bonnFM geht an den Start

Sechs Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal die Idee bekam, mein Glück beim Radio zu versuchen. Dass ich „was mit Medien“ machen wollte war soweit klar, eigentlich dachte ich allerdings, dass es mich zu einer Zeitung treiben würde. Die ersten zaghaften Versuche waren auch mehr schlecht als recht geglückt, auch die ein oder andere Veröffentlichung bei aufstrebenden Online-Medien hatte ich inzwischen zu verbuchen. Dann sollte aber der nächste größere Schritt kommen, beim Bonner Uniradio.

Wie es der Zufall wollte kannte ich den Vereinsvorsitzenden einer der damals diversen Radiogruppen aus der Hochschule, auch wenn ich ihn seinerzeit nicht besonders sympathisch fand. Den Einstieg bzw. die Bewerbung beim Sender machte es doch etwas leichter. Was in den kommenden Wochen folgte, war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Weder zum großen Vorsitzenden, noch zu vielen anderen Mitgliedern der Radiogruppe. Aber das Medium Radio nahm mich vom ersten Augenblick an gefangen. Lag das zunächst noch an der anarchischen Ausgestaltung des speziellen Senders, so wuchs die Zuneigung auch mit der Erfahrung verschiedener Praktika. Schnell konnte ich die ersten Euro mit dem Medium Radio verdienen – ein nicht zu verachtender Nebeneffekt.

Das Uniradio blieb mir und ich dem Uniradio erhalten. Zumindest so lange, bis ich die Hochschule wechselte und somit aufgrund der Bestimmung der Landesanstalt für Medien NRW den Sender verlassen musste. Ein (glücklicher) Zufall bzw. der erneute Studienortwechsel brachte es dann mit sich, dass ich wieder aktiv in die Bonner Campusradioarbeit einsteigen konnte. Wie auch vor meinem Ausscheiden arbeitete ich schnell wieder im Vorstand des Trägervereins mit. Es stand eine der größten Aufgaben der inzwischen knapp achtjährigen Radioarbeit an der Uni Bonn vor uns: aus den beiden noch existente Radiogruppen, dem unabhängigen radio96acht Bonn und der Gruppe bonncampus96,8, die sowohl am Medienwissenschaftlichen Institut in Bonn, als auch an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin beheimatet war, sollte nach Jahren der Trennung endlich ein Sender werden.

Monatelange Verhandlungen standen an, hatten bei meinem Wiedereinstieg sogar schon lange begonnen. Standort des neuen Senders, Name, Aufgaben der Mitarbeiter, Gebührenordnung, Satzung usw., all das musste verhandelt und geklärt werden. Zwischenzeitlich zweifelte wohl nicht nur ich daran, dass diese Mammutaufgabe bewältigt werden könnte. Zu viele Probleme tauchten an allen möglichen und unmöglichen Ecken immer wieder auf. Endlich gab es dann aber doch die Einigung der verhandelnden Personen, die anberaumte Mitgliederversammlung stimmte den Fusionsplänen weitgehend zu. Auch die Landesanstalt gab ihr OK, die Lizenz für den neuen Sender wurde erteilt.

Am kommenden Freitag kann nun bonnFM an den Start gehen. Die Führungsriege wird eine neue sein. Die Veteranen der Bonner Campusradioszene ziehen sich langsam zurück oder haben es längst getan. Viele von ihnen haben sich inzwischen in den verschiedenen Medien durchgesetzt. 1LIVE und der WDR, Radio Bonn/Rhein-Sieg, bis hin in das SWR3-Land oder den hohen Norden reichen die Spuren der Bonner Hochschul-Radiogruppen. Die gute Basisarbeit scheint sich also auszuzahlen. bonnFM wird an dieser guten Bilanz weiter arbeiten. Der neue Sender wird auch zukünftig jungen Medientalenten die Chance zur Entwicklung geben.

Ich bin froh, an diesem Projekt mitgearbeitet zu haben. Das Radioprojekt der Bonner Uni hat viele Jahre lang mein Leben bestimmt. Auch wenn die letzten Monate extrem hart und stressig waren, wird das Positive aus den vergangenen sechs Jahren im Gedächtnis bleiben. Tolle Menschen, fachliche Kompetenz und der ein oder anderen spektakulären Sendeausfall, der dann doch gelöst werden konnte. Ich habe dem Bonner Uniradio viel zu verdanken, deshalb werde ich auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen – vielleicht auch immer mal wieder am Mikrofon. Das neue Bonner Campusradio ist flügge geworden – unterstützen wir es beim fliegen.

Werbeanzeigen

Hörsaal voll, Schnauze auch

Alle Jahre wieder beginnt für viele junge Menschen die fröhliche Ausbildungszeit in der Hochschule. Viele von ihnen betreten die Lehranstalt für offiziell Erwachsene zum ersten Mal, andere nicht. So wie ich. Seit einer stattlichen Anzahl von Jahren, bin ich zu jedem Semesterbeginn wieder gefragt, mich in die Universität zu schleppen, um die alternden Knochen in viel zu enge Sitzbänke zu pressen oder an frisch gestrichene Wände – Studiengebühren olé! – zu lehnen.

So stand also auch in dieser Woche wieder der Semesterstart an. Ein ums andere Mal manövrierte ich mich in die höhere Lehranstalt – nur um nach wenigen Augenblicken dem Nervenzusammenbruch nahe zu sein. Zum einen sind mir Menschenansammlungen schon auf freiem Gelände eher zuwider, zum anderen verbrauchen viele Menschen (auch junge), in viel zu enge Räume gepresst, unglaublich viel Sauerstoff. Meinen Sauerstoff. Ich habe hier eindeutig die älteren Rechte. Und nicht nur am Sauerstoff. Wo sind die Zeiten hin, als junge Hüpfer den Älteren noch einen Platz anboten? Ob in der Bahn, im Bus oder im Hauptseminar. Ist das nicht auch eine Art Generationenvertrag? Noch in meinen ersten Semestern wäre ich fröhlich aufgesprungen, hätte ich einen altgedienten Hochsemesterstudenten mit meinem Platz erfreuen können.

Allein, diese Zeiten scheinen vorbei. Stehen ist angesagt. Belegten die Universitäten ihre Räumlichkeiten früher in der Regel maximal bis zum letzten Sitzplatz auf der Treppe, so darf heutzutage sogar hinter allen Bankreihen, Bodensitzern und einer stattlichen Anzahl von Vorhängen in mehreren Reihen gestanden werden. Und das auch nur von denen, die mindesten 40 Minuten vor Vorlesungsbeginn vor Ort sind – alle anderen stehen eben vor der Türe.

Gelobt sei die Onlineanmeldung für alle Veranstaltungen. Wenn man 400 Anmeldungen annimmt und den betroffenen Menschen einen Platz verspricht, heißt das noch lange nicht, dass man die Veranstaltung auch in einem adäquaten Raum stattfinden lässt. Warum nicht mal die 400 Studenten in einen Saal für maximal 200 Teilnehmer pressen? Könnte doch ein Spaß sein. So denkt wohl der Raumverteilungsbeauftrage an der Hochschule.

Ich persönlich verstehe seine Lust am Humoristischen. Was ich nicht verstehe, ist, warum dem Spaßvogel nicht irgendein Vorgesetzter mit einer rostigen Gabel den Rücken zerkratzt. Ich habe die Schnauze gestrichen voll davon, Semester um Semester um einen Platz – allein im Raum – zu kämpfen.

Sicher, aufmerksame Leser mögen jetzt anmerken, dass ein Studium in der Regel nur selten eine stattliche Anzahl an Jahren dauert. Das stimmt. Meins schon. Das mag nicht gut sein, ist aber noch lang kein Grund, Jahr um Jahr, Semester um Semester, so eine Scheiße abzuziehen. Ich werde wohl eine andere Lösung gegen meine Dummheit suchen müssen. Unermesslicher Reichtum muss her, um dann einen Privatdozenten zu engagieren, der arbeitet, wenn ich Zeit habe. Zwischen 14 und 18 Uhr. Mindestens zweimal die Woche.

Fluchtgedanken

Die Hochschule. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer – und so weiter. Eigentlich sind es oft gar keine Abenteuer. Vielmehr ist es quälende Langeweile. So auch heute. Denn, obwohl Referate grundsätzlich keine ganz blöde Erfindung sind, muss ich in nicht allzu ferner Zeit dringend weinen. Zwar wurden die Wissenschaftskurzshows schon immer als Qual von Schülern und Studenten angesehen,  vom pädagogischen Standpunkt gesehen erscheinen sie grundsätzlich nicht völlig verkehrt.

Völlg verkehrt läuft aber etwas, wenn eine Referatsgruppe, eigentlich offensichtlich recht ordentlich vorbereitet, überhaupt nicht ans Laufen bzw. ans Reden kommt. Nicht weil die Kommilitonen zu schüchtern wären oder nichts zu sagen hätten. Vielmehr ist es eine überdominante Dozentin, die wild unterbricht, zu stundenlangen Monologen anhebt und bei jedem einzelnen Wort, das ihr nicht hundertprozentig in den Kram passt, mit Blitzen auf die Referierenden wirft.

Da es sich im vorliegenden Fall um ein Seminar handelt, in welchem die Vorführung verschiedener Filmsequenzen dringend vonnöten ist, kommt ein wirklicher Fluss zu keinem Zeitpunkt auf. Dass ungefähr 60% der Kommilitonen noch kein einziges Mal den Schlusspfiff der Veranstaltung erlebt haben, tut sein übriges.

Ich habe in meinem nicht kurzen Studentendasein inzwischen schon zahlreiche schlechte Veranstaltungen besucht. Diese hier schlägt jedoch dem Fass den sprichwörtlichen Boden aus. Gerade ist es mal wieder dunkel. Ein Filmschnipsel wird präsentiert. Die Dozentin hält die Klappe. Eine Wohltat. Und dennoch sind die Kommilitonen links und rechts von mir schon seit mindestens 30 Minuten verschwunden. Was bin ich doch für ein elender Nachmacher – aber das hier kann ich mir heute nicht länger geben. Ich muss weg.