Zwei Teams, keine Defense

© Sebastian Derix

Wenn man dieses Blog schon etwas länger verfolgt, wird man bemerkt haben, dass zwei Sportmannschaften meine besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Da ist zum einen die Borussia aus Mönchengladbach im Fußball, auf der anderen Seite stehen die Telekom Baskets, die in Bonn versuchen, einen Ball durch den Basketballkorb zu werfen. Bei beiden Sportarten wird in der Mannschaft gespielt – und das mit einem Ball. Auf den ersten Blick sind damit die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Teams auch schon ausgeschöpft.

Man könnte noch ergänzen, dass die sportlich erfolgreichsten Zeiten bei beiden Mannschaft schon länger her sind. Außerdem waren sowohl die Borussia, als auch die Baskets, nach einer starken Vorsaison, mit großen Erwartungen in die neue Spielzeit gestartet. Was dann kam war unterschiedlich. Inzwischen läuft es aber bei keinem der beiden Teams wirklich rund. Und bezeichnend ist, dass vor allem die Verteidigung meinen beiden Mannschaften große Probleme bereitet. Die Borussia hat vor dem großen Derby am Wochenende schon 38 Gegentore kassiert. Das hätte unter Lucien Favre für zwei Spielzeiten gereicht. Und auch bei den Baskets steht der Korb den Gegnern immer wieder offen wie ein Scheunentor.

Beide Mannschaften haben eine offensive Qualität, die locker für das erste Tabellendrittel reicht. Hinten hilft dann aber oft nur der liebe Gott – oder eben auch nicht. Interessant ist, wie die Coaches mit der Situation umgehen. Andre Schubert hat in der Woche vor dem Derby sogar Elfmeter trainieren lassen, stundenlange Defensivübungen standen dagegen nicht auf dem Plan. Bei Carsten Pohl ist das Credo seit seinem Amtsantritt, dass die Verteidigung verbessert werden muss. Daran arbeitet er mit den Baskets seit Wochen.

Und er hat noch eine weiter Woche Zeit, um seine Ideen umzusetzen. Bonn hat an diesem Wochenende spielfrei – für das Finalturnier um den Pokal haben sich die Baskets nicht qualifiziert. Schuberts Borussia steht dagegen vor dem Spiel der Spiele – am Samstag steigt das Derby gegen den 1. FC Köln. Soll nicht das unsägliche passieren und die Borussia zwei Derbys in einer Saison verlieren, dann muss entweder die Abwehr stehen, oder der Fußballgott beim Tore schießen helfen.

 

Werbeanzeigen

Das Ende eines Missverständnisses

Zwei Tage vor Ende der Transferphase in der Fußball-Bundesliga hat die Gladbacher Borussia ein teures Missverständnis (vorerst) beendet. Luuk de Jong wechselt auf die Insel zu Newcastle United – zunächst auf Leihbasis. Die Briten sicherten sich allerdings eine Kaufoption für den Sommer. Damit wechselt Mönchengladbachs teuerster Einkauf der Bundesligageschichte, ohne jemals die Chance gehabt zu haben, sein Können zu zeigen.

Der Königstransfer von Max Eberl scheint damit ein Reinfall gewesen zu sein. Und doch ist es nicht ganz so einfach. Zwar wollte Eberl den Spieler unbedingt, war von dessen Qualitäten überzeugt, aber auch Trainer Lucien Favre war mit der Verpflichtung des Niederländers einverstanden. Eine echte Chance hatte de Jong aber nicht. Viel zu selten stand er auf dem Platz, meist nur als zweiter oder dritter Einwechselspieler kurz vor Ende des Spiels. Nach der Verpflichtung von Raffael und Max Kruse vor der Saison, sanken seine Chancen auf einen Stammplatz ins Bodenlose.

Aber wer ist Schuld, dass de Jong in Mönchengladbach (vorerst) gescheitert ist? Ist es der Spieler, der sich nicht in das System des Trainers integrieren konnte? Hat der Sportdirektor zu lange um einen Mann gekämpft, der nicht wirklich in das System des Trainers passen konnte? War der Trainer nicht in der Lage oder Willens, einen Spieler in sein System zu integrieren, weil er nicht so recht passte?

Vermutlich ist es ein Stück von allem. Den Spieler trifft allerdings wohl die geringste Schuld. Immer wieder bekannten Trainerteam und sportliche Leitung, dass de Jong professionell arbeite, sich nicht hängen lasse und niemals schlechte Stimmung ins Team gebracht habe. Das ist vorbildlich. Das ist professionell. Und das ist längst nicht mehr alltäglich bei den Profis „von heute“.

Jetzt bekommt er also die Chance, sich auf der Insel zu zeigen. Er kann Spielpraxis sammeln – oder es zumindest versuchen. Und wenn er in England zeigt, was er kann, steht einem endgültigen Wechsel nichts im Wege. Damit dürfte sich dann der finanzielle Verlust der Borussia auch in Grenzen halten. Schafft er den Durchbruch nicht, kommt de Jong im Sommer zurück nach Mönchengladbach. Dann wird man sehen müssen, wie und wo es für ihn weitergeht.

Auf Asche – ein Buch für Fußballromantiker

In den letzten Monaten habe ich es nur sehr selten geschafft, tatsächlich zum Spaß ein Buch zu lesen. Zu viel gab es in Sachen Hochschule zu inhalieren, zu oft fehlte danach jegliche Lust auf weiteren literarischen Input. Da die Vorlesungszeit jetzt beendet ist und ich mir ungefähr eine Woche freie Zeit von der Uni gönne (in der ich endlich mal wieder regelmäßig arbeiten kann, aber das ist ein anderes Themengebiet), hatte ich endlich auch mal wieder die Muße ein Buch zu lesen. Ich entschied mich für ein Fußballbuch: „Auf Asche“, Bolzplatzerinnerungen, zusammengetragen von Ben Redelings und Sascha Theisen.

Die beiden jungen Männer haben Freunde, Kollegen und andere Heroen des nonprofessionellen Ballsports zusammengeführt und sie gebeten, ihre Erinnerungen an die größten Zeiten ihrer eigenen Hartplatzkarriere zu erzählen. Herausgekommen ist ein Kleinod für Fußballromantiker. Szenegrößen wie Frank Goosen oder Ronald Reng erzählen, wie sie selbst zum sonntäglichen Morgensport kamen, wie sie inzwischen den Nachwuchs an den Sport heranführen. Michael Pahl erklärt, wie er mit einigen Kumpels als Nationalmannschaft von Tonga den Weg zur Weltmeisterschaft schaffen will und Herausgeber Sascha Theisen selbst beschreibt, warum sich Amateurfußballkarrieren und Beziehungen zum schönen Geschlecht nur schlecht vertragen.

Diese Sammlung von Texten ist ein Traum. Man(n) wird erinnert an die eigene Jugend und beginnt zu überlegen, wie denn der eigene Weg zum Fußball sich vollzog. Und auch wenn ich selbst nie in einem Verein gespielt habe (die Gründe werden vielleicht später einmal offenbart), kann ich jeden einzelnen Text nachvollziehen. Die Romantik der Kreisklasse, das Leiden nach einer durchzechten Nacht auf einem Ascheplatz, eiternde Schürfwunden und der Spaß am Fußball – die Autoren bringen fast jede nur denkbare Nuance des Spiels herüber. Wer dem Sport verfallen ist, wer selbst gespielt hat oder noch spielt, oder wer auch nur gerne gespielt hätte, für den ist dieses Buch genau das richtige. Lesen!

Nicht richtig angeschaut

Es war schon eine großartige Idee, eine Fußball-WM an ein Land zu vergeben, das deutlich weniger Einwohner hat als die Stadt Köln. Dass zudem noch in der angepeilten Zeit in Katar ungefähr fünfzig Grad im Schatten herrschen und nur wenige Zuschauer und vor allem noch viel weniger Fußballer unter diesen Voraussetzungen je Fußball gespielt oder gesehen haben, ist ebenfalls nur bedingt förderlich für eines der größten Sportereignisse der Welt.

Blöd nur, dass gerade dieses kleine, unglaublich heiße Land so unglaublich viel Geld hat. Der wohl entscheidende Grund, warum die FIFA die Weltmeisterschaft 2022 ins Emirat am Golf vergab.  Man könne ja die Stadien ordentlich runter kühlen. So wie auch Busse, Hotels, Flughäfen und die Gemüter derjenigen, die sich nicht vorstellen können und wollen, unter diesen Bedingungen Leistungssport zu betreiben. Das schien die hohen Herren, allen voran FIFA-Präsident Joseph Blatter, überzeugt zu haben

Und jetzt soll doch alles anders kommen. Mit seinem Kumpel Franz Beckenbauer hat der Blatter Sepp jetzt entschieden, dass man diese WM doch gefälligst im Winter stattfinden lassen solle. Der könne immer noch ordentliche Temperaturen aufweisen, würde aber vor allem das Volk schonen, das sich keinen Ventilator unterm Stadionsitz leisten könnte.

„Die WM soll ein Volksfest werden. Katar ist ein kleines Land. Aber wenn es ein Volksfest werden soll, kann man den Fußball nicht im Sommer spielen“, sagte Blatter gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Man kann die Stadien abkühlen, aber man kann nicht das ganze Land abkühlen.“ Man werde es dem Exekutivkomitee nicht nur schmackhaft machen, sondern die entsprechende Entscheidung fällen, versprach Blatter.

Nun ist es nicht so, dass Blatter als lupenreiner Demokrat von sich reden gemacht hätte. Ein solches „Versprechen“ erscheint dann aber doch einmal mehr fragwürdig. Hat die deutsche Bundesliga noch eine Winterpause, die man mit etwas Mühe wohl um ein paar Wochen strecken könnte, geht der Spielbetrieb z.B. in England über den Jahreswechsel weiter. Wo sollte man hier eine Weltmeisterschaft unterbringen?

„Jetzt haben wir noch Zeit genug. Ich werde das beim Exekutivkomitee zur Sprache bringen“, sagte Blatter. Und auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kann sich eine Verlegung vorstellen, wenn auch mit Schwierigkeiten. „Das ist keine so ganz leichte Übung“, sagte er der dpa zu einer Umstellung des Spielplans.

Aber wäre es all der Mühe wert? Muss der Weltverband die Spielpläne unzähliger nationaler Ligen so entscheidend beeinflussen, nur damit ein solches Turnier am Golf stattfinden kann? Sepp Blatter bleibt entspannt. Bei der WM-Vergabe im Jahr 2010 habe man sich die Problematik „nicht richtig angeschaut“.

Wer will das auch erwarten, bei einem Milliardenprojekt wie einer Fußball-Weltmeisterschaft?