die 30-jährige Geschichte der Musikfestivals am Nürburgring hätte damit ein unwürdiges Aus gefunden – Capricorn, so hört man es immer wieder, sei Dank.

 

 

Rocken auf dem Flugplatz

© Sebastian Derix

Das Geheimnis, das keines mehr war, ist gelüftet: Rock am Ring findet in Zukunft auf dem Flugplatz in Mendig statt. Für den frühen Nachmittag hatte Veranstalter Marek Lieberberg zur Pressekonferenz in die Eifelgemeinde geladen. Angekündigt war der Beginn mit einem Fotocall, „der spektakuläre Bilder liefert“. Was dann kam war Marek Lieberberg – von oben. In einer alten Antonow, die „zufällig hier so rumstand“, flog der Konzertguru samt Sohnemann ein. Neben der versammelten Weltpresse waren auch zahlreiche Mendiger gekommen.

Lieberberg nahm ein Bad in der doch recht jungen Menge und wandte sich dann der Öffentlichkeit zu. Noch einmal dankte er der Stadt Mönchengladbach und den Menschen, die alles dafür getan hätten, dass Rock am Ring an den Niederrhein kommt. Noch einmal schalt er die BIMA, die dieses Unterfangen böswillig vereitelt habe. Dann jedoch konzentrierte er sich auf sein „Field of Dreams“, wie er den Flugplatz mehrfach nannte. Die Möglichkeiten seien hier einzigartig. Alle Camper könnten auf dem Gelände ihre Zelte aufschlagen. Wer auf dem Festival angekommen sei, der bleibe da für drei Tage.

Vier Bühnen wird es geben, davon zwei gleichwertige Open Air-Bühnen und zwei kleinere Zeltbühnen. Mindestens in einem der Zelte soll verstärkt auch elektronische Musik geboten werden. Noch einmal lobte er, wie schon am Tag zuvor, die Konzepte des Tomorrowland Festivals. Die Programmatik werde man sich nicht zu eigen machen, das Ambiente sei aber durchaus interessant. Zu Künstlern konnten weder Marek, noch Sohn Andre Lieberberg etwas sagen. Headliner und weitere Bands sollen im Oktober bekannt gegeben werden. Dann soll auch der Vorverkauf starten.

Angesprochen auf die Nähe zum Nürburgring und das dortige Festival wurde Lieberberg erstmals etwas ungehalten. Es interessiere ihn nicht mehr, was am Nürburgring passiert. Wer seinen Namen, seinen Mythos stehlen wollte, über den mache er sich keine Gedanken mehr. Den Auftritt im Kampfflugzeug wollte er aber nicht als Kampfansage an die Veranstalter am Ring verstanden wissen. Man denke ohnehin langfristig. Der Vertrag in Mendig läuft zunächst über fünf Jahre, danach gebe es eine Option auf Verlängerung.