Lustige alte Männer

Mal wieder ein Fotobeitrag: In der vergangenen Woche hatte ich die Chance auf dem Bonner Kunstrasen zu fotografieren. Status Quo und Alice Cooper waren zu Gast. Beide lieferten eine tolle Show ab.

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Als Bonn noch mehr konnte – The DOORS

© Sebastian Derix

Bonn kann mehr – sagt zumindest eine Facebook-Gruppe, die sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit erfreut. Da geht es gegen Meckerbürger, für mehr Kulturveranstaltungen, Open-Air Konzerte und ähnliche Dinge. Dinge, die selbst auch in Bonn „früher“ völlig normal waren, die aber inzwischen mehr und mehr eingestampft werden. Zu diesen Dingen gehörten lange Jahre auch die Konzerte auf der Museumsmeile. Mehr oder weniger interessante Bands traten unter einem riesigen Zeltdach auf, auf dem Grünstreifen vor dem Veranstaltungsgelände sammelten sich die Schwarzhörer und niemand beschallte sie mit Krach, damit sie nichts vom eigentlichen Konzert mitbekamen.

Eines dieser Konzerte, wohl das beste, das ich auf der Museumsmeile gesehen bzw. in dem Fall mehr gehört habe, war der Auftritt der Doors. Ziemlich genau zehn Jahre (17.7.2004) ist es jetzt her, dass sich Ray Manzarek, Robby Krieger, Ty Dennis, Angelo Barbera und, anstelle von Legende Jim Morrison, Ex-Cult Sänger Ian Astbury die Ehre gaben. Es war ein warmer Sommerabend, wir, eine Gruppe von mehr oder minder amen Studenten, konnten oder wollten uns die 50 Euro Eintritt nicht leisten und verabredeten uns zu einem Treffen auf dem Grünstreifen entlang der B9, ein Picknickkorb mit Rotwein, Käse und Hartwurst im Gepäck (Kultur!).

Von unserem Platz, fast genau gegenüber der Bühne, konnten wir perfekt hören. Wer besonders hoch springen konnte, war sogar in der Lage, die Bühne zu sehen. Und dann ging es los: „Ladies and Gentlemen, live from Los Angeles, California, The DOORS!“. Es gab alle „Hits“ – Ian Astbury machte seine Sache großartig. Er erinnerte an Morrison, versuchte aber nicht zu sehr ihn zu kopieren. Manzarek und Krieger harmonierten, der Keyboarder hielt die Zügel in der Hand. Bis die Natur versuchte, ihm einen Streich zu spielen. Ein Gewitter zog auf, es wurde schlagartig dunkel.

Das Ganze tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil. Manzarek reagierte und stellte das Programm um. Mit den ersten Böen und Regentropfen erklang der Beginn von „Riders on the Storm“. Von unserem Platz aus konnten wir sehen, wie sich die Gewitterwolken hinter der Bühne immer höher auftürmten. Es war im wahrsten Sinne ein Bild für die Götter. Und dann brach es los. Auf der Bühne, über der Bühne. Es war der wohl atmosphärischste Moment, den ich je bei einem Konzert erlebt habe. Kein Regisseur hätte das besser inszenieren können.

Zehn Jahre ist das jetzt her. Manchmal denke ich an diesen legendären Abend zurück und bedauere, dass es noch keine Foto-Handys gab, die eine akzeptable Bildqualität geliefert hätten. Zu gerne hätte ich das Spektakel an Himmel und Bühne festgehalten, vielleicht sogar gefilmt. Die Bilder bleiben aber auch so – ohne drölftausend leuchtende Smartphonebildschirme im Publikum. Dieser Abend war ein Erlebnis. Zu einer Zeit, in der Bonn noch mehr konnte.

Das Ende einer Ära

© Sebastian Derix

Es begann mit einer kurzen DPA-Meldung am Mittag: Rock am Ring findet in diesem Jahr zum letzten Mal am Nürburgring statt. Das hatte gesessen. Das erste Festival meiner Jugend, bei dem ich seit einigen Jahren auch wieder regelmäßiger (Arbeits-)Gast war, wird seinen 30. Geburtstag im kommenden Jahr nicht erleben. 21 Jahre nach meinem ersten Besuch sollte der letzte in der kommenden Woche anstehen.

Wie das immer so ist mit Eilmeldungen, entwickelte sich daraus natürlich deutlich mehr. Pressemitteilung folgte auf Pressemitteilung. Gescheitert ist das Festival am lieben Geld, woran auch sonst. Darin immerhin sind sich Veranstalter Marek Lieberberg und die neuen Nürburgring Betreiber einig. Autozulieferer Capricorn wollte mehr Geld, von noch einmal 25% mehr vom Gewinn spricht Lieberberg. Das sei wirtschaftlich nicht machbar, so der Veranstalter, zumal der Ring schon jetzt der teuerste Veranstaltungsort in Deutschland sei.

Bedeutet das also das Aus für das Festival? Wohl nicht. Sechs Optionen habe man, so Lieberberg. Das Festival werde auch im kommenden Jahr stattfinden. Wo sei aber noch unklar. Eine Entscheidung soll zügig nach der diesjährigen Veranstaltung fallen. Spekuliert wird über der Lausitzring, der Hockenheimring, an dem Lieberberg schon das Rock´n´heim Festival organisiert, soll zumindest nicht erste Wahl sein.

Der Autozulieferer meldete dann im Laufe des Tages, dass man künftig ein eigenes Rockfestival am Ring veranstalten werde. Für die Zuschauer solle es keinen Unterschied geben, vom Namen einmal abgesehen. Man gehe davon aus, dass weiterhin internationale Stars ihren Weg in die Eifel fänden. Schon am kommenden Dienstag will man dazu einen neuen Veranstalter präsentieren, noch vor dem diesjährigen Festival. Das passt so gar nicht zu Lieberbergs Darstellung, dass die Entscheidung erst heute morgen gefallen sei. Dem widerspricht Capricorn deutlich. Man habe den Vertrag mit den Veranstaltern schon im Januar gekündigt.

Warum kommt das Ende des Festivals in seiner aktuellen Form also gerade heute an die Öffentlichkeit? Bei Capricorn zeigte man sich überrascht. Es wäre nicht abgesprochen gewesen, das Aus heute zu veröffentlichen. Lieberberg war es wohl, der sich an die DPA wandte und für Öffentlichkeit sorgte. Aus seiner Sicht verständlich: Rock am Ring 2014 startet in sechs Tage und ist noch nicht ausverkauft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zudem ist ihm jetzt die Aufmerksamkeit sicher.

Im kommenden Jahr steigt am Nürburgring also ein neues Festival. Davon sind zumindest die neuen Herren am Ring überzeugt. Da aber Zulieferfirmen der Automobilbranche nicht generell als große Konzertveranstalter bekannt sind, darf man zumindest daran zweifeln, ob die Veranstaltung die gleiche Strahlkraft hat, wie sie sich Rock am Ring in fast 30 Jahren erarbeitet hat. Marek und Andre Lieberberg sind seit Jahrzehnten im Geschäft. Sie verstehen ihr Handwerk als Konzertveranstalter. Viele ähnlich große Namen gibt es in Deutschland nicht.

RhEINE Dummheit

Es war die 29. Auflage der RhEINKULTUR, Bonns größter und schönster Musikveranstaltung für Populärmusik. Ein großer Spaß für Groß und Klein. Und für einen kleinen Haufen Vollidioten. Zum ersten Mal in der langen Geschichte des Festivals, kam es zu ernstzunehmenden Auseinandersetzungen zwischen einigen Zuschauern. Vor der HipHop-Bühne bekamen sich rivalisierende „Fan“-Gruppen in die Haare, heißt es in einer Pressemeldung von Veranstalter und Polizei.

Als ich diese Meldung in der Nacht nach meiner Rückkehr aus den Rheinauen zum ersten mal las, dachte ich noch, es sei wohl nicht so schlimm gewesen. Eine Rangelei, vielleicht ein paar fliegende Fäuste. Schaut man sich dann aber bei youtube verschiedene Filme der Krawalle an, dann kann man sich nur an den Kopf fassen. Völlig hirnverbrannte Schwachmaten stürmen die Bühne, zerlegen das Inventar, werfen Boxentürme in die Menschenmassen. Als hätte die RhEINKULTUR nicht schon genug Probleme, kommt jetzt offenbar erstmals auch das der Gewalt hinzu.

Ich selbst habe am Veranstaltungstag nichts von der Aktion mitbekommen. Friedlich lagerten wir vor der blauen Bühne, genossen das ein oder andere Kaltgetränk und lauschten den Klängen der Bands. Wir sahen die Menschenmassen und waren froh. 160.000 Zuschauer sollten sichern, dass die RhEINKULTUR auch in ihrer 30. Auflage im kommenden Jahr wieder stattfinden kann. Trotz drastischer Kürzungen im Kulturbudget der Stadt Bonn, trotz „umsonst und draußen“, trotz totalen Zusammenbruchs des Bonner Nahverkehrs.

Nach der Aktion der gewaltbereiten Spinner, muss man aber erneut darum fürchten. Die Macher der RhEINKULTUR werden sich zusammensetzen und sehen, wie sie reagieren können und müssen. Ideen wird es einige geben, ob sie letztendlich nützlich und wirksam sein werden, kann nur das kommende Jahr zeigen. Ich hoffe, die Idioten bleiben zuhause oder schlagen sich ihre hässlichen Köpfe woanders ein. Ich lasse mir meine RhEINKULTUR nicht kaputt machen.

Ein Ring sie zu knechten…

Es ist sicher 13 Jahre her, dass ich zuletzt das bekannteste deutsche Rockfestival besuchte. Seinerzeit fand es noch immer an Pfingsten statt. Die Zeiten sind vorbei. Meine Festivalzeiten eigentlich auch. Unfreiwillig, aber vorbei. Dann jedoch ergab sich per Zufall, dass ein befreundeter Radiosender aus Bonn eine Pressekarte für das diesjährige Festival übrig hatte. Und bevor diese der ewigen Verdammnis anheimfiel, schlug ich zu.

Mit etwas mulmigem Gefühl, aber dennoch auch mit Vorfreude, machte ich mich also nach dem Frühdienst auf in Richtung Rennstrecke in der Eifel. Kurz nach der Autobahnabfahrt erwartete ich ein zumindest mittleres Verkehrschaos vorzufinden. Die Erinnerungen an damals. Allein, ich hatte mich getäuscht. Weit und breit keine Blechlawine. Die Fahrt bis zum Ring war völlig problemlos. Allerdings traf ich schon früher als gedacht auf die ersten Zeltburgen. Mit Busshuttle. Busshuttle! Vom Zeltplatz aus!

Erste Verwunderung wich einer Art Belustigung. Die wiederum wich der Zufriedenheit ein Parkticket zu haben, welches mir das Abstellen des Fahrzeugs quasi direkt unter der Hauptbühne ermöglichte. Gewaltmärsche zu den Konzerten fielen also flach. Sehr angenehm. Als ich nach wenigen Augenblicken das Gelände erreichte, fiel allerdings noch einiges mehr flach. Die Anarchie der früheren Tage war verschwunden. Alles wird inzwischen reglementiert. Der Zugang zum Platz vor der Bühne von mehreren Hundertschaften Securities reguliert, die Wege zu den einzelnen Bühnen nur auf verworrenen Pfaden möglich. Nichts für Freigeister. Das Festival ist durchgeplant. Komplett.

Klar, vor allem nach der Katastrophe bei der Loveparade, sind Sicherheitskonzepte das A und O. Natürlich sind Desinfektionsmittelspender an den Toiletten angenehm. Trotzdem fehlte mir das Gefühl. Zuviel Zwang, zuviele VIP´s mit Sonderrechten, eine Rock am Ring-App für´s Smartphone. Völlig verrückt. Ach, Musik gab es übrigens auch noch.

Vielleicht fehlte mir doch der Kontakt zum Volk. Vielleicht hätte ich zelten und nicht in der Nacht noch nach Hause fahren sollen. Vielleicht wäre dann die alte Stimmung wieder gekommen. Aber irgendwo muss man ja auch Grenzen setzen. Wir sind ja keine 18 mehr.