Der erste Rock ohne Ring

© Sebastian Derix

Das hier sollte eine unsentimentale Abrechnung mit dem Umzug von Rock am Ring auf den Flugplatz in Mendig werden. Ich sage es gleich: Das wird nix! 29 Jahre Nürburgring hinterlassen einfach ihr Spuren. Eine Center Stage mit der Nürburg im Hintergrund hat vom Panorama eindeutig gewonnen gegen zwei Bühnen mit lange nichts und dann einem Hangar. Das Flair der Rennstrecke war einzigartig. Die unendlichen Weiten des Flugplatzes in Mendig müssen das erst lernen.

Das soll nicht heißen, dass das neue Rock am Ring schlecht ist. Im Gegenteil. Das Gelände scheint in seiner Größe nahezu ideal für 90.000 Menschen, die ein Wochenende lang verschiedenste Bands feiern wollen. Vor den Toren der Kleinstadt Mendig mit ihren noch nicht einmal 9.000 Einwohnern entstand eine Großstadt. Sieht man von einigen Problemen im Bereich des Campings ab, war das Festival hervorragend organisiert – und das bei seiner ersten Ausgabe. Das Team Lieberberg/Pauls hat mit Mendig zusammen eine starke Leistung abgeliefert.

Stark waren auch die Bands. Bei denen, die ich gesehen habe, gab es keine, die sich hat hängen lassen und nur ihr Standardprogramm abgeliefert hat. Das ging von den Mighty Oaks, über Clueso, natürlich die Hosen, die ganz eng mit Familie Lieberberg verbunden sind, bis hin zu Slash, den Beatsteaks oder The Prodigy usw. usf.. Es schien eine Aufbruchsstimmung auch unter den Künstlern zu herrschen. Alle wollten dem neuen Schauplatz einen gebührenden Empfang bereiten.

Nicht ins Bild des Festivals passte die Nacht zum Samstag, als mindestens zwei Blitze das Konzertgelände trafen. 33 Menschen wurden dabei verletzt. Sie alle sollen inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden sein. Zwei Gewitterfronten hatten das Gelände mit voller Wucht getroffen. Auf einer Freifläche von der Größe eines Flughafens eine eher unpraktische Geschichte. Große Schutzmöglichkeiten gab es nicht – von den Konzertzelten für rund 16.000 Zuschauer einmal abgesehen. Dass Fritz Kalkbrenner mit dem Abbruch seines Sets nicht wirklich glücklich war, konnte man eindeutig hören. Man hätte ihm vielleicht früher sein Mikro abdrehen sollen. Dass es richtig war, das Konzert spätestens zu diesem Zeitpunkt zu beenden, steht selbstverständlich außer Frage.

Ein Fazit zu ziehen ist nicht leicht. Das neue Gelände ist top, die Wege für die meisten Camper sind deutlich kürzer als am Nürburgring. Dafür muss die Organisation auf den Plätzen noch deutlich verbessert werden – ein Festivalgelände muss erst gelernt werden, sagt auch die Veranstaltercrew. Mendig hat eine ehrliche Chance verdient, es hat sie sich erarbeitet. Viele Menschen waren mit Herzblut dabei, Mendig bemüht sich, ein rheinland-pfälzisches Wacken zu werden. Ob das in den nächsten Jahren gelingt, wird sich zeigen. Der erste Schritt war ein  guter.

 

 

 

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Rock ohne Ring im Revier

© Sebastian Derix

Schon seit einigen Tagen sahen Rockfans in der Eifel den Schein einer großen Turnhalle hinter der Nürburg auftauchen. Jetzt ist die Burg weg und die Arena auf Schalke da. Das „Grüne Hölle Rock“-Festival zieht ins Ruhrgebiet und heißt jetzt „Rock im Revier“. Grund sind die Streitigkeiten zwischen Konzertveranstalter DEAG und Ringbetreiber Capricorn. Der eine will alle Vorschüsse für die Bands bezahlt haben, der andere macht unzureichende Veranstaltungswerbung geltend.

Das Ruhrgebiet jubelt, die Netzgemeinde eher so gar nicht. Vor allem für internationale Gäste dürfte eine so kurzfristige Umbuchung von Flügen mächtig ins Geld gehen. Auch Hotel- und Pensionsbetreiber in der Eifel werden nicht amüsiert sein, dass nach der Formel 1 auch das nächste Mega-Event vom Ring abzieht. Es wird ruhig rund um die Nürburg. Manch Bonner Lärmmotzki hätte seine helle Freude.

Auch perspektivisch – denn Marek Lieberberg ist für mindestens fünf Jahre an Mendig gebunden, mit einer Option auf weitere fünf Jahre. Und dass DEAG und Capricorn sich noch einmal zusammenraufen, ist eher unwahrscheinlich. 29 Jahre hatte vieles gut funktioniert mit Ring und Musik – jetzt scheint das Ende der Fahnenstange erreicht.

Das Lineup in Mendig

© Sebastian Derix

Marek Lieberberg macht Nägel mit Köpfen. Kaum zwei Wochen nach Verkündigung des neuen Festivalortes präsentierte er heute die Headliner für den 30. Geburtstag von Rock am Ring: Foo Fighters, Die Toten Hosen und Slipknot. Außerdem sind bislang bekannt: Asking Alexandria, Beatsteaks, Broilers, Calle Jon,Donots, Frank Turner, In Flames, Kraftclub, Lamb of God, Motörhead, Papa Roach, Parkway Drive, Rise Against, Skindred, Trailerpark und Turbostaat.

Rock am Ring findet im kommenden Jahr in Mendig in der Eifel statt – und zwar wie immer am ersten Juni-Wochenende. Eine Tatsache, die die Deutsche Entertainment AG gestern dazu bewogen hat, ihr Nürburgring-Festival Grüne Hölle eine Woche nach vorne zu verlegen. Man wolle im Sinne der Fans handeln und ein Verkehrschaos vermeiden, wenn beide Großveranstaltungen am gleichen Wochenende nur 30 km voneinander entfernt stattfinden. Dass man befürchtet, zwei Festivals könnten in unmittelbarer Nähe nicht funktionieren, kann man nur spekulieren. Dass die Verlegung außerdem mit einem geplanten Zwillingsfestival in München zusammenhängt, ist ebenfalls nicht bestätigt.

Kein Rock am Ring in Mönchengladbach

© Sebastian Derix

Es hat nicht gereicht. Auch wenn Marek Lieberberg schon diesen Einstieg nicht gutheißen würde, kann man es wohl anders nicht sagen. Es wird kein Rock am Ring-Festival in Mönchengladbach geben. Am Nachmittag war der Veranstalter extra in die Vitusstadt gekommen, um der Presse zu erklären, warum das renommierte Festival jetzt doch nicht im JHQ stattfinden wird. Die Schuld dafür trägt die BIMA, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, sagt Lieberberg. Sie habe einen ausgehandelten und unterschriebenen Vorvertrag für das mögliche Festivalgelände ohne Begründung zurückgezogen. Dadurch sei eine Verhandlungspause von rund sechs Wochen entstanden, diese habe man nicht mehr aufholen können. Und das, obwohl sich Verwaltung und Politik in Mönchengladbach nach Leibeskräften mühten.

Lieberberg präsentierte sich und sein Herz für Mönchengladbach. Noch nie habe er so eine Zuneigung und Hoffnung in einer Stadt gespürt. Dieser Wunsch nach einem Festival habe ihn beeindruckt, die Zuneigung Mönchengladbachs werde er nicht vergessen. Und nicht nur deshalb versprach er, ein großes, ja sogar DAS Festival in Mönchengladbach etablieren zu wollen. Reicht die Zeit bis zum Juni nicht, so soll die dreitägige Veranstaltung im Spätsommer, vermutlich im August im JHQ stattfinden. Drei Bühnen werde es geben, zwei davon Open Air, eine vermutlich in einem Zelt. Zur Musikrichtung konnte oder wollte der Veranstalter noch nichts sagen. Erstaunlich häufig ließ er aber seine Sympathie für eine Veranstaltung wie das Tomorrowland durchklingen. Ein Event-Festival soll es wohl werden. „Sie wissen aber ja auch, mit welchen Künstlern wir in der Regel unterwegs sind.“ So nannte er dann auch die Toten Hosen nicht, sein Grinsen bei der Nachfrage eines Journalisten lässt aber darauf schließen, dass die Düsseldorfer ein heißer Kandidat sind.

In Mönchengladbach hat Lieberberg den Bauantrag für das Festival im August schon bei der Stadt abgegeben. Wohin es Rock am Ring zieht, ließ er weiter offen. Es gebe noch zwei Kandidaten. Einer davon ist Mendig. Die Gemeinde in der Eifel hatte sich beworben, kann das nötige Gelände und eine Genehmigung vorweisen. Die Entscheidung werde in den nächsten Tagen und Stunden fallen, so Lieberberg. Nicht unwahrscheinlich, dass er am Donnerstag in Mendig eine Pressekonferenz gibt.

Mit der BIMA auf der Waage

© Sebastian Derix

Noch gestern hieß es von der Konzertagentur von Marek Lieberberg, dass in den nächsten zehn Tagen eine Entscheidung fallen muss, wo Rock am Ring im kommenden Jahr stattfindet. Jetzt nimmt der Druck weiter zu. Laut Lieberberg neigt sich die Waage inzwischen in Richtung Mendig. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgabe sei schuld, wenn es am Ende nicht für Mönchengladbach reichen sollte. Sie habe einen Vorvertrag zurück gezogen und damit die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Veranstalter immens verkompliziert.

Gegenüber dem Mönchengladbacher Radiosender Radio 90,1 sagte Lieberberg, dieses Verhalten sei „unmöglich“. Die Stadt und alle Verantwortlichen hätten ihr Möglichstes getan, die BIMA hingegen habe eine frühere Lösung torpediert. Deshalb habe er inzwischen Zweifel, ob ein Festival bis Anfang Juni zu realisieren sei. Nur wenn es in den kommenden neun Tagen einen unterschriftsfähigen Mietvertrag und eine Garantie gebe, dass keine Einsprüche und Gerichtsverfahren mehr zu erwarten sind, könne die Waage wieder auf die Mönchengladbacher Seite kippen.

Das komplette Interview des Kollegen Philipp Braun mit Marek Lieberberg gibt es hier:

 

Sollte Rock am Ring tatsächlich nicht in der Vitusstadt landen können, verspricht Lieberberg mit einem anderen Festival nach Mönchengladbach zu kommen. Für eine Veranstaltung im August bleibe noch genügend Vorbereitungszeit. Ein Ableger von Rock´n´Heim oder das ehemalige Rock im Pott seien durchaus möglich. In seinen Planungen scheint diese Lösung favorisiert zu sein. Die Strahlkraft eines Rock am Ring-Festivals haben diese Veranstaltungen freilich nicht.

 

 

 

Lieberberg macht Druck

© Sebastian Derix

Wird es noch einmal eng für ein mögliches Rock am Ring-Festival in Mönchengladbach? Glaubt man der Rheinischen Post, dann eher nicht – dafür stand die Großveranstaltung aber offenbar lange auf der Kippe. Viel schwieriger als erwartet gestalteten sichanscheinend die Verhandlungen der Stadt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die scheute wohl das Risiko, das gewünschte Festival-Gelände selbst an Veranstalter Marek Lieberberg zu vermieten. Und das, obwohl es schon lange einen Vorvertrag gegeben haben soll. Eine mögliche Lösung liegt allerdings jetzt auf dem Tisch: Die Stadt prüft, ob sie das JHQ für fünf Jahre vom Bund pachtet, um es dann an Lieberberg weiter zu vermieten. Der Nachteil: Mönchengladbach trägt alle Risiken und die Verantwortung für das Gelände, inklusive Sicherung außerhalb der Veranstaltungen.

Seit gestern prüft die Verwaltung, ob die Bedingungen machbar sind. Eine endgültige Entscheidung soll auf der nächsten Ratssitzung am 1. Oktober fallen. Für Veranstalter Marek Lieberberg wäre das zu spät. In spätestens zehn Tagen müsse die Agentur Gewissheit haben, sagte Sprecherin Katharina Wenisch verschiedenen Medien. Mönchengladbach sei weiterhin der Favorit, Konkurrent Mendig hat den unumstößlichen Nachteil, dass es in unmittelbarer Nähe zum Nürburgring liegt – die Festivals (RaR und Grüne Hölle) würden sich gegenseitig das Publikum abgraben.

Die Politik in Mönchengladbach ist sich weiter einig, das Festival in die Stadt holen zu wollen, wenn es sinnvoll ist. Viele Politiker gehen davon aus, dass die endgültige Entscheidung schon vor der nächsten Ratssitzung feststeht. Das muss sie auch, wenn Lieberberg nicht doch noch weiterziehen soll mit seinem Musikzirkus. Bei den Berechnungen für die Kosten und Risiken müsse man zum Glück nicht bei null anfangen, stellte CDU-Fraktionschef Hans-Peter Schlegelmilch klar. Dass das Festival ein Highlight für die Stadt und damit ein erster großer Erfolg der neuen großen Koalition wäre, wird die Verhandlungen wohl nicht erleichtern, aber erträglicher machen.

„Die temporäre Nutzung von Teilbereichen des JHQ als Festivalgelände für die Marek Lieberberg Konzertagentur (Rock am Ring) hält die Stadt unter den bisherigen Voraussetzungen nach wie vor für denkbar. Mit Hochdruck hat die Verwaltung im Juli und August in enger Zusammenarbeit mit dem Konzertveranstalter geprüft, ob eine mehrtägige Veranstaltung genehmigungsfähig wäre“, schreibt die Stadt in einer Erklärung. Die Hochdruckprüfungen müssen wohl noch ein paar Tage weiter gehen, damit sie sich diese unglaubliche Chance nicht durch die Lappen gehen lässt. Daumen drücken ist angesagt.

 

Rock am Ring oder nicht – noch keine Entscheidung

© Sebastian Derix

Im Streit um die Namensrechte an der Marke „Rock am Ring“ standen sich heute die beiden Gegner vor dem Landgericht Koblenz gegenüber. Die neuen Ringherren, die Firma Capricorn, und der Insolvenzverwalter wollen Ex-Veranstalter Marek Lieberberg per einstweiliger Verfügung verbieten, den Namen Rock am Ring weiter zu nutzen. Lieberberg selbst sagt, er sei der alleinige Rechteinhaber und habe damit auch die Entscheidungsfreiheit, was er damit mache.

Das Gericht deutete in der Verhandlung heute an, es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass die Rechte alleine bei einer Person, also Lieberberg, liegen könnten, sagte Gerichtssprecher Ludger Griesar. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass die „Erfindung“ von Rock am Ring eine Gemeinschaftsproduktion der damaligen Veranstalter und der Verwalter des Nürburgringes gewesen sei. Dann aber kam Lieberberg und brachte neue „Beweismittel“ mit. Die Tendenz die Verfügung zuzulassen hatte sich vorerst erledigt.

„Das Gericht unter der Vorsitzenden Ingrid Metzger sah die Notwendigkeit, die Situation neu zu bewerten“, so Griesar. Eine Entscheidung soll jetzt am nächsten Montag fallen. Möglich sei aber auch, dass das Gericht dann noch immer nicht zu einem Urteil kommt. Gegen eine Entscheidung könnten dann natürlich immer noch Rechtsmittel eingelegt werden. Ob der Namensstreit bis zum Ortstermin von Lieberberg mit den Verantwortlichen in Mönchengladbach Mitte Juli beendet ist, darf getrost bezweifelt werden.