20 Jahre Baskets-Spirit

© Sebastian Derix

Es war vermutlich die Szene mit dem größten Gänsehaut-Faktor an einem Nachmittag, der an Gänsehaut-Momenten nicht gerade arm war: Der ehemalige Baskets-Kapitän Branko Klepac lief durch die lange Gasse der Cheerleader, vorbei an den Feuer speienden Würfeln, stellte sich unter dem Korb auf und genoss sichtlich, dass der Dome ihm stehend zujubelte. Der Baskets-Rekordspieler musste seine Karriere 2006 wegen einer MS-Diagnose beenden. Es war überragend zu sehen, dass er in der Lage war, am großen Legendentag teilzunehmen.

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Überragend waren auch die anderen Gäste am Wochenende der Legenden. Vom Parkplatz angereist war Eric Taylor, aus Iowa kam der Gunman Hurl Beechum, Zugvogel „Storch“ Kruel machte Station auf dem Hardtberg, Jan Rohdewald sorgte per Dreier aus der Ecke für mehrere vorzeitige Halbfinaleinzüge der Baskets, Arvid Kramer hatte nicht nur sich, sondern auch gleich seinen Sohn eingepackt – und das Aufstiegstrikot aus dem Jahr 1996 – es passte wie angegossen. Gunther Behnke versuchte sich immer wieder als Spielgestalter. Chris Ensminger säbelte fast niemanden mit seinen Ellenbogen um. Artur und JJ, Sebastian Machowski, Derrick Phelps und dann war da noch der heimliche Star des Spiels, Sinisa Kelecevic, der ein doppeltes Doppel ablieferte – und eines der breitesten Grinsen des Tages.

© Sebastian Derix

Neben den Aktiven grüßten noch Rimantas Kaukenas, EuroChallenge-Gewinner Kyle Weems und Coach John Bowler von der Leinwand. Der Amerikaner schien Sabbelwasser getrunken zu haben, er konnte gar nicht mehr aufhören zu versprechen, zum 25. Geburtstag persönlich zu erscheinen. Kurzfristig abgesagt hatte David McCray, bei den Querelen um die Artland Dragons wohl verständlich. Klaus Perwas bereitet sich auf den Viertelfinalsieg seiner Frankfurter gegen Bayern vor, um dann im Finale wieder in Bonn aufzulaufen.

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Es fehlte vor allem einer, der Wunder gemacht hatte: Bruno Socé, von 1995 bis 2001 Trainer der Baskets, verstarb vor knapp einem Jahr. Allerdings war seine Ehefrau in Bonn und erlebte das große Baskets-Jubiläum mit. Schade war auch, dass Mike Koch es nicht zum Tag der Legenden geschafft hat. Mit acht Jahren Trainer-Tätigkeit zählt er definitiv auch zu denjenigen, die zu feiern gewesen wären.

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Was macht eigentlich…?

 

© Sebastian Derix

David McCray war der erste Spieler, bei dem fest stand, dass er die Telekom Baskets verlassen wird. Der ehemalige Bonner Guard gab seinen Wechsel ins Artland bekannt. Dabei wollten in die Bonner gerne halten. Das Angebot für einen längerfristigen Vertrag lag vor, McCray entschied sich aber für einen Wechsel. Er wolle künftig unter seinem ehemaligen Mentor Tyron McCoy spielen, hieß es. Die finanziellen Möglichkeiten der Enten dürften ein Übriges getan haben.

Dass Jamel McLean nicht mehr zum neuen Team der Baskets gehören würde, konnte man sich schon beim Saisonabschluss denken. Zu sehr druckste der Amerikaner herum – er sei gerne in Bonn gewesen, ob man sich wieder einigen könnte, werde man sehen, die Euroleague sei sein Traum etc.. Ein Angebot der Baskets gab es dann auch nicht wirklich. Konkurrenz aus Italien o.ä.sei nicht zu überbieten, sagte Sportmanager Michael Wichterich während der Offseason. McLean landete dann in Berlin. Das liegt nicht in Italien, spielt aber in der Euroleague und finanziell in einer anderen Liga als die Baskets.

Spätestens mit der Verpflichtung von Angelo Caloiaro war klar, dass die Zeit von Tony Gaffney in Bonn fürs Erste abgelaufen ist. Schon zuvor hatten die Bonner Verantwortlichen immer betont, dass der Publikumsliebling noch kein neues Angebot bekommen habe. Beide Seiten ließen sich mit Verhandlungen noch Zeit, hieß es. Anfang der Woche verkündete Gaffney dann seine neue Station: Er unterschrieb einen Vertrag für die kommenden beiden Spielzeiten in Israel bei Hapoel Jerusalem. Er spielt damit in der kommenden Saison im Eurocup und könnte, unter diversen Umständen, irgendwann auf die Baskets treffen. In Jerusalem spielt Gaffney mit Bar Timor (Ex-ALBA Berlin) und Yotam Halperin (Ex-Bayern München) zusammen. Auch der ehemalige Baskets-Spieler Ronald Dupree stand zuletzt in Jerusalem unter Vertrag.

Einzig Kurt Looby ist derzeit noch ohne neues Arbeitspapier. Der Center bekam von den Baskets ebenfalls kein neues Vertragsangebot. Wohin sein Weg führen wird, ist noch unklar. Dass er erst spät in der Offseason einen neuen Vertrag unterschreibt, ist nichts neues für den frisch verheirateten Big Man. Bei den Baskets unterschrieb er im vergangenen Jahr erst Ende September. Auch bei seinen vorherigen Stationen waren die Vertragsangelegenheiten lange nicht wirklich geklärt.

 

Der David McCray im Interview

Seit Beginn der Saison schnappen sich die Kollegen vom Bonner Campusradio bonnFM in unregelmäßiger Regelmäßigkeit einen Spieler (oder Trainer) der Telekom Baskets zum ausführlichen Interview. Angetreten waren schon Tony Gaffney, Andrej Mangold und Mathias Fischer. Ich war in der Regel zum fotografieren dabei.

Heute stand also Guard David McCray auf dem Programm. Es wurde ein sehr launiges Gespräch über Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Es gab ernste Momente, aber auch lautes Gelächter. Zu hören gibt es das ganze Interview ab Freitagmorgen auf der facebook-Seite von bonnFM. Diese sei hiermit ausdrücklich zum „liken“ empfohlen. Klicken Sie bitte jetzt auf den Daumen.

Wie der Phoenix aus der Asche

Es war eine Partie mit zwei Gesichtern. So schlecht sich die Telekom Baskets in der ersten Halbzeit präsentierten, so grandios war dann auch die Aufholjagd in der zweiten Hälfte. Die Baskets schlugen den direkten Playoff-Konkurrenten aus Hagen mit 100:95. Bester Werfer war David McCray. Robert Vaden verletzt sich am Knie.

Schnelle erste Fünf

Trainer Mike Koch schickte zu Beginn mit Andrej Mangold, Jared Jordan, Kyle Weems, Robert Vaden und Jonas Wohlfarth-Bottemann eine schnelle Mannschaft aufs Feld, um die ebenfalls flinken Hagener zu schnell zu leichten Punkten kommen zu lassen. Und so war es auch Bonn, das durch Kyle Weems zunächst in Führung ging (5:0). Dann aber zeigten die angriffsstarken Gäste ihre Qualitäten. Es wurde ein offener Schlagabtausch, der nach zehn Minuten Hagen minimal vorne sah (25:26).

Im zweiten Viertel verloren die Hausherren dann allerdings den Faden. Durch einen 12:1-Lauf zog Hagen davon. Der Phoenix war on fire. Zwar kehrte mit Benas Veikalas auch der zweite zuletzt verletzte Spieler wieder auf das Feld zurück, allerdings merkte man ihm an, dass es für ihn noch nicht rund lief. Bonn agierte zunehmen konfus und musste mit der Halbzeitsirene einen weiteren Dreier der Gäste hinnehmen. Der Rückstand war auf 20 Punkte angewachsen (39:59).

Baskets on fire

Nach der Pause zeigten die Baskets dann ihr zweites Gesicht. Robert Vaden fand den Faden wieder und traf innerhalb kürzester Zeit dreimal von jenseits der Dreipunktelinie. Jonas Wohlfarth-Bottermann und Kyle Weems legten nach und schon war der Rückstand mehr als halbiert (52:61). Jetzt stand der Dome Kopf und trieb die Baskets, zusammen mit Pointguard Jared Jordan, zu einer bärenstarken Leistung. Der beste Passgeber der Liga war es dann, der gut vierzig Sekunden vor Viertelende erstmals wieder den Ausgleich schaffte (66:66). Mit einem knappen Rückstand gingen die Bonner dann in den Schlussabschnitt (67:71).

Und hier brannte dann David McCray ein wahres Feuerwerk ab. Immer wieder fand er sich am gleichen Punkt hinter der Dreierlinie wieder, schoss und traf. Vier Dreier in Folge fanden ihr Ziel, die Baskets waren vorne (81:76). Doch Hagen gab sich noch nicht auf. Sie kämpften sich zurück ins Spiel und schafften erneut den Ausgleich (83:83). Dann war es wieder einmal Jordan, der einen Ball klaute, sich im Fastbreak absetzte und verwandelte, McCray machte es ihm im nächsten Angriff nach (87:83). Hagen verlegte sich jetzt aufs foulen, um die Baskets an die Freiwurflinie zu bringen. Aber sowohl Jordan, als auch Jamel McLean, Kyle Weems und am Ende Benas Veikalas behielten die Nerven. Mit 100:95 besiegten die Baskets Hagen und zogen damit auch in der Tabelle wieder an den Gästen vorbei.

McCray bester Werfer, Jordan überragend

David McCray war mit seinen insgesamt 23 Punkten bester Werfer seines Teams. Fünf von sieben seiner Dreier trafen das Ziel. Bester Mann in der Halle war allerdings Jared Jordan. Neben seinen starken 17 Punkten gab er unglaublich 15 Assists, fünf mehr, als alle Hagener zusammen. Und auch wenn er am Ende völlig fertig war lief er alle 37 seiner Spielminuten auf Hochtouren. Ebenfalls 17 Punkte machte Kyle Weems, er holte sich zudem sechs Rebounds. Robert Vaden brachte es auf 15 Zähler, alle von jenseits der Dreierlinie und auch Jonas Wohlfarth-Bottermann punktete mit elf Zählern bei fünf Rebounds und vier Blocks zweistellig.

Baskets-Coach Mike Koch zollte nach dem Spiel vor allem Fitnesstrainer Julian Morche ein Sonderlob: „Es gab in der ersten Halbzeit zwei Dinge, die mir nicht gefallen haben und die wir nach dem Seitenwechsel verändert haben. Erstens haben wir in der Verteidigung nicht die nötige Intensität aufs Feld gebracht, wodurch Hagen zu vielen einfachen Korblegern gekommen ist. Zweitens ist es uns nicht gelungen, im Angriff simpel zu spielen, beziehungsweise den Ball schnell genug laufen zulassen. Unsere kraftaufreibende Spielweise in der zweiten Hälfte hat sich aber bezahlt gemacht – und das trotz unserer kurzen Rotation. Hier muss ich unserem Athletiktrainer ein ausdrückliches Lob aussprechen. Am Ende haben wir die Würfe kreieren können, die Hagen in der ersten Hälfte hatte.“

Am Sonntag schon geht es für die Baskets weiter. Mit Bamberg empfangen die Bonner den Deutschen Meister im heimischen Telekom Dome. Los geht es um 17 Uhr.

Vaden fällt aus

Schlechte Nachrichten gab es am Montag aus der medizinischen Abteilung der Baskets: Robert Vaden, der das Spielfeld angeschlagen verlassen musste, hat sich einen Teilabriss den Innenbandes im Knie zugezogen. Er wird drei bis vier Wochen ausfallen. Entwarnung kommt dagegen von Andrej Mangold, der ebenfalls angeschlagen ausgewechselt wurde. Er wird gegen Bamberg spielen können.