Rock ohne Ring im Revier

© Sebastian Derix

Schon seit einigen Tagen sahen Rockfans in der Eifel den Schein einer großen Turnhalle hinter der Nürburg auftauchen. Jetzt ist die Burg weg und die Arena auf Schalke da. Das „Grüne Hölle Rock“-Festival zieht ins Ruhrgebiet und heißt jetzt „Rock im Revier“. Grund sind die Streitigkeiten zwischen Konzertveranstalter DEAG und Ringbetreiber Capricorn. Der eine will alle Vorschüsse für die Bands bezahlt haben, der andere macht unzureichende Veranstaltungswerbung geltend.

Das Ruhrgebiet jubelt, die Netzgemeinde eher so gar nicht. Vor allem für internationale Gäste dürfte eine so kurzfristige Umbuchung von Flügen mächtig ins Geld gehen. Auch Hotel- und Pensionsbetreiber in der Eifel werden nicht amüsiert sein, dass nach der Formel 1 auch das nächste Mega-Event vom Ring abzieht. Es wird ruhig rund um die Nürburg. Manch Bonner Lärmmotzki hätte seine helle Freude.

Auch perspektivisch – denn Marek Lieberberg ist für mindestens fünf Jahre an Mendig gebunden, mit einer Option auf weitere fünf Jahre. Und dass DEAG und Capricorn sich noch einmal zusammenraufen, ist eher unwahrscheinlich. 29 Jahre hatte vieles gut funktioniert mit Ring und Musik – jetzt scheint das Ende der Fahnenstange erreicht.

Advertisements

Mit der BIMA auf der Waage

© Sebastian Derix

Noch gestern hieß es von der Konzertagentur von Marek Lieberberg, dass in den nächsten zehn Tagen eine Entscheidung fallen muss, wo Rock am Ring im kommenden Jahr stattfindet. Jetzt nimmt der Druck weiter zu. Laut Lieberberg neigt sich die Waage inzwischen in Richtung Mendig. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgabe sei schuld, wenn es am Ende nicht für Mönchengladbach reichen sollte. Sie habe einen Vorvertrag zurück gezogen und damit die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Veranstalter immens verkompliziert.

Gegenüber dem Mönchengladbacher Radiosender Radio 90,1 sagte Lieberberg, dieses Verhalten sei „unmöglich“. Die Stadt und alle Verantwortlichen hätten ihr Möglichstes getan, die BIMA hingegen habe eine frühere Lösung torpediert. Deshalb habe er inzwischen Zweifel, ob ein Festival bis Anfang Juni zu realisieren sei. Nur wenn es in den kommenden neun Tagen einen unterschriftsfähigen Mietvertrag und eine Garantie gebe, dass keine Einsprüche und Gerichtsverfahren mehr zu erwarten sind, könne die Waage wieder auf die Mönchengladbacher Seite kippen.

Das komplette Interview des Kollegen Philipp Braun mit Marek Lieberberg gibt es hier:

 

Sollte Rock am Ring tatsächlich nicht in der Vitusstadt landen können, verspricht Lieberberg mit einem anderen Festival nach Mönchengladbach zu kommen. Für eine Veranstaltung im August bleibe noch genügend Vorbereitungszeit. Ein Ableger von Rock´n´Heim oder das ehemalige Rock im Pott seien durchaus möglich. In seinen Planungen scheint diese Lösung favorisiert zu sein. Die Strahlkraft eines Rock am Ring-Festivals haben diese Veranstaltungen freilich nicht.

 

 

 

Lieberberg macht Druck

© Sebastian Derix

Wird es noch einmal eng für ein mögliches Rock am Ring-Festival in Mönchengladbach? Glaubt man der Rheinischen Post, dann eher nicht – dafür stand die Großveranstaltung aber offenbar lange auf der Kippe. Viel schwieriger als erwartet gestalteten sichanscheinend die Verhandlungen der Stadt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die scheute wohl das Risiko, das gewünschte Festival-Gelände selbst an Veranstalter Marek Lieberberg zu vermieten. Und das, obwohl es schon lange einen Vorvertrag gegeben haben soll. Eine mögliche Lösung liegt allerdings jetzt auf dem Tisch: Die Stadt prüft, ob sie das JHQ für fünf Jahre vom Bund pachtet, um es dann an Lieberberg weiter zu vermieten. Der Nachteil: Mönchengladbach trägt alle Risiken und die Verantwortung für das Gelände, inklusive Sicherung außerhalb der Veranstaltungen.

Seit gestern prüft die Verwaltung, ob die Bedingungen machbar sind. Eine endgültige Entscheidung soll auf der nächsten Ratssitzung am 1. Oktober fallen. Für Veranstalter Marek Lieberberg wäre das zu spät. In spätestens zehn Tagen müsse die Agentur Gewissheit haben, sagte Sprecherin Katharina Wenisch verschiedenen Medien. Mönchengladbach sei weiterhin der Favorit, Konkurrent Mendig hat den unumstößlichen Nachteil, dass es in unmittelbarer Nähe zum Nürburgring liegt – die Festivals (RaR und Grüne Hölle) würden sich gegenseitig das Publikum abgraben.

Die Politik in Mönchengladbach ist sich weiter einig, das Festival in die Stadt holen zu wollen, wenn es sinnvoll ist. Viele Politiker gehen davon aus, dass die endgültige Entscheidung schon vor der nächsten Ratssitzung feststeht. Das muss sie auch, wenn Lieberberg nicht doch noch weiterziehen soll mit seinem Musikzirkus. Bei den Berechnungen für die Kosten und Risiken müsse man zum Glück nicht bei null anfangen, stellte CDU-Fraktionschef Hans-Peter Schlegelmilch klar. Dass das Festival ein Highlight für die Stadt und damit ein erster großer Erfolg der neuen großen Koalition wäre, wird die Verhandlungen wohl nicht erleichtern, aber erträglicher machen.

„Die temporäre Nutzung von Teilbereichen des JHQ als Festivalgelände für die Marek Lieberberg Konzertagentur (Rock am Ring) hält die Stadt unter den bisherigen Voraussetzungen nach wie vor für denkbar. Mit Hochdruck hat die Verwaltung im Juli und August in enger Zusammenarbeit mit dem Konzertveranstalter geprüft, ob eine mehrtägige Veranstaltung genehmigungsfähig wäre“, schreibt die Stadt in einer Erklärung. Die Hochdruckprüfungen müssen wohl noch ein paar Tage weiter gehen, damit sie sich diese unglaubliche Chance nicht durch die Lappen gehen lässt. Daumen drücken ist angesagt.

 

Der Name darf bleiben

© Sebastian Derix

Der Name „Rock am Ring“ gehört Veranstalter Marek Lieberberg. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz heute entschieden. Lieberberg hatte gegen eine Entscheidung des Landgerichts Beschwerde eingelegt, das die Namensrechte bei ihm und den Betreibern der Rennstrecke am Nürburgring gemeinsam sah. Mit der Entscheidung zeigte sich der Veranstalter in einer Erklärung sehr zufrieden. Er sei erleichtert, dass er den Titel weiter für sein Festival verwenden darf. „Ich empfinde es als ein Stück Gerechtigkeit, das von mir erfundene Festival nunmehr unter seinem Namen an einem neuen Schauplatz weiterzuführen. Damit ist der Versuch einer Geschichtsklitterung zurückgewiesen worden!“, erklärte der Veranstalter.

Wo das Festival im kommenden Jahr stattfinden werde, werde schon in Kürze feststehen. Er wolle den neuen Veranstaltungsort bald bekanntgeben, schreibt Lieberberg. Auch die Planungen für das Programm laufen auf Hochtouren. Sie seien schon „erheblich fortgeschritten“, heißt es. Man kann also damit rechnen, dass Mönchengladbach bald den Zuschlag bekommt. Sollte die Einigung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn nicht noch scheitern, wird es wohl keine Probleme mehr geben. Auch Anwohnerinitiativen werden das Festival nicht verhindern können – zumal Lieberberg und seine Partner immer angekündigt hatten, Anwohner mit in ihre Planungen einzubeziehen.

Lieberberg kann kommen

© Sebastian Derix

Rock am Ring, Rock im JHQ oder wie es am Ende auch immer heißen mag, ein großes Festival im ehemaligen Headquarter in Rheindahlen ist machbar. Das ist das Ergebnis der vierwöchigen Beratungen aller beteiligten Gremien und Firmen. Gestern Abend tagten die Arbeitskreise ein vorerst letztes Mal vor der gesetzten Deadline und tauschten sich aus. Sie können sich ein Festival in Mönchengladbach vorstellen.

Die große Präsentation und Feier der Ergebnisse mit Veranstalter Marek Lieberberg bleibt allerdings vorerst aus. Der Vater des Ringrocks weilt im Urlaub auf Hawaii. Damit fällt auch die beim Publikumstermin in Mönchengladbach versprochene Veröffentlichung der drei Headliner fürs Erste flach. Dass die Toten Hosen ein heißer Kandidat auf einen der drei Posten ist, ist aber ein offenes Geheimnis. Für sie wäre es ein Heimspiel, Düsseldorf liegt quasi vor den Toren Mönchengladbachs.

Generell teilte die Stadt heute mit, dass sie derzeit keine unüberwindbaren Hürden sehe. „Natürlich konnten in der Kürze der Zeit nicht alle Fragen umfassend und abschließend geklärt werden. Aber bisher ist kein K.o.-Kriterium erkennbar, dass die Veranstaltung von vornherein ausschließt. Dennoch bleibt eine Reihe von Details und offener Fragen, die geklärt werden müssen. Eine rechtsverbindliche Aussage gegenüber der Konzertagentur kann deshalb erst mit einem planungsrechtlichen Vorbescheid oder im Baugenehmigungsverfahren getroffen werden“, sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners.

Eine noch zu klärende Angelegenheit ist die mit dem Eigentümer des JHQ. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben muss das Gelände zur Verfügung stellen. Aber auch hier sei man auf einem sehr guten Weg. Ein Sprecher erklärte mir die Lage heute mit einem sehr schönen Bild: „Wenn man Autofahren will, braucht man ein Auto und einen Führerschein. Wir haben das Gelände, also das Auto, und den Führerschein gibt es von der Stadt. Die Fahrstunden hat der Veranstalter aber schon genommen.“ Um es formell auszudrücken: die Verhandlungen sind sehr weit, es gibt aber noch keinen Vertrag. Bis der abgeschlossen sei, könne es auch „noch ein paar Tage“ dauern. Hindernisse gibt es aber wohl auch da keine echten mehr.

Für Urlauber Lieberberg rückt das Festival in Mönchengladbach einen großen Schritt näher. „Wir danken allen Beteiligten für ihr konstruktives Engagement, das beispielhaft für eine moderne Metropole ist“, erklärte er in einer Stellungnahme. Er spricht von „hochprofessionell“ und „verantwortungsvoll“ und erwartet keine entscheidenden Probleme mehr für ein „Weltklasse-Festival auf höchstem Nieveau.“ Das geht runter wie feinstes Olivenöl.

Der offizielle Bauvorantrag für das Gelände soll Mitte August gestellt werden. Spätestens dann ist das Festival in ziemlich trockenen Tüchern. Dann soll es auch wieder eine Pressekonferenz geben auf der dann auch die ersten Infos zum Programm offiziell werden.

Neuer Ärger am Ring?

© Sebastian Derix

Der „Kleinkrieg“ zwischen Konzertveranstalter Marek Lieberberg und den neuen Besitzern des Nürburgrings um die Namensrecht am Festival „Rock am Ring“ beschäftigt Fans und Freunde des Festivals jetzt seit einigen Wochen. Ausgebrochen war der Streit, weil die Firma Capricorn, die den Ring gekauft hat, die Verträge mit Lieberberg gekündigt hatte und jetzt ein eigenes Festival veranstalten will. Wie die WirtschaftsWoche jetzt herausgefunden hat, könnte aber die ganze Geschichte eine neue Wendung nehmen. Es scheint fraglich, ob der Verkauf des Nürburgrings an den Autozulieferer Capricorn rechtens war.

Er könnte im Konflikt mit Europarecht stehen. Aus diesem Grund haben vier Mitbewerber Capricorns Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die sollte den Verkauf/Kauf genehmigen, hat das aber bislang immer verschoben. Vor allem eine US-Firma setzt nach WiWo-Angaben alle Hebel in Bewegung, um den Nürburgring selbst kaufen zu können. Aber auch der ADAC ist mit dem Ausgang des Verkaufs unzufrieden – verständlich, hatte er sich doch selbst um den Nürburgring bemüht.

Der Vorwurf lautet in erster Linie, dass die Vergabe nicht transparent und frei von Benachteiligungen abgelaufen sei. Die Kommission schweigt bislang dazu. Sie verlässt sich offenbar auf die Angaben der Insolvenzverwalter, schreibt die WiWo. Wie es mit der Genehmigung des Verkaufs weitergeht, steht aktuell wohl in den Sternen. Sollte Capricorn den Ring nicht rechtmäßig zugesprochen bekommen haben, stünde ein Rechtsstreit an, der sich über Jahre hinziehen könnte. Capricorn wäre laut WirtschaftsWoche dann höchstens Pächter des Rings.

Ob und wenn ja welche Auswirkungen das alles auf den Streit um Rock am Ring und auf die Organisation eines eigenen Festivals hat, vermag ich nicht zu beurteilen (Juristen vor!). Es scheint aber so zu sein, als kehre in der beschaulichen Eifel noch lange nicht Ruhe ein.

Rock am Ring oder nicht – noch keine Entscheidung

© Sebastian Derix

Im Streit um die Namensrechte an der Marke „Rock am Ring“ standen sich heute die beiden Gegner vor dem Landgericht Koblenz gegenüber. Die neuen Ringherren, die Firma Capricorn, und der Insolvenzverwalter wollen Ex-Veranstalter Marek Lieberberg per einstweiliger Verfügung verbieten, den Namen Rock am Ring weiter zu nutzen. Lieberberg selbst sagt, er sei der alleinige Rechteinhaber und habe damit auch die Entscheidungsfreiheit, was er damit mache.

Das Gericht deutete in der Verhandlung heute an, es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass die Rechte alleine bei einer Person, also Lieberberg, liegen könnten, sagte Gerichtssprecher Ludger Griesar. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass die „Erfindung“ von Rock am Ring eine Gemeinschaftsproduktion der damaligen Veranstalter und der Verwalter des Nürburgringes gewesen sei. Dann aber kam Lieberberg und brachte neue „Beweismittel“ mit. Die Tendenz die Verfügung zuzulassen hatte sich vorerst erledigt.

„Das Gericht unter der Vorsitzenden Ingrid Metzger sah die Notwendigkeit, die Situation neu zu bewerten“, so Griesar. Eine Entscheidung soll jetzt am nächsten Montag fallen. Möglich sei aber auch, dass das Gericht dann noch immer nicht zu einem Urteil kommt. Gegen eine Entscheidung könnten dann natürlich immer noch Rechtsmittel eingelegt werden. Ob der Namensstreit bis zum Ortstermin von Lieberberg mit den Verantwortlichen in Mönchengladbach Mitte Juli beendet ist, darf getrost bezweifelt werden.