Happy Birthday Radio!

Liebes Radio,

als wir uns das erste Mal begegneten, war ich noch sehr klein. Es war vermutlich im Auto meiner Eltern. Wir fuhren – wohin auch immer. Meine Eltern hatten das Autoradio eingeschaltet und das Programm langweilte mich zu Tode. Das lag natürlich vermutlich weniger am Programm, als an meinem Interesse ihm zuzuhören. Und am kruden Musikgeschmack meiner Eltern vermutlich auch.

Einige Jahre später, ich war inzwischen größer, reifer und auch interessierter geworden, näherten sich unsere Wege erneut an. Die Übertragung der Bundesligaspiele samstagnachmittags lockte mich und hat mich dann schon deutlich mehr überzeugt als die Musikrotation von WDR 5 im frühen Kindesalter. Dass ich aber einst selber Teil des Radios sein würde, war zu diesem Zeitpunkt absolut nicht abzusehen.

Doch als dann die Zeit kam, in der junge Männer (und natürlich auch Frauen) ihren Beruf zu wählen hatten, kam mir recht zügig der Journalismus in den Sinn. Allerdings konzentrierte sich mein Wunsch auf das Schreiben in einer Zeitung. Um einen ersten Schritt in den Journalismus zu wagen, bewarb ich mich dann aber doch – mangels anderer Chancen – beim Bonner Uniradio. Und schon war es um mich geschehen. Binnen weniger Tage zogst du mich in deinen Bann. Nicht lang danach folgten die ersten Schritte im „professionellen“ Bereich.

Inzwischen verdiene ich meinen Lebensunterhalt mit dir. Ich reportiere oder nachrichte was das Zeug hält. Und, liebes Radio, ich möchte dich nicht mehr missen. Gibt es auch ab und an ein paar Unstimmigkeiten, so verstehen wir uns doch weitgehend sehr gut. Ich freue mich, dass wir zueinander gefunden haben.

Deshalb, liebes Radio, wünsche ich dir alles Gute zu deinem 90. Geburtstag. Ich hoffe, wir können noch viele schöne Jahre gemeinsam verbringen.

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bonnFM geht an den Start

Sechs Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal die Idee bekam, mein Glück beim Radio zu versuchen. Dass ich „was mit Medien“ machen wollte war soweit klar, eigentlich dachte ich allerdings, dass es mich zu einer Zeitung treiben würde. Die ersten zaghaften Versuche waren auch mehr schlecht als recht geglückt, auch die ein oder andere Veröffentlichung bei aufstrebenden Online-Medien hatte ich inzwischen zu verbuchen. Dann sollte aber der nächste größere Schritt kommen, beim Bonner Uniradio.

Wie es der Zufall wollte kannte ich den Vereinsvorsitzenden einer der damals diversen Radiogruppen aus der Hochschule, auch wenn ich ihn seinerzeit nicht besonders sympathisch fand. Den Einstieg bzw. die Bewerbung beim Sender machte es doch etwas leichter. Was in den kommenden Wochen folgte, war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Weder zum großen Vorsitzenden, noch zu vielen anderen Mitgliedern der Radiogruppe. Aber das Medium Radio nahm mich vom ersten Augenblick an gefangen. Lag das zunächst noch an der anarchischen Ausgestaltung des speziellen Senders, so wuchs die Zuneigung auch mit der Erfahrung verschiedener Praktika. Schnell konnte ich die ersten Euro mit dem Medium Radio verdienen – ein nicht zu verachtender Nebeneffekt.

Das Uniradio blieb mir und ich dem Uniradio erhalten. Zumindest so lange, bis ich die Hochschule wechselte und somit aufgrund der Bestimmung der Landesanstalt für Medien NRW den Sender verlassen musste. Ein (glücklicher) Zufall bzw. der erneute Studienortwechsel brachte es dann mit sich, dass ich wieder aktiv in die Bonner Campusradioarbeit einsteigen konnte. Wie auch vor meinem Ausscheiden arbeitete ich schnell wieder im Vorstand des Trägervereins mit. Es stand eine der größten Aufgaben der inzwischen knapp achtjährigen Radioarbeit an der Uni Bonn vor uns: aus den beiden noch existente Radiogruppen, dem unabhängigen radio96acht Bonn und der Gruppe bonncampus96,8, die sowohl am Medienwissenschaftlichen Institut in Bonn, als auch an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin beheimatet war, sollte nach Jahren der Trennung endlich ein Sender werden.

Monatelange Verhandlungen standen an, hatten bei meinem Wiedereinstieg sogar schon lange begonnen. Standort des neuen Senders, Name, Aufgaben der Mitarbeiter, Gebührenordnung, Satzung usw., all das musste verhandelt und geklärt werden. Zwischenzeitlich zweifelte wohl nicht nur ich daran, dass diese Mammutaufgabe bewältigt werden könnte. Zu viele Probleme tauchten an allen möglichen und unmöglichen Ecken immer wieder auf. Endlich gab es dann aber doch die Einigung der verhandelnden Personen, die anberaumte Mitgliederversammlung stimmte den Fusionsplänen weitgehend zu. Auch die Landesanstalt gab ihr OK, die Lizenz für den neuen Sender wurde erteilt.

Am kommenden Freitag kann nun bonnFM an den Start gehen. Die Führungsriege wird eine neue sein. Die Veteranen der Bonner Campusradioszene ziehen sich langsam zurück oder haben es längst getan. Viele von ihnen haben sich inzwischen in den verschiedenen Medien durchgesetzt. 1LIVE und der WDR, Radio Bonn/Rhein-Sieg, bis hin in das SWR3-Land oder den hohen Norden reichen die Spuren der Bonner Hochschul-Radiogruppen. Die gute Basisarbeit scheint sich also auszuzahlen. bonnFM wird an dieser guten Bilanz weiter arbeiten. Der neue Sender wird auch zukünftig jungen Medientalenten die Chance zur Entwicklung geben.

Ich bin froh, an diesem Projekt mitgearbeitet zu haben. Das Radioprojekt der Bonner Uni hat viele Jahre lang mein Leben bestimmt. Auch wenn die letzten Monate extrem hart und stressig waren, wird das Positive aus den vergangenen sechs Jahren im Gedächtnis bleiben. Tolle Menschen, fachliche Kompetenz und der ein oder anderen spektakulären Sendeausfall, der dann doch gelöst werden konnte. Ich habe dem Bonner Uniradio viel zu verdanken, deshalb werde ich auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen – vielleicht auch immer mal wieder am Mikrofon. Das neue Bonner Campusradio ist flügge geworden – unterstützen wir es beim fliegen.

Kreativität ist Arbeit

Kreativität lernen. Was für ein Blödsinn. Wie soll denn sowas gehen?

So oder so ähnlich waren meine Gedanken, als heute morgen der Wecker rappelte. Ein Workshop mit einem renommierten Radiomacher stand auf dem Programm. Und ich hatte keine Lust. Die ganze Woche gearbeitet, viel zu wenig geschlafen und dann auch noch den kompletten Sonntag den Kopf anstrengen, anstatt ihn einfach von schnellen, im Kreis fahrenden Autos am Nürburgring berieseln zu lassen? Na, schönen Dank auch.

Aber wie so oft kam alles anders. Der Radiomacher war ein echt netter Kerl und der Workshop war zum Teil extrem komisch. Und lehrreich. Denn Kreativität ist in gewisser Weise Handwerk. Und Handwerk kann man lernen. Wir lernten Techniken, von denen wir auf den ersten Blick nicht dachten, dass sie irgend etwas bringen würden. Am Ende waren nahezu alle begeistert. Brainstorming is out – brain writing is in.

Es hat Spaß gemacht, Erfolge zu sehen. Zu sehen, mit welch kleinen Tricks man die eigenen grauen Zellen wieder ans Laufen bekommen kann. Es hat Spaß gemacht, mit den Kollegen, zum Teil Freunden, total abgedrehte Ideen zu entwickeln. Wer von uns hat schon in letzter Zeit darüber nachgedacht, wie man einen simplen Einkaufswagen revolutionieren könnte? Oder wie gut man sich mit einer Büroklammer in den Ohren bohren kann?

Ob ich die neu gelernten Methoden in der täglichen Redaktionsarbeit gebrauchen kann, das wage ich noch zu bezweifeln. Zu festgefahren sind vermutlich da die Strukturen. Und doch tut es gut zu wissen, dass es andere Möglichkeiten gibt. Kreativität ist Arbeit – und eine Menge Spaß.