Von Pressetagen und Messeaufbauten

© Sebastian Derix

Heute hat in Köln die diesjährige Photokina begonnen. Schon gestern gab es den offiziellen Presse- und Fachbesuchertag. Dass es an solchen Tagen schon mal etwas holpern kann und letzte Arbeiten an den Ständen ausgeführt werden müssen, ist normal und auch zu verzeihen. Das Bild, das sich gestern dem geneigten Besucher in den Kölner Messehallen bot, war das einer Baustelle kurz nach dem Rohbau. Das schon anwesende Standpersonal bewegte sich in seinen Umgangsformen in ähnlichen Bereichen.

Meine Idee, vor allem bei der Firma Canon nach dem Rechten zu sehen, scheiterte zunächst daran, dass der (zugegeben riesige) Stand noch komplett mit schwarzen Tüchern abgehängt und mit Bauzäunen abgesperrt war. Das Sicherheitspersonal informierte uns, dass gegen 16 Uhr mit einer Öffnung zu rechnen sei. Also schlugen wir uns zunächst durch diverse andere Hallen, um dann um kurz nach vier zurück zu kehren. Der Stand war inzwischen von seiner Verpackung befreit und erstrahlte in vollem Glanz. Allein man verwehrte uns jetzt erneut den Zutritt. Am Pressetag sei keine Presse zugelassen. Das muss man sacken lassen.

Auf unserer Tour durch die Hallen kamen wir unter anderem auch beim Stand der Firma Cullmann vorbei. Auf der Suche nach Infomaterial in Sachen Kamera-Stative fanden wir einige schon bestückte Prospektständer und bedienten uns in Maßen. Kurz danach kam ein recht unwichtig aussehender Mann, der sich allerdings für sehr wichtig hielt. Er fragte, ob er helfen könne und was wir an seinem Stand machten. Nach unserer Antwort, dass wir uns umsehen wollten, bat er uns zu gehen. Man wolle das lieber auf den nächsten Tag verschieben. Auch das musste sacken.

Alles in allem musste man den Eindruck bekommen, dass die diesjährige Photokina noch plötzlicher kam, als es mit Weihnachten in der Regel der Fall ist. Der zweijährige Rhythmus scheint das Problem noch zu verstärken. Die Fahrt nach Köln hat sich in keinster Weise gelohnt. Ich überlege, den Organisatoren die Spritkosten in Rechnung zu stellen.

Werbeanzeigen

Hörsaal voll, Schnauze auch

Alle Jahre wieder beginnt für viele junge Menschen die fröhliche Ausbildungszeit in der Hochschule. Viele von ihnen betreten die Lehranstalt für offiziell Erwachsene zum ersten Mal, andere nicht. So wie ich. Seit einer stattlichen Anzahl von Jahren, bin ich zu jedem Semesterbeginn wieder gefragt, mich in die Universität zu schleppen, um die alternden Knochen in viel zu enge Sitzbänke zu pressen oder an frisch gestrichene Wände – Studiengebühren olé! – zu lehnen.

So stand also auch in dieser Woche wieder der Semesterstart an. Ein ums andere Mal manövrierte ich mich in die höhere Lehranstalt – nur um nach wenigen Augenblicken dem Nervenzusammenbruch nahe zu sein. Zum einen sind mir Menschenansammlungen schon auf freiem Gelände eher zuwider, zum anderen verbrauchen viele Menschen (auch junge), in viel zu enge Räume gepresst, unglaublich viel Sauerstoff. Meinen Sauerstoff. Ich habe hier eindeutig die älteren Rechte. Und nicht nur am Sauerstoff. Wo sind die Zeiten hin, als junge Hüpfer den Älteren noch einen Platz anboten? Ob in der Bahn, im Bus oder im Hauptseminar. Ist das nicht auch eine Art Generationenvertrag? Noch in meinen ersten Semestern wäre ich fröhlich aufgesprungen, hätte ich einen altgedienten Hochsemesterstudenten mit meinem Platz erfreuen können.

Allein, diese Zeiten scheinen vorbei. Stehen ist angesagt. Belegten die Universitäten ihre Räumlichkeiten früher in der Regel maximal bis zum letzten Sitzplatz auf der Treppe, so darf heutzutage sogar hinter allen Bankreihen, Bodensitzern und einer stattlichen Anzahl von Vorhängen in mehreren Reihen gestanden werden. Und das auch nur von denen, die mindesten 40 Minuten vor Vorlesungsbeginn vor Ort sind – alle anderen stehen eben vor der Türe.

Gelobt sei die Onlineanmeldung für alle Veranstaltungen. Wenn man 400 Anmeldungen annimmt und den betroffenen Menschen einen Platz verspricht, heißt das noch lange nicht, dass man die Veranstaltung auch in einem adäquaten Raum stattfinden lässt. Warum nicht mal die 400 Studenten in einen Saal für maximal 200 Teilnehmer pressen? Könnte doch ein Spaß sein. So denkt wohl der Raumverteilungsbeauftrage an der Hochschule.

Ich persönlich verstehe seine Lust am Humoristischen. Was ich nicht verstehe, ist, warum dem Spaßvogel nicht irgendein Vorgesetzter mit einer rostigen Gabel den Rücken zerkratzt. Ich habe die Schnauze gestrichen voll davon, Semester um Semester um einen Platz – allein im Raum – zu kämpfen.

Sicher, aufmerksame Leser mögen jetzt anmerken, dass ein Studium in der Regel nur selten eine stattliche Anzahl an Jahren dauert. Das stimmt. Meins schon. Das mag nicht gut sein, ist aber noch lang kein Grund, Jahr um Jahr, Semester um Semester, so eine Scheiße abzuziehen. Ich werde wohl eine andere Lösung gegen meine Dummheit suchen müssen. Unermesslicher Reichtum muss her, um dann einen Privatdozenten zu engagieren, der arbeitet, wenn ich Zeit habe. Zwischen 14 und 18 Uhr. Mindestens zweimal die Woche.

Wird Zeit…

Die Fußball-Bundesligasaison steht vor den Toren. Das ist gut, zumindest für mich. Ich wurde gerade gezwungen, diesen Fragebogen auszufüllen. Von einem Sport-Guru. Ursprünglich stammt der Fragebogen hierher. Also, auf geht´s.

Dein Verein heißt:

VfL Borussia 1900 Mönchengladbach e.V. – kurz: der geilste Club der Welt

Wie lautet das offizielle Saisonziel, sofern es bekannt ist?

gesichertes Mittelfeld

Wie lautet DEIN Saisonziel für deinen Verein oder deine Vereine?

Deine Vereine? Ich glaub, ich spinne. Saisonziel: langweilige Saison mit möglichst frühem Klassenerhalt

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft in der Pause lieber nicht abgegeben?

Könnte ich vielleicht lieber noch zwei bis sieben Spieler mehr abgeben?

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft besser verkaufen sollen?

Die oben genannten zwei bis sieben…

Wen hätte deine Mannschaft diese Saison lieber NICHT gekauft?

Das werde ich in sechs Wochen beantworten.

Wer von den neuen Spielern wird deiner Mannschaft am besten helfen?

Ganz schwere Geschichte. Ich nehme Martin Stranzl, auch wenn der schon in der vergangenen Winterpause gekommen ist. Er war ja schließlich ein Vorgriff auf die neue Saison.

Wie wirst du in dieser Saison deine Mannschaft unterstützen?

Mit Mann und Maus – und Kohle.

Wie findest du das neue Trikot Deiner Mannschaft?

Zu bunt.

Welcher Stürmer wird die Torjägerkanone holen?

Ich hoffe, es wird wieder Mario Gomez. Er würde meinem kicker-Managerteam damit einen großen Gefallen tun. Auf Platz zwei darf dann aber gleich ein beliebiger Spieler meiner Mannschaft kommen.

Welcher Trainer wird als erstes gefeuert?

Stale Solbakken, der macht sich keine Freunde beim … Dings, hier, Stadt mit der großen Kirche…

Welche Mannschaft wird das erste Tor der Saison schießen?

Lüdenscheid-Nord

Welche Mannschaften SOLLTEN absteigen?

VfL Wolfsburg, 1899 Hoppenheim

Welche Mannschaft wird Meister?

Ich fürchte, in diesem Jahr führt nichts an den Bayern vorbei.

Wenn du nicht im Stadion bist, wo wirst du die Spiele sehen?

Vermutlich im Fernsehen?

Wie sehr vermisst du die Bundesliga auf einer Skala von 1 bis 10 – wobei bei 1 so ziemlich keine Träne nach der Bundesliga verdrückt wird und 10 quasi bedeutet, dass du ernste Entzugserscheinungen hast?

Wann genau? Jetzt? 12!

Wird es eine spannende Saison für Deine Mannschaft?

Leider ja.

Fluchtgedanken

Die Hochschule. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer – und so weiter. Eigentlich sind es oft gar keine Abenteuer. Vielmehr ist es quälende Langeweile. So auch heute. Denn, obwohl Referate grundsätzlich keine ganz blöde Erfindung sind, muss ich in nicht allzu ferner Zeit dringend weinen. Zwar wurden die Wissenschaftskurzshows schon immer als Qual von Schülern und Studenten angesehen,  vom pädagogischen Standpunkt gesehen erscheinen sie grundsätzlich nicht völlig verkehrt.

Völlg verkehrt läuft aber etwas, wenn eine Referatsgruppe, eigentlich offensichtlich recht ordentlich vorbereitet, überhaupt nicht ans Laufen bzw. ans Reden kommt. Nicht weil die Kommilitonen zu schüchtern wären oder nichts zu sagen hätten. Vielmehr ist es eine überdominante Dozentin, die wild unterbricht, zu stundenlangen Monologen anhebt und bei jedem einzelnen Wort, das ihr nicht hundertprozentig in den Kram passt, mit Blitzen auf die Referierenden wirft.

Da es sich im vorliegenden Fall um ein Seminar handelt, in welchem die Vorführung verschiedener Filmsequenzen dringend vonnöten ist, kommt ein wirklicher Fluss zu keinem Zeitpunkt auf. Dass ungefähr 60% der Kommilitonen noch kein einziges Mal den Schlusspfiff der Veranstaltung erlebt haben, tut sein übriges.

Ich habe in meinem nicht kurzen Studentendasein inzwischen schon zahlreiche schlechte Veranstaltungen besucht. Diese hier schlägt jedoch dem Fass den sprichwörtlichen Boden aus. Gerade ist es mal wieder dunkel. Ein Filmschnipsel wird präsentiert. Die Dozentin hält die Klappe. Eine Wohltat. Und dennoch sind die Kommilitonen links und rechts von mir schon seit mindestens 30 Minuten verschwunden. Was bin ich doch für ein elender Nachmacher – aber das hier kann ich mir heute nicht länger geben. Ich muss weg.